Journaille und Webdesign

Sollten Sie je in die Ungelegenheit geraten, Designaufträge für Vertreter grosser journalistischer Konzerne ausführen zu müssen, wollen, können, beachten sie bitte von vorneherein die folgenden Anhaltspunkte.

  • Begrifflichkeiten wie „möglichst zeitnah“, „schnell“, „demnächst“, „bei Verfügbarkeit“, „wenn’s geht bald“, „in absehbarer Zeit“ und ähnliche bedeuten in diesen Kreisen vor allem und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur eins: sofort. Dabei fallen Wartezeiten der Material- und Contentanlieferung, Zeiten für Absprachen, Meetings und ähnliches regelmäßig zu ihren Ungunsten nicht ins Gewicht. Sofort heisst eben sofort, Steigerung nicht mehr möglich.
  • „Look and Feel“ heisst nicht „Look and Feel“, sondern 110% nach vorhandener CI, unbeachtet aller neuesten Standards, sondern in fiesem HTML3, ohne Doctype bitte, man sendet ihnen dazu gerne 100seitige PDFs mit Styleguides für Webseiten zu, die mit denen, was sie gerade zu produzieren versuchen, aber auch gar nichts zu tun haben.
  • Statt einer anderen produzierenden Instanz, wird ihre Arbeit kurz vor Abschluss regelmäßig von kompetenten Instanzen wie der Verkaufsabteilung, einer Redaktion, einzelnen Journnalisten, der Lokalredaktion von Klein-Kleckersdorf und dem Hausmeister der Haupstelle in X unter die Lupe genommen, bewertet und mit Änderungswünschen versehen, die man sowieso einmal an dem schon vorhandenen Onlineauftritt loswerden wollte.
  • Wenn dann alles zu Termin fertig ist (oder wegen der noch eben eingetroffenen 234 Änderungen auch danach), dann dauert es plötzlich 1 bis 2 Monate, bis jemand sich bemüht, das fertige Angebot zu nutzen oder mal eines Blickes zu würdigen.

Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Arbeit.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.