Da will ich letztens einkaufen gehen

Ich fahre Fiat, na klar, nicht mein Traumauto. Bin auch schonmal Opel gefahren, ganz alte Karre, aber bodenständig, auch wenn die Bremsen nicht so richtig gingen. Ob ich mir einen neuen Opel kaufen würde? Kaum: zu teuer und sieht beschissen aus, not my style. Muss man doch mal sagen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da traf auf der Autobahn vor allem Golf und Opel. Ist heute nicht mehr so, ich fahre viele Autobahnkilometer als Beifahrer und mein Hobby ist Carspottng. Man sieht immer noch viele Golf, aber kaum noch Opel. Ich fahre also Fiat, aber eben aus Kostengründen. Na gut, ich würde auch mit viel Geld keinen Opel fahren, aber mein Opa. Oder mein Vater. Aber die fahren auch nicht Opel. Einfach kein Image. Wer entscheidet sowas, wer stellt solche Weichen, wer beraubt einer Automarke ihres Images? Die Arbeiter am Fliessband? Vielleicht ist das ein jahrelander Bummelstreik, an Station 125 am Band, hat man sich einfach geweigert das Image einzubauen?

Als Kind war ich oft bei Karstadt, sehr oft. Meine Oma hat bei Karstadt gearbeitet, in Bremen, in der Schuhabteilung. 30 Jahre oder so. Guter Job. Wir haben Oma oft von der Arbeit abgeholt und ich kannte Kartstadt Bremen wie meine Westentasche. Dort die Schuhabteilung, die Klamotten, die Musikabteilung, da war ich oft, die Spielwaren im Vierten, unten die Süssigkeiten und zu Weihnachten hin, die Kerzengiesserei. Damals. Wenn man etwas wollte und nicht wusste wo man es findet, ging man an die Rolltreppe, dort stand ein Schild und darauf zum Beispiel: „3. Etage Damenoberbekleidung“. Anfangs gab es sogar noch Fahrstuhlführer, die sagten dann oft: „2. Etage: Herrenwäsche, Miederwaren, Kurzwaren, Oberhemden“ oder sowas, an jeder Etage was anderes natürlich, je nach Abteilung. Diese beiden Arten der Information sind heute überholt: Schild und Fahrstulführer wären überfordert. Es gibt keine Abteilungen mehr, es gibt Shops. Markenshops, die alles und nichts führen. Hose kaufen bei Karstadt? Zunächst in die Herrenabteilung, ihhh nur Opaklamotten hier, zurück in den Ersten zum „Marco Polo“-Shop, dann in den Vierten zum „Edward-Clark-Shop“, ins Erdgeschoss „Esprit for men“ und so fort. Spinnen die? Das Kaufhaus ist kein Kaufhaus mehr, es ist eine lose Ansammlung von Shop in Shop in Shopshops. Wer entscheidet sowas? Die Angestellten? Haben sich über nacht einfach eine neue Ordnung ausgedacht, alles umgehängt und umdekoriert? Aus dem Haus „in dem man alles bekommt“ wurde „das Haus wo man nichts mehr findet“.

Ganz klar, sowas muss bestraft werden. Wenn ich Chef wäre, ich würde meinen Angestellten aber was erzählen, wenn sie einfach ohne mich zu fragen, das Image meines Unternehmens ändern würden, die Kompetenz die es ausstrahlte einfach kaputt machten, rauswerfen würde ich die! Also weg mit den überzähligen Leuten, die haben sowieso immer nur Geld gekostet.

Manchmal frage ich mich: wenn alle Leute arbeitslos sind, wer kauft dann noch Autos bei Opel und VW oder Klamotten bei Karstadt, Schlecker, Budni, Spar? Schön das ihr dann so billig prdouzieren könnt, schön, dass ihr euch so gesund geschrumpft habt. Und dann? Wussten Sie, dass die Arbeiter bei Opel in Polen, keine Opel fahren? Können die sich gar nicht leisten.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.