
Dressed to Kill (1980)
Brian de Palma gehört neben Sergio Leone zu den Lieblingsregisseuren von Quentin Tarantino, dem ich die Liste ja zu verdanken habe, an der ich mich hier entlang schaue. Den Nachfolger von „Dressed to Kill“ habe ich hier auch schon besprochen, „Blow Out“ und es überrascht wenig, beide Filme haben viel gemeinsam.
„Dressed to Kill“ handelt von der frustrierten Hausfrau Kate Miller (Angie Dickinson), die nach einem Seitensprung brutal ermordet wird. Die Prostituierte Liz (Nancy Allen) wird zufällig Zeugin der Tat und gerät daraufhin selbst ins Visier des mysteriösen Killers. Gemeinsam mit Kates Sohn (Keith Gordon), einem technikaffinen Jugendlichen, versucht sie, die Identität des Mörders aufzudecken. Die Spur führt zu einem Psychiater (Michael Caine) und einem Patienten mit gespaltenem Geschlechtsempfinden. Am Ende stellt sich heraus, dass der Täter ein Mann mit einer mörderischen weiblichen Persönlichkeit ist.
Das ganze ist Meta-Kino im Thriller-Format mit einem kräftigen Schlag Soft-Porno, imerm entlang De Palmas großer Vorliebe für Alfred Hitchcock. Eine Neuauflage von „Psycho“ mit Duschszene, aber ohne die gute Musik: das Klaviergesäusel, das sich durch den ganzen Film zieht, ist schier unerträglich. Und statt Anthony Perkins wird uns Michael Caine angeboten, der seine Rolle zwar sichtlich genießt, aber IMHO hier völlig fehlbesetzt ist. Die Schauspieler*innen sind in diesem Film aber eigentlich auch egal, sie sind nur Beiwerk, De Palma interessieren nur die Bilder. Das zeigt sich in der Museeumsszene ebenso wie bei Mord im Fahrstuhl, bei jedem Kamera- oder Beleuchtungstrick oder in den berühmten Splitscreens, De Palmas Markenzeichen. Das Ziel des Films ist Voyerismus, De Palmas eigener und der des Zuschauers.
Was mich an dem Film allerdings wirklich irritiert, ist die ausgemachte Transmisogynie, auf der der Film aufgebaut ist. Das Thema erbt der Film ja quasi von seinem großen Vorbild, aber „Psycho“ ist von 1960, da müsste doch in den 20 Jahren ein Lernprozess stattgefunden haben? Das Gegenteil ist der Fall. Mit seinem pseudowissenschaftlichen Geschwafel macht „Dressed To Kill“ alles noch viel schlimmer und beutet transsexuelle Identität reißerisch aus und verbindet sie mit Erotik und Gewalt.
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