Wie ich flattr nutzte…

Wie ich flattr nutzte…

Es ist ja nun schon hinreichend diskutiert worden, ob man auf seiner Website einen Flattr-Button einsetzen sollte oder nicht. Viel zu wenig habe ich allerdings bisher über das flattrn—fürchterliches Wordkonstrukt, nebenbei bemerkt—selbst gehört, also das Klicken auf den Bettelbutton von flattr, auf anderen Webseiten. Es gibt dazu verschiedene Thesen, aber die Frage: »Wie flattrst wie verteilst Du Deine Kohle eigentlich«, hört man selten.

Letzte Woche habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der wohl recht viel und nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Dabei (daran meine ich mich zu erinnern), hat ein keinen besonders hohen Betrag auf sein Konto eingezahlt, klickt aber auf das Flattr-Knöpfchen, wo er es findet. Na klar, es gibt viele gute Sachen, vieles das Spass macht zu lesen, viele Dinge die prämiert sein wollen. Oder doch nicht?

Ich selbst stelle bei mir fest, dass ich es bei Flattr nicht anders mache, wie im richtigen Leben: wenn mir eine Sache ordentlich und mehrwertig erscheint, dann bin ich bereit dafür etwas zu zahlen. Soll heißen, ich bin nicht geizig, muss aber zugeben, dass ich in meiner persönlichen Flattr-Testphase noch beim Minimum verteilbaren Geld gestartet bin. Dafür klicke ich aber auch extrem selten auf den Flattr-Button. Freitag war ein Klick von mir noch einen ganzen 0.66 Euro wert, oder anders: ich habe diesen Monat erst zwei drei Seiten geflattred. Sorry.

Das hat natürlich mehr als einen Grund, zum Beispiel bin ich zur Zeit beruflich sehr beschäftigt, da komme ich weniger zum bloggen und zum Blogs lesen. Ich zahle aber auch noch in einigen anderen Währungen als Geld, und das mag der eigentliche Grund sein, dass ich mir die Seiten, denen ich Geld spende, sehr genau aussuche. Die erste Währung, die ich zu Verteilen habe ist Aufmerksamkeit. Das ich ein Blog regelmäßig konsumiere, ist jetzt noch keine Auszeichnung, aber in meiner Welt der relativ begrenzten schwer verwaltbaren Freizeit, ist es schon ein kleines Kunststück geworden auf meiner Shortlist zu stehen (damit sind nicht die etlichen Blogs in meinem Google Reader gemeint). Von diesen wenigen Autorinnen und Autoren lese ich alles. Sie haben also mit praktisch jedem Artikel meine volle Aufmerksamkeit. Von diesen, meinen Leuchttürmen aus, wandere ich dann weiter durchs Netz. Oft lerne ich dabei etwas, finde Denkanregungen, oder habe einfach Spass. Gerne verlinke ich dann solche Dinge, bspw. in Google Buzz. Mein eigenes Linkblog pflege ich im Moment leider gar nicht, dort waren und sind aber auch immer Artikel zu finden, die mir gefallen oder geholfen haben. Denn das ist die zweite, weniger gewichtigere, dafür aber sichtbarere Währung, die ich zu verteilen habe: Verlinkung vulgo Linkliebe. Wobei ich mir im Klaren bin, dass über Links von mir nur wenige Besucher kommen, aber es ist ein illustres und wertvolles Völkchen, das meinen Links folgt, das kann ich ohne weiteres versprechen.

Mir ist nun aufgefallen, dass Verlinkung eine Art Steigerung von Aufmerksamkeit ist, soll heissen, nur wer zuvor meine Aufmerksamkeit hatte (auch ohne auf der Shortlist zu stehen), kann auch verlinkt werden. Parallel dazu kann genauso nur geflattered werden, wen ich zuerst gelesen habe, Flattr ist also ebenso eine Steigerung. Beides scheint dabei also ungefähr den gleichen Wert zu besitzen, geht jedoch in verschiedene Richtungen. Verlinkung setze ich nämlich dann ein, wenn ich bspw. meinen wenigen Followern bei Buzz sagen will: seht diesen Artikel, er hat etwas zu bieten in einem der Fachgebiete die ich beackere, lest ihn Euch durch, lernt etwas! Eine Verlinkung im Blog bedeutet ungefähr dasselbe, dort allerdings auf ein größeres, aber auch heterogeneres Publikum bezogen. Flattrn dagegen ist mehr introvertiert. Keiner weiß, was ich geflattered habe, vielleicht finanziere ich heimlich die Taz, wer weiss? Na klar, über Geld redet man bekanntermaßen nicht, aber tatsächlich taucht man mit dem Klick auf den Button ab in eine gewissen Anonymität, man wird zu einer Zahl. Das ist einfacher, als Verlinkung. Und es könnte jeder machen, man braucht ja kein Blog dafür, keinen Ort, an dem man verlinken kann. Dafür scheint mir für mich Flattr weniger geeignet, die tradiotionelle Linkliebe zu ersetzen.

Trotzdem lege ich hohe Maßstäbe für das flattern an. Ich flattere nur für Informationen, die mir neu sind. Dieser 110ten Artikel über Flattr bspw. hätte es bei mir schon schwer. Aber mal im Ernst: ich lese dauernd Artikel, die nach dem zweiten Absatz eingestehen müssen, dass sie sich dem Thema nur sehr eindimensional genähert haben und man können unter URL xyz genaueres nachlesen. Sowas bekommt keine Spende. Oder wenn ich merke, dass aus englischsprachigen Blogs abgeschrieben wird: keine Spende. Wohl aber, wenn jemand etwas aus einem US-Blogs übernommene auf unsere Kreise anzuwenden oder gar zu erweitern weiss. Und so fort.

Am häufigsten muss ich jedoch feststellen, wenn ich dem Reflex unterliege, einer Seite eine Spende zuzuschieben: oft haben die Seiten gar keinen Flattr-Button. Das sollte vielleicht auch zu denken geben. Aber Geld ist ja auch nicht alles in der Welt…

Ein Gedanke zu „Wie ich flattr nutzte…

  1. Weises Verhalten.

    Ich hab ja anfang des Monats erstmal ein paar Sachen nachträglich geflattert in dem Bewußtsein, dass die Leute sehen, dass die Flatonen (noch eine Wortschöpfung) von mir kommen. Dem scheint ja aber wohl nicht so zu sein.

    In der letzten Woche ist meine Verteilung aber auch wieder drastisch runtergegangen. Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt.

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