Gehirn-Teil-Amputation

Noch keine 6 Monate war es alt, jetzt ist es tot. Mein Notebook.

Der Verlust hat mich derartig schwer getroffen, dass ich, obwohl das Unglück schon vor über einer Woche passierte, gar nicht darüber schreiben konnte/wollte. Jedenfalls passierte das Missgeschick wenigstens nicht mir, sondern einem armen Kollegen, nur soviel: Kaffee im Notebook führt nur Anfangs zu einer Steigerung der Arbeitsgeschwindigkeit, und das auch nur bei den umstehenden Personen, die Maschine gibt ihren Geist kurz danach auf und danach verbreitet sich eine Welle von Betroffenheit bis Schockzustand, die den just gewonnenen Geschwindigkeitszuwachs wieder umgehend relativiert. Zum Glück gibt es Versicherungen.

Trotzdem ist mein Notebook jetzt weg, zurück zu seinen Erbauern, auf das die feststellen mögen, ob man den Kaffee noch aus seinen Eingeweiden extrahieren kann und (vielleicht gefriergetrochnet als Löslicher) wiederverwenden kann und ob dann der Rechner wieder anläuft, oder ob es direkt verschrottet werden kann. Es war doch noch so jung!

Bis dahin laufe ich rum, als hätte mir jemand die Gehirnregion mit Kurzzeitgedächtnis, Bookmarks und Passwörtern herausoperiert. Ich verfalle regelmäßig in leichte tremorartige Zuckungen, wenn der Griff auf den Stammplatz des kleinen Rechners mit einer Landung im freien Raum endet und seine Abwesenheit manifestiert. Ich leide! Der Wissenstransfer von der Arbeit nach Hause ist nahezu zum erliegen gekommen. Ich fange an, wieder mit Notizzetteln herumzulaufen. Wie tief kann man fallen?

Und was soll das heissen, Backup? Natürlich habe ich Backups, hier schön auf der USB-Platte gesammelt, aber wohin soll ich die jetzt einspielen? Das USB-Kabel, das hier am Schreibtischrand herumoxidiert scheint mich vom Stecker her an- oder vielmehr auszulachen. Kann man nur hoffen, dass “Notie” bald zurückkehrt, oder wenigstens seine Obduktion beendet ist und das Testament vollstreckt werden kann. Dann könnte man sich allerdings endgültig zu neuen Ufern aufmachen. Ach ja.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.