Jabbern unter OS X

Wer Jabber nicht kennt, der hat auf jeden Fall die Themen IM_messaging und OpenSource ein wenig verpennt. Per Jabber kann man mit anderen Usern im Netz chatten, Dateien tauschen und vieles mehr, genauso wie mit ICQ, AOL IM oder Yahoo Messenger eben, nur OpenSource. Und besser, versteht sich. Die meisten Jabber-Clients unterstützen dabei nicht nur die Kommunikation über das Jabberprotokoll selbst, sondern stellen über Gateways (die der jeweilige Jabberserver allerdings zur Verfügung stellen muss) ebenso Verbindungen zu den genannte Clients: ICQ, AOL, Yahoo und wenn es denn sein muss auch MSN her. Die Liste der Clients für MacOS X ist nicht ganz so lang wie für die anderen Plattformen, ich habe mal exemplarisch zwei vielversprechende Programme ausprobiert.

JabberFox fällt zunächst mal durch das ansprechende Icon auf, ohne Frage. Zu laden ist es als DiskImage, die Installation ist wie üblich einfach, das Programm wird lediglich in dn Programmordner gezogen. Bei ersten Start fragt JabberFox die nötigen Serverinformationen ab, hier kann man, wenn man schon einen Jabber-Account besitzt, die entsprechenden Daten eintragen, oder sich auch einen neuen Account bei einem der offenen Server anlegen.
Auf Wunsch kann die Verbindung zum Server automatisch hergestell werden, es ist aber auch eine Auswahl möglich, schließlich kann man sich bei mehreren Servern anmelden (sogar gleichzeitig, für das Jabberprotokoll kein Problem, ebenso das gleichzeitige einloggen von verschiedenen Rechnern mit unterschiedlichen Clients etc. pp.). Ist auf dem jeweiligem Server ein Profil hinterlegt, z.B. die Konfiguration der Gateways (die im Jabber-Jargon übrigens “Transports” heissen) zu anderen IM-Diensten und die Kontaktliste, so zieht sich JabberFox diese Infos und ist damit einsatzfähig.
Meldet man sich neu an einem Server an, muss man seine Kontakte natürlich erst noch hinzufügen. Will man auch Kontakte aus anderen IM-Welten auf der Liste haben, muß man sich zunächst am jeweiligen Transport anmelden. Hierzu muss man allerdings ebenfalls einen Account bei diesen Diensten aben, also z.B. bei ICQ. Dessen Daten müssen dem Transport mitgeteilt werden und schon ernscheint auch der eigene ICQ-Account online, gesteuert über Jabber.
Das Kernstück ist wie bei jedem IM-Programm, die Anzeige der Kontakte, der sog. Roaster. Dieser wirkt bei JabberFox mehr als aufgeräumt, schon allein, weil standardmässig nur die Kontakte und Gruppen angezeigt werde, wo Kontakte online sind. Na klar, die Kontakte lassen sich in Gruppen einteilen, zwischen den Gruppen hin- und herschieben usf.
Chats werden in einem neuen Fenster geöffnet, hir kann man recht genau das Aussehen von Text, Kontaktnamen, Links etc. festlegen, ebenso lassen sich alle anderen Funktionen von JabberFox über das Einstellungsmenü regeln. Besonders nett: es gibt verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, wie JabberFox sich meldet, wenn ein Kontakt für einen Chat anklingelt. Die in MacOS X eingebauten Stimmen können eingehende Nachrichten sogar vorlegesen.
Was fehlt? JabberFox kann im Moment keine Dateien von einem Client zum anderen übertragen, ein Feature, daß allerdings längst nicht alle Jabberclients bieten. Ebenso konnte ich keine History finden, also ein Archiv für verschickte und empfangene Nachrichten. Diese Funktion täte ich allerdings schmerzlich vermissen. Darum hab ich gleich noch einen Client getestet:

Nitro nennt sich der nächste Client im Test. Um es kurz zu machen, Nitro kennt alle Funktionen, die auch JabberFox beherrscht. Es wird als bz2-Archiv geladen, ist ebenso leicht zu installieren. Die Einrichtung (mit vorhandenem oder neuem Jabber-Account) geht ebenso leicht von der Hand. Allerdings hier ausschließlich in englischer Sprache. Und während JabberFox im Aquadesign daherkommt, ist die Oberfläche von Nitro im vom Safari bekannten brushed Alluminum ausgeführt.
Der Roaster zeigt sich genauso wie der von JabberFox, allerdings mit einem zusätzlichen Auswahlmenü, mit dem sich schnell der eigene Onlinestatus ändern läßt (“Avaiable, Away,…” etc.). Verschiedenfarbige Icons zeigen den Status der Kontakte an.
Nitro hat ein paar Kleinigkeiten mehr zu bieten als JabberFox: und zwar kann hier über ALT-Apfel-L ein Log-Fenster aufgerufen werden, in dem alle Nachrichten der letzten Zeit gespeichert sind, aufgteilt nach Kontakten und Tag des Chats, sehr praktisch. Einen Wermuthstropfen gibt es allerdings auch: Links werden im Chatfenster nicht automatisch auch als solche angezeigt, müssen also über die Zwischenablage in den Browser kopiert werden. Das ist natürlich nicht so praktisch. Dateiübertragung fehlt hier ebenfalls.

Resumee: auch unter OS X kann man das Jabberprotokoll inzwichen gut nutzen, und so mit mehr Diensten als nur AOL IM Kontakt aufrechterhalten, in einem Programm. Beide hier geteste Clients können die wichtigsten Jabberfeatures umsetzen und sind durch Plugins erweiterbar. Es gibt in der Jabberwelt Clients, die mehr drauf haben, aber auch viele, die weniger fortgeschritten sind. Mir hat Nitro ein wenig besser gefallen.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.