Wenn man mal nett sein möchte

In genau diesen Minuten stelle ich meine Arbeitskraft gerade unentgeldlich einem Oldenburger Verein zur Verfügung, der sich dem Schutz von Kindern gewidmet hat. Man habe da einen Computer zur weiteren Ausstattung des Büros geschenkt / gespendet bekommen, ob ich den mal einrichten könne, hat es geheißen. Klar, warum nicht, mal eben ein Windows aufspielen, fertig, kein Ding, man ist ja kein Unmensch. Als ich den Rechner jedoch bekam, und der Aufkleber “Designed for Windows 95” mich angrinste, ahnte ich was kommen würde. Und so wars, ist es noch, also ist es gewesen (unvollendete Vergangenheit!): ich sitze hier seit drei Stunden und versuche ein Betriebssystem zum laufen zu kriegen. Irgendeins meinetwegen. Da fehlen Treiber für’s CD-ROM-Laufwerk (DOS und Windows 95 fielen also aus, zumal, Windows 95 installieren, das wäre keine Spende für den Verein, sondern eher eine Verarschung), booten von CD-ROM kann der Rechner auch nicht. Also Windows 98 bzw. ME, das hatte ich dem Verein gespendet, als ich den letzten Rechner bei denen im Hause retten mußte. Allerdings nur ein Update. Und die nötige WIN98-CD um das Update auszuführen fehlt natürlich. Und selbst meine alte WIN98-CD nutze nichts, die wollte das CD-ROM nicht lesen (vielleicht weil die CD bei mir schon seit Jahren gute Dienste als Kaffeebecheruntersetzer leistet?). Inzwischen bin ich bei Windows 2000 angekommen (ja, auch dieses Original werde ich am Ende wieder als zusätzliche “Spende” beilegen). WIN2K auf einem PII300, da werden die aber noch wirklich Spass haben. Egal, da kommt das Würgs, sorry, Works drauf, das bei lag und gut ist: eine richtig bescheidene Schreibmaschine mit Benutzeranmeldung ist geboren.

Der beigelegte Zettel allerdings macht mir mehr Sorgen: “Bitte auch das eingebaute Modem installieren und alles für den Internetzugang vorbereiten.” Ja sicher. Das “eingebaute Modem” ist zwar eine Soundkarte, aber was soll’s, ich kann ja die Servicepacks über’s Netz installieren. Ach nee, keine Netzwerkkarte. Wenn also die unbedarften Hausfrauen es eines Tages schaffen, mit der Soundkarte (oder einem externen Modem) ins Netz zu kommen, dann geht das Leiden erst richtig los. Ich meine, wie lange wird es dauern, bis sich jemand, der glaubt eine Soundkarte sei ein Modem, die ersten Viren reingezogen hat? 10 Minuten? Wenn’s hochkommt. Hoffentlich bin ich dann nicht mehr in der Stadt.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.