
Norddeich Radio
Ihr kennt das bereits: wir hatten ja nichts. In den Siebzigern und Anfang Achtziger zum Beispiel: keinen Satellitenfunk.
Als Seemenschfamilie waren wir also auf andere Dienste angewiesen, wenn wir unseren Vater auf hoher See, im Kanal, der Biskaya oder irgendwo vor Afrika erreichen wollten. Dafür unter anderem gab es Norddeich Radio. Mein Dad konnte vom Schiff Norddeich Radio anfunken und die leiteten den Funkspruch dann ins Telefonnetz um. Oder umgekehrt, wir riefen dort an, um dann zum Schiff, MT Inka (Delta Golf Kilo India), zu Schiffsingenieur Brünjes durchgestellt zu werden. Wunderwelt der Technik. Allerdings weit weniger ausgereift, als der heute allgegenwärtige Mobilfunk. Durch die Sprechfunkverbindung rauschte es stark und oft war der Gegenüber schlecht zu verstehen. Die Kommunikation gestaltete sich mitunter so, dass wir „Over“ oder „Ende“ in die Leitung rufen mussten, um zu signalisieren, dass wir jetzt nicht mehr sprechen, sondern lauschen. Einmal, an meinem Geburtstag, von Dakar aus, wohin ich als Praktikant mitreisen durfte, habe ich das mal von der entfernten Seite aus mitbekommen. Das Gespräch musste ich auf der Brücke entgegennehmen, ich kam mir unglaublich wichtig vor und habe überlegt, ob die Seefahrerei etwas für mich sein könnte. War es aber definitiv nicht. Auch mit Satellitentelefonie nicht.
An Heiligabend wurde über Norddeich Radio seit 1953 die NDR-Hörfunksendung „Gruß an Bord“ ausgestrahlt. Neben Weihnachtsliedern, Shanties und viel Freddy Quinn, wurden (und werden) dort Grußbotschaften an Seeleute verlesen, die in der Weihnachtszeit fernab ihrer Familien unterwegs waren bzw. sind. Eine schöne Tradition, da gerade Weihnachten für viele der genannten Familien, ob nun zu Hause oder auf See, nicht die einfachste Zeit war und ist. Durch Internet und Satellitentechnik hat es sicherlich nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher, aber gehört wird die Sendung immer noch…
Foto: Christoph Grimlowski unter CC BY-SA 3.0.
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