Sublime Text 2

Als Chuck Norris Webdeveloper braucht man meiner Meinung nach, neben einer ordentlichen Shell und einem modernen Webbrowser, nur noch einen vernünftigen Texteditor. Ein guter Browser ist heutzutage leicht zu finden und auf der Shell kann man die nötigen Dateiübertragungen durchführen. Nur mit dem Texteditor tun sich viele nicht so leicht. Dort ist man vielmehr auf einer ewigen Suche.

Speziell bei Macusern tritt bei diesem Thema in letzter Zeit der Angstschweiss auf die Stirn. Schuld daran ist Textmate, bzw. Textmate 2. Die unbeliebte, bisher nur als Alpha erhältliche, Nachfolgeversion des bislang beliebten Texteditors Textmate, wurde zu Open Source erklärt. Nach der langen Zeit ohne sichtbare Weiterentwicklung, wohl eher ein schlechtes Zeichen für die Zukunft des Programms.

Sich an einen Texteditor zu gewöhnen erfordert bekanntermaßen viel Zeit und Geduld. Entwickler und Editor sind nur schwer voneinander zu trennen. Wobei der geneigte Entwickler zwar gerne neues ausprobiert, selten aber wirklich wechselt, da er meist feststellt, dass die über Jahre eintrainierten Tastenkombinationen – die Combos der Webentwicklung sozusagen – neu gelernt werden müssen. Und Texteditoren können, trotz des zunächst eingeschränkt wirkenden Anwendungsgebietes, wirkliche Featuremonster sein. Nur nutzen einem diese Features nichts, wenn sie auf unbekannten Tastenkombos liegen oder solchen, die man sich für andere Aktionen gemerkt hat. Außerdem muss der Editor im Umgang mit dem Entwickler den richtigen Ton treffen. Kein Witz: Codecompletion wird gern genommen, aber bitte ohne die Geschwätzigkeit einer Monster-IDE wie bspw. Eclipse. Bei solchen Programmen ist man ja nie sicher, ob man noch selbst programmiert, oder schon selbst programmiert wird. Und dann soll alles natürlich auch noch chick und slick aussehen…

Getrieben von dem sich abzeichnenden Ende der Textmate-Ära hatte ich vor Wochen mal Sublime Text 2, einen Editor, den es sowohl für Mac, als auch für Windows und Linux gibt, angetestet. Sublime Text 2 (ST2) ist anders, das muss man schon zugeben, und vor allem in der Art, wie man Einstellungen vornimmt, überhaupt nicht Mac-OS-like, man braucht einfach ein wenig Anlauf um zu verstehen, das darin ein Monsterfeature liegt.

In ST2 kann man alles konfigurieren. Wirklich alles. Alle Einstellungen, vom Theme bis zur Zuweisung von Tastenkürzeln, werden in JSON-Dateien verwaltet. Und nun kommt das non-macianische: man editiert direkt diese JSON-Dateien, um Einstellungen vorzunehmen. Das schränkt den Nutzerkreis natürlich zunächst mal ein wenig ein. Konfigurationen können auf verschiedenen Ebenen vorgenommen werden, bspw. per User, per Projekt oder auch per Programmiersprache. Erweitert wird ST2 mit Plugins, die dann wieder mit eigenen Einstellungsdateien daherkommen.

Durch die Konfiguration auf Dateiebene entsteht nicht nur der Vorteil, dass man seine Config wunderbar backuppen und über mehrere Rechner teilen kann (bspw. per Dropbox), sondern man kann sie auch anderen Leute, zum Beispiel Kollegen im Projekt weitergeben. So kann man bspw. in einem Projekt die Codingstyles mithilfe voreingestellter Einrückungen und dem Plugin Sublime Linter und der Weitergabe dessen Einstellungsfiles vorgeben. Wie genial ist das bitte?

ST2 kann Textmate Themes und Bundles übernehmen. Man findet relativ schnell ansprechende Themes und Plugins kiloweise. Aber auch ohne Erweiterungen kann ST2 einige Dinge, die andere Editoren nicht hinbekommen, bspw. multiples selektieren und editieren von Text, ausgefeilte Suchfunktionen, eine gute Projektverwaltung und wenn man wirklich will, kann man ST2 auch Vim emulieren lassen. Es gibt eine , aber die unoffizielle Doku ist noch besser.

TL;DR: Sublime Text 2 ist ein guter Texteditor mit unglaublichen Einstellungsmöglichkeiten. Die Einstiegshürde ist hoch, aber nach kurzer Zeit überwindbar, was auf jeden Fall ein lohnenswerter Zeitaufwand ist.

8 Gedanken zu „Sublime Text 2“

  1. Nachdem ich neulich in einem Kundenprojekt entwickelt war, direkt in der Shell zu entwickeln, habe ich wieder diejenigen von uns beneidet, die aus Freiburg kommen und konsequent im VI entwickeln. Immer im Hinterkopf haben, dass das vielleicht eines Tages unausweichlich der konsequenteste Editor ist, habe ich seither in meinem „un“ Lesezeichen Ordner (‚un‘ wie ‚unvergessen‘ oder auch ‚ungelesen‘) diese beiden Linkse ganze liegen.

    Coming home to vim

    Why, oh WHY, do those #?@! nutheads use vi?

  2. Bestester Editor ever für mich: Notepad++. Selbstverständlich kann man da nicht nur alles direkt in XML-Dateien einstellen, sondern auch per GUI. Für jede nur erdenkliche Auszeichznungs- und Programmiersprache gibt’s Syntax-Highlighting und -Folding (selbst für Inform, der Textadventure-Sprache). Und alles unter GPL. Schön.

    Ansonsten aber hat ben_ Recht. Ein Entwickler, der nicht mit vi(m) oder Emacs entwickelt, ist gar keiner. 🙂

  3. Was passiert, wenn man eines der beliebtesten Tools in der Mac OS-Entwicklerszene als OpenSource veröffentlicht? Klar, das Ding ist tot. Da wird sich niemand finden, der das weiterentwickelt. Und was nicht im AppStore ist, existiert ja sowieso schon mal gar nicht.

    In Wirklichkeit scheint das schon nach 2 Wochen ein riesiger Erfolg zu sein. Jeden einzelnen Tag gibt es einen neuen, vor Features und Bugfixes platzenden Changelog-Eintrag, alleine seit gestern: „42 files changed, 441 insertions(+), 195 deletions(-)“. Dabei ist der Code ein Triumph der alten „Programming, Motherfucker“-Schule: Sehr guter Code, aber nicht ein einziger Kommentar oder irgendeine Dokumentation (vielleicht habe ich letztere auch nur nicht gefunden). Textmate 2 ist jedenfalls jetzt schon absolut benutzbar und auf dem schnellsten Wege, wieder der beste Texteditor auf dem Mac zu werden und zu bleiben.

    Trotzdem bleibe ich bei Sublime Text 2, denn das absolute Killerfeature hast Du natürlich verschwiegen: Es gibt ihn genau so auch für Linux und Windows.

  4. Hi Ingo, im Text heisst es, wenn ich mich selbst zititeren darf:

    Getrieben von dem sich abzeichnenden Ende der Textmate-Ära hatte ich vor Wochen mal Sublime Text 2, einen Editor, den es sowohl für Mac, als auch für Windows und Linux gibt, angetestet.

    Davon abgesehen hast Du natürlich Recht, Textmate Open Source kann natürlich ein Riesenerfolg werden.

  5. Ich bin zwar nie in den Genuss gekommen, Textmate zu nutzen, aber wenn Textmate 1 gut war, warum bleibt man nicht einfach dabei? Es handelt sich doch nur um einen Texteditor. Der muss nicht alle zwei Wochen neue Features bekommen.

    Sublime habe ich vor einer ganzen Weile noch im Beta- oder sogar Alpha-Zustand getestet. (Vielleicht war das auch noch Sublime 1.) Damals hat er mir nicht gefallen. Wenn ich mir die Website dazu anschaue, lohnt es sich vielleicht noch einen Blick darauf zu werfen.

    Letztlich bin ich mit vim aber sehr zufrieden. 😉

  6. Sublime 2 ist schon nicht schlecht. Auch das er in Python geschrieben
    Ist ist nicht von Nachteil 🙂 Aber kann mir mal einer erzählen wie ich
    Aus sublime drucke? Ab und zu kommt das auch mal vor.

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