
Jeff Mills – Live at Liquid Room
Über 30 Jahre ist es jetzt her, dass Jeff Mills im Liquid Room Shinjuku, Tokyo, dieses Set ablieferte und die elektronische Tanzmusik in eine neue Richtung schubste. An einem Abend in einem Set verlagerte sich der Schwerpunkt endgültig von Chicago nach Detroit, von House zu Techno, vom weichen Discosound zum brutal stampfenden Beat. In 67 Minuten zusammengeschnitten aus zwei Sets, die Mills an dem Abend spielte, mixt er 38 Tracks zusammen. Und ich schwöre jeder DJ den ich 1996 kannte und der den Mix hörte, wollte jeden Song davon sofort in seiner Plattenkiste haben. Ich selbst besitze noch mind. acht Stück heute:
- Wicked Wipe – Rok Da House (Ian Pooley Mix)
- Joey Beltram – Game Form (Robert Armani Remix)
- Jeff Mills – AX-009
- Rhythm Is Rhythm – Strings Of Life
- Ken Ishii – Extra (Luke Slater Mix)
- Hell & Jonzon – Bazetoya
- Jeff Mills – Casa
- Jeff Mills – The Bells
Letzteres ist auf jeden Fall noch einen eigenen Artikel wert. Aber davon mal abgesehen, ist natürlich der Mix das Zeitdokument. Jeff Mills ist nun wirklich jemand, der DJing, DJing mit drei Plattenspielern (sic!), zur Perfektion getrieben hat, aber dieser ja nun noch relativ frühe Mix ist so wunderbar rough, so unpoliert, so chaotisch, es ist herrlich anzuhören. So haben wir 1995 gemixt, auch Jeff Mills. Viele haben sich geweigert seinerzeit, ihre Mixe mitschneiden zu lassen, weil das Feeling, der Vibe der auf der Tanzfläche und im Club herrschte, sich nicht auf dem Tape abbildet. Live on tape ist immer um ein paar Millisekunden daneben, weil die Verzögerung bis der Sound im Raum ankommt darauf wegfällt, gerade bei Mills schnellen, teilweise ruppigen Stil fällt das stark auf, beispielsweise bei den schnellen und lauten Backspins, mit denen Mills gerne einen Mix beendet. Neben Unzulänglichkeit der Technik, war das aber auch sonst nicht das Thema, gemixt wurde mit Schallplatten, nicht mit Computerprogrammen, die Beats sind noch mit der linken Fuß von Hand gematched, das kann auch dieser Mix nicht verbergen. Aber es ging um das Feeling und es ging um die Musik. Die Masse hat getobt und die Masse hat getanzt, nicht die im Kreis ums DJ-Pult gelungert, das Handy in der Hand, um ja alles die besten Breaks bei TikTok abzuliefern. Ich sag das ja nicht gerne, aber wirklich, das war damals auf jeden Fall besser, jedenfalls für mich. Aber hört selbst.
Foto: Piotr Drabik from Poland, CC BY 2.0.
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