Butter bei die Fische

Es ist etwas faul im Staate Dänemark, soviel ist wohl klar. Google, einst Anbieter des kleinen Suchschlitzes mit dem »don’t be evil« Habitus, generiert sich zum alles einsaugenden Suchmonopolisten. Apple verkommt vom Designerstück zur Consumer-Electronics-Klitsche mit Patentanwaltsarmee. Zuckerberg versucht sich das Internet durch die Nase zu ziehen. Microsoft war schon immer eklig. Ein einzelner, als WhatWG getarnter Mann hat das W3C besetzt und mit HTML5 ausgeräuchert. Die Regierungen wollen das Internet wegreglementieren, weil ihnen die Contentindustrie im Nacken sitzt. Und so weiter und so fort. Zusammengefasst: we’re all doomed!

Keiner weiss wie es weiter gehen soll. Was für einen Rechner kaufe ich mir morgen, ohne gleich in die Hände eines Monopolisten, Patentfaschisten oder Pleitegeiers zu geraten? Muss sich wirklich jeder einen eigenen Server anschaffen, damit er sicher und werbefrei Emails verschicken und empfangen kann? Muss der dann zu Hause stehen, oder in einem Rechenzentrum? Amazons Cloud ist wohl eher ein no-go?

Mein Internetanbieter wurde von meinem Telefonanbieter gefressen, alles wird blau. Ist das gut? Soll ich kündigen? Das Netz oder das Telefon? Oder beides? Welche Daten darf ich noch von mir Preis geben? Ist schon der Name gefährlich, brauche ich ein Pseudonym? Wie kann ich dann anonym einen eigenen Server mieten? Wer findet mich noch und mit welcher Suchmaschine? Will ich gefunden werden? Vor wem muss ich mich eigentlich mehr fürchten, vor Facebook oder der Regierung, die meine Verkehrsdaten will? Vor Politkern, die nicht mal Email richtig verstehen?

Es ist zum Panik bekommen. Jetzt mal Butter bei die Fische: was sollen wir tun?

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

18 Gedanken zu „Butter bei die Fische“

  1. Das sind alles Dinge, die speziell uns nicht betreffen. Nur die Leute, die keine Ahnung von der Materie haben und dem ganzen Machenschaften ausgeliefert sind. Und denen ist es wiederum egal weil sie nicht wissen, wie schlimm es dann wirklich ist.

  2. Die Gedanken beschleichen mich auch immer öfter.
    Aber: je behämmerter alle übrigen Anbieter werden, desto harmloser finde ich Microsoft. (Irgendwie unheimlich, wenn man das mal so ausschreibt.)

    Ich bin ja aber ein durch und durch anarchistischer/-achronischer Typ: genauso, wie ich den Tante-Emma-Laden dem nächsten Lidl/Aldi/Rewe/Plus vorziehe, hab ich kleinere (am besten: Ein-Mann-) Internet-Services lieber.

  3. Dass keiner weiss wie es weiter gehen soll, ist ein sehr mächtiges Gefühl, das mich auch oft beherrscht. Stimmt so ganz aber nicht, oder? Es gibt doch diese ganzen uncoolen, ideologischen und oft ausgelachten Menschen, die seit gefühlt ewigen Zeiten Ratschläge erteilen und versuchen, es besser zu machen. Das mag extrem nervtötend sein, aber Alternativen zur Bequemlichkeit sind das beinahe immer. Also:

    EFF. GNU. FSF. CCC. FoeBuD. DigiGes. MakerBot. Unhosted.org. Scroogle. Diaspora. Status.net. CERN Open Hardware. Wikimedia. Mozilla Foundation. (Letztgenannte sind sogar bereit, ziemlich viel Kohle bereitzustellen, wenn du Projekte zur Weltrettung planst.)

    Ich finde die etwas weinerliche Grundhaltung in „unseren Kreisen“ immer erstaunlich. Alle Alternativen sind hässlicher und umständlicher, jawohl, aber es gibt sie. Und sie funktionieren.

  4. …wenn sich alle, die deine Befürchtungen teilen (und ich glaube, das sind nicht sooooo wenige und zudem vielleicht welche mit Multiplikator-Potential), mal entschlössen, Dinge wie Duckduckgo, OSM, Diaspora oder status.net zu nutzen (sich idealerweise vorher auf eines der letzteren beiden verständigen; schon daran wird es scheitern 😉 dann könnte das schon was auslösen. Oder wenn RSS Pflichtfach in Schulen würde… Na ja, vielleicht etwas naiv… obwohl: WordPress ist die Tage m.E. einen guten Schritt in Richtung bessere Welt gegangen.

  5. Da haben n¦tropie und meine Wenigkeit wohl gleichzeitig und ziemlich ähnlich kommentiert (wurde zwischenzeitlich durch ein nettes Gespräch abgelenkt).

  6. Also nochmal, weil es mir aufgrund der Ähnichkeit geradezu peinlich ist: Ich habe meinen Kommentar tatsächlich geschrieben, ohne zuvor den von n¦tropie gelesen zu haben. Das kann nur bedeuten, daß wir die Wahrheit sagen 😉

  7. Natürlich ist es die Wahrheit, Thomas. 🙂

    Ich glaube auch, das Menschen mit Freiheit gar nicht so gut umgehen können. Da muss man ständig selber denken, selber abwägen usw. Deswegen finden wir es angenehm, von Apple, Google & Co. diktiert zu bekommen, was gerade cool zu sein hat und was nicht. Es funktioniert, sieht schick aus und fackelt uns nachts nicht das Auto ab. Mehr braucht man nicht.

    „Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“ (Marie von Ebener-Eschenbach)

  8. Äh … so einen Tonfall bin ich von Dir ja gar nicht gewohnt, Nico.

    Ohne das das böse gemeint ist, nur weil ich mir selber wirkllich nicht sicher bin, wie ich’s lesen soll: Meinst Du das ernst, oder ist da ein Ironie im Spiel?

  9. @n¦tropie Auch bzgl. deines zweiten Kommentars volle Zustimmung, insbs. weil auch ich zu den Angesprochenen gehöre und deshalb genau weiß, wovon du sprichst…

  10. @ben_ Da ist auf jeden Fall eine gehörige Portion Ironie dabei. Vor allem im Tonfall. Ich mache mir natürlich meine Gedanken, wem noch zu trauen ist, wem konnte man überhaupt je trauen? Panik habe ich natürlich nicht wirklich.

    Ansonsten das was n|tropie und Thomas sagen. 😉

    Dazu habe ich vorhin übrigens kurzfristig die Meinung eines Berliner Taxifahrers eingeholt. Der meinte der Begriff „Kinderarmut“ sei unlogisch, es würde ja kaum arme Kinder von reichen Eltern geben oder umgekehrt. Eben Zitat: Propaganda. Das würde doch jedem denkenden Menschen auffallen. Und jetzt kommt’s: Aber ditte is hier ja nich erwünscht!

    Hihi. Aber ich schweife ab, das muss das Speisewagen-Bier machen….

  11. Pingback: eayz.net

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