The Revolution will not be twitterized

In diesen Tagen liesst man wieder viel über Revolution, die von der Presse links liegen gelassen und ausschließlich über Twitter und Facebook organsiert werden. Diese sogenannten Twitter- oder Facbookrevolutionen bewiesen außerdem, also außer dass es in einigen Ländern viele unzufriedene Menschen gibt, dass social media nun die Informationshoheit übernommen habe.

Zur Revolution kann man ja nun stehen wie man will, der Begriff wird meines Erachtens – spätestens im Falle Spaniens – derzeit ein wenig überstrapaziert. Vielleicht ginge Demokratiebewegung eher durch? Ebenso werde ich das Gefühl nicht los, dass viele die Revolution in anderen Ländern als willkommene Bereicherung der allgemeinen Gesprächslage empfinden, ohne sich vielleicht mit den Forderungen der dort Revoltierenden auseinanderzusetzen. Hier wäre auf Facebook sicherlich mehr Platz zum Exkurs als bei Twitter, ausser Grußbotschaften läuft da allerdings nicht viel. Ich nehme mal an, allein mit der Mitgliedergröße einer Facebookgruppe, lässt sich noch keine Straßenschlacht gewinnen, mit Likes kann man bekanntlich nicht schiessen. Um es kurz zu machen: die politische Auseinandersetzung mit dem Thema ist dann wieder den guten alten Blogs überlassen. Und am Ende doch wieder der Presse. Aber es ging ja auch um Informationshoheit und nicht um Deutungshoheit.

Da widerum wundere ich mich, dass sich alle so demonstrativ wundern. Natürlich sind Facebook und Twitter ganz hervoerragende Werkzeuge, um sich zu organisieren. Aber steht social media hier in Konkurrenz zur Presse? Also nur, wenn Demonstrationen früher durch Anzeigen in Zeitungen organisiert wurden. Oder durch Zeitungsberichte. Das mag schon vorgekommen sein. Wir haben früher Plakate gedruckt, Handzettel an Schulen verteilt, Mund-zu-Mund-Propaganda genutzt (und dabei ging es mitnichten um revolutionäre Aktionen, auch wenn wir es so nannten). Ich behaupte mal, wäre ich heute noch in den Zusammenhägen wie damals tätig, dann würden wir Twitter und Facebook nutzen.

Prima, dass die Leute Twitter und Facebook nutzen, ich sehe da allerdings wenig überraschendes. Besonders dort, wo der Staat nicht flächendeckend die Kommunikation kontrolliert und zensiert (was ja in Spanien eher nicht der Fall ist). Da sind die Aufstände in Nordafrika schon eher sowohl Revolutionen und die Nutzung der social media Känäle eher bemerkenswert.

Gänzlich lächerlich finde ich es nun aber, das Konzept Facebookrevolution nach Deutschland übertragen zu wollen, nach dem Motto: hier gibt es Facebook und Twitter, dann muss es hier auch eine Revolution geben. Mal bitte? Der Socialmediaberater in Anzug und Krawatte als Kämpfer für das deutsche Prekariat? Sorry, aber ich lach mich echt schief… Wo kriegt man denn hier eine Bahnsteigkarte?

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

Ein Gedanke zu „The Revolution will not be twitterized“

  1. Deine Anspielung im letzten Satz ging mir die Tage auch durch’n Kopp: Früher mussten die Deutschen für die Revolution eine Fahrkarte, heute einen FB-Account eröffnen. Und wie heute bereits vis-á-vis gesagt: Ich les ja immer nur die Überschriften: Weiß gar nicht, was die Spanier haben. Ich glaub, der Begriff „Revolution“ wird auch immer etwas überstrapaziert. spiegel.de spricht ja schon von einer Revolution, wenn Apple ein weißes iPhone rausbringt…

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