Gegen der Trend: Privacy

Gegen der Trend: Privacy

Ich hatte ja letzte Woche schon darauf hingewiesen, dass ich daran gehen wollte, Datenschnüffelei in diesem Blog zukünftig zu vermeiden. Zunächst habe ich dazu Piwik installiert (um eine Besucherzählung zu haben, die keine Daten in die USA exportiert oder einen fremden Dienst nutzt), am Wochenende habe ich mich nun hingesetzt und die beiden iframes für Twitter und Flattr unter den Artikeln entfernt. Buttons die auf iframes basieren, senden (wie bspw. auch der Facebook Like-Button) Userdaten an die entsprechende Website, auch wenn der Nutzer gar nicht mit den Buttons interagiert.

Nicos puristic twitter button

Twitter stellt eigentlich ein recht zufriedenstellendes Javascript-API zur Verfügung, wenn nicht beinahe alles darauf hinaus liefe, am Ende den Link zum Sharing durch den blöden iframe zu ersetzen. Technisch ist das natürlich die einfachste Lösung, man will ja nicht mal eine Datensammelwut unterstellen. Allerdings, der einzige Sinn des Frames ist dann die Anzeige des sog. Tweetcount, also die Anzahl, wie oft ein Link schon auf Twitter geshared wurde. Diese Information lässt sich auf keinem anderen Weg zurückbekommen, außer über den genannten iframe (Update:) direkt über das Twitter-API (die Funktion fehlt bei mir allerdings noch).

Dagegen ist es ein leichtes, die Sharing-API per Link mit den nötigen Daten zu versorgen, die den Service, das Teilen des Artikels auf Twitter, vollumfänglich ermöglichen. Ich habe mich in diesem Zusammenhang gefragt, wen die Zahl des Tweetcounts eigentlich wirklich interessiert und musste feststellen: hey, das bin ja ich. Ich glaube wenig an den Effekt: »das haben nun schon 20 Leute geshared, das teile ich auch«, sondern die Zahl ist allein zu meiner Auskunft gedacht.

Ergebnis: ich nutze jetzt den Twitterbutton ohne iframe. Namentlich ist es nur ein Link zur Sharing-Funktion. Ein kleines Javascript holt beim Klick auf den Link, die zum Artikel passende Kurz-URL vom bit.ly-API und shared sie dann bei Twitter. So wird zwar doppelt redirected (hüstel), weil Twitter noch seinen doofen t.co-Urlverkürzer darüber haut, dafür kann ich aber das Sharing zählen, über bit.ly., ein Service, den Twitter für t.co nicht (offen) anbietet.

Ohne Programmierlatein heisst das folgendes: es werden keine Userdaten mehr an Twitter übertragen, ohne dass man auf den Button klickt.

Flattr dieses Blog

Für den flattr-Button hatte ich noch kurz Hoffnung in das Update de WordPress-Plugins gesetzt, denn hier kann man seit neuestem sein Blog mit den entsprechenden APi-keys von flattr.com ausstatten, wenn man es als „Browser-App“ bei flattr anmeldet. Zumindest zur Zeit wird das aber nur genutzt, um einen Button im RSS-Feed zu ermöglichen und im Blog wird weiterhin die iframe-Version genutzt. Da ich im Moment nicht weiter in das REST-API von flattr selbst einsteigen wollte, habe ich also das Plugin schlicht abgeschaltet. Stattdessen habe ich nun einen globalen Button dort eingefügt, der ein simpler Link auf das Gesamt-Thing meines Blogs ist.

Ich verstehe natürlich schon, dass das nicht das gleiche ist, wie ein echter Flattr-Button pro Artikel, aber bis es eine bessere Lösung gibt, soll das erstmal reichen. Nebenbei sei zu flattr noch vermerkt, dass meine Einnahmen i.d.R. die Fünf-Euro-Grenze nicht überschreiten und bisher immer wieder in andere Blogs reinvestiert wurden.

Auch hier ist das Ergebnis nun aber, dass keine Daten von Leuten die nicht auf den Button klicken an flattr übertragen werden.

Nächste Schritte

Als nächstes werde ich die versprochene Page zum Thema Datenschutz hier ins Blog stellen, dort wird es dann eine Opt-Out-Möglichkeit für meine Besucherstatistik geben, neben der genauen Übersicht, welche Daten hier erhoben werden. Fortsetzung folgt also.

13 Gedanken zu „Gegen der Trend: Privacy

  1. Eine Entwicklung gegen den Strom ist oft falsch, in diesem Fall auf jeden Fall nicht. Ich habe bei mir im Blog bisher komplett darauf verzichtet solche Buttons einzubauen, teils aus den gleichen Gründen, teils aus Faulheit (das ganze Teil ist eh noch „in der Testphase“).

    Ich hatte mir überlegt anstelle des Facebook Like Buttons einen Link zum Facebook Share Bookmarklet einzubauen. Ich finde man sollte den Leuten, die noch nie etwas von einem Bookmarklet gehört haben bei jeder Gelegenheit vor den Kopf stoßen und zeigen, dass es andere Wege als diese Buttons gibt.

  2. Auf t3n.de habe ich letztes Jahr alle Twitter- und Facebook-Buttons komplett ersetzt, also die iframes entfernt und durch eine eigene Lösung ersetzt. Vordergründig habe ich das aber deshalb gemacht, weil ich die Seite einfach schneller machen wollte. Auf der Startseite zeigen wir von eine menge Artikeln jeweils Likes und Retweets. Die Abfrage der Zahlen wollte ich halt nicht über iframes machen und das also dem User (und damit der Ladezeit) anhängen, sondern dies serverseitig abfragen. Beides ist möglich.

    Ich frage serverseitig via PHPs curl also nun Twitter und Facebook ab und speicher das via WordPress-Funktion via set_transient(), ein WordPress eigenes Cache.
    Die URL für Twitter lautet http://urls.api.twitter.com/1/urls/count.json?url=URL-DES-BLOGBEITRAGS und die für Facebook http://api.facebook.com/method/links.getStats?urls=URL-DES-BLOGBEITRAGS&format=json.
    Die so gesammelten Daten kann ich serverseitig ganz einfach über get_transient() einsehen.
    Die Buttons selbst auf t3n.de ist reine Links, die alle Daten an beide Seiten übergibt (über den href). Dabei habe ich natürlich noch die Grafiken angeglichen, was man speziell an der Detailseite einer News sehen kann.

    Ich könnte das Ding ja mal auf github packen oder endlich mal wieder was bloggen.

  3. Ich schließe mich simonnickel an und ersetzte das _oder von Nicos Kommentar durch ein _und.

  4. Ich habe mal eben ein github-Projekt angelegt. Ich schreibe die Tage mal eine Anleitung hinzug und entwickle das auch weiter zu einem Plugin, später für Nicht-WordPress-Instanzen mit eignem Cache. Die Grafiken fehlen auch, folgen aber. Vielleicht könnt ihr euch schon denken, wie man einbindet.

    macx / SocialDataGrabber“

  5. Wow, mal ein Beitrag, der mir aus der Seele spricht.

    Ich habe vor kurzem aus der gleichen Motivation heraus überlegt, wie man eingebettete Videos ebenso entschärfen kann.

    Es gibt ein begonnenes WordPress-Plugin, das eingebettete Videos erst dann von YouTube etc. lädt, wenn der User draufklickt. Als Platzhalter wird vorher ein auf dem lokalen Server gespeichertes Thumbnail angezeigt.

    https://github.com/pixelistik/WP-Embedding-Privacy

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