400 Fragen, keine Antworten

400 Fragen, keine Antworten

In der sogenannten causa Wulff fühle ich mich inzwischen als stiller Beobachter eigentlich ganz wohl. Mir ist aufgefallen, dass ich im Laufe dieser ebenfalls sogenannten Affäre, ein ums andere Mal leicht bis mittelschwer manipulierten Wahrheiten aufgesessen bin, die meine Meinung über verschiedene Zeiträume beeinflusst haben, was sich hinterher oft relativierte.

Zunächst war mir beispielsweise der genaue Ablauf der Verbreitung der Anrufbeantwortergeschichte bzw. des Inhalts des Anrufs nicht wirklich bekannt. Erst relativ spät wurde man darauf gestossen, wie BILD die Informationen über verschiedene Ecken zu bestimmten Zeitpunkten die ganze Affäre mithin dirigierte, aus dem Hintergrund und wie sich andere überschlugen, für BILD den Erfüllungsgehilfen zu geben. Da bleibt ein ganz bitterer Geschmack auf der Zunge zurück.

Und ebenso ging es mir just mit den 400 Fragen und Antworten. Ich habe das komplette Interview mit Wulff nicht gesehen, immer nur Ausschnitte gelesen. Mein Morgenradio behauptete gestern jedoch glaubhaft, Wulff hätte die Veröffentlichung der 400 Fragen und Antworten versprochen und dies werde nun von seinen Antwälten (also ihm selbst) mit Berufung auf die Schweigepflicht versagt. Die Wahrheit ist aber wohl eine andere.

So geht das nun schon die ganze Zeit. Klar, Wulff liefert durch sein mithin dämliches Verhalten die Munition, aber offenbar wird oft zu schnell und zu scharf geschossen. Und zwar auf ganzer Front. Das kommt mir zunehmend spanisch vor…

6 Gedanken zu „400 Fragen, keine Antworten

  1. Wulff hat zu seiner Amtszeit als Ministerpräsident 500.000 Euro von einem Geschäftsmann angenommen.

    Damit war er doppelt erpressbar:

    1. Gerken hätte jederzeit die 500.000 zurückfordern und damit Wulff finanzielle Probleme bereiten können (selbst wenn in dem Vertrag eine feste Laufzeit stünde, könnte Gerken ihn einseitig mit Verweis auf 2. kündigen…)
    2. ist nicht erst seit gestern bekannt, dass solche Geschäfte bei Bekanntwerden für Politiker unangenehme Folgen haben
    (3. hat die Bild das vielleicht schon vorher rausgefunden, oder warum hat er eigentlich Homestories mit Fremdschäm-Faktor gemacht?)

    Als Ministerpräsident von Niedersachsen war er damit eine untragbare Marionette. Zum Glück ist er jetzt nur noch Bundespräsident.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worüber da jetzt noch diskutiert werden muss.

  2. Das ist für mich alles überhaupt keine Frage, eher, warum er denn überhaupt Bundespräsident werden konnte.

    Trotzdem frage ich mich, warum sich die Medien derzeit so schlampig aufführen, wenn es doch handfeste Argumente gibt. Sieht für mich so aus, als liefe es so: mit Fakten und Argumenten ist ein Politiker nicht mehr aus dem Amt zu bekommen (Kohlsches Aussitzen), da hilft dann nur die Skandalisierung und die Medienkamppagne.

    Gleichzeitig bauen dieselben Medien derlei Politiker ja erst auf. Siehe eben Wulff oder auch Guttenberg. Ziemlich Frank-N-Furter-mäßig (I build you and I can destroy you just as easily!) 😉

    PS. Habe Deinen Kommentar wie gewünscht editiert.

  3. Egal wie oft das angebliche Ungeschick von Wulff beschworen wird: Der hat das schon ziemlich schlau gemacht: Das Geld stammt ja von einem guten Freund und das ist ja ein ganz netter und der würde die Situation natürlich niemals zu seinem Vorteil ausnutzen. Das wird einfach so von der Öffentlichkeit geschluckt (würde ja jeder genauso machen) und die Medien lassen es ihm auch durchgehen.

    Statt auf die Konsequenzen so einer Abhängigkeit hinzuweisen, tun die Medien gerade so, als wäre alles völlig OK, wenn er den Vorgang nur damals im Landtag offengelegt hätte: Jetzt schreibt man nur noch darüber, dass er die Unwahrheit gesagt hätte, eigentlich nicht mal das, vielleicht hat er die Frage ja nur etwas ungenau beantwortet. Und strafbar ist das ja alles auch nicht. Aber der Anruf bei Diekmann: Ganz schlimm, dafür muss er natürlich zurücktreten!

    Mir wird schlecht, wenn ich sowas lese.

  4. Dem Thema widmet sich auch gerade der Freitag. Klaus Raab schrob:

    Medien stehen nicht außerhalb der Schneekugel, sie stehen mittendrin. Objektivität gibt es daher nicht, sie ist ein Paradoxon. Diese Erkenntnis an sich ist freilich banal. Die mediale Aufklärung der Wulffschen Normverletzungen ist aber, und hier beginnt das Besondere dieses Falls, nicht nur nicht objektiv. Es handelt sich um eine Sonderform der scripted reality. Was nicht sofort auffällt, weil es doch die vermeintlichen Aufklärer sind, die hier PR in eigener Sache treiben.

  5. Die PR von Herrn Wulf ist nur dilettantisch!

    In meinen Augen kann der Mann sich Geld leihen und Urlaub machen wo er will.

    Nur mit der Salamitaktik des Informationsmanagements hapert es in der Außenwelt und das nutzt die viel zitierte Springerpresse um diesen Mann vor sich her zu treiben.
    Das soll kein Plädoyer für Herrn Wulf sein. Der Mann war kein geeigneter Kandidat und ist auch kein guter Bundespräsident. Er versteht es sich zu inszenieren.

    Wenn der Mann dann wirklich von Frau Merkel gehen gelassen wird, ist der Schaden immens.

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