Martenstein und die sogenannte Bild-Zeitung
Harald Martenstein, seines Zeichens Kolumnist sowohl beim ZEIT Magazin als auch bei der „Welt am Sonntag“, übernimmt die Kurz-Kolumne „Post von…“ vom verstorbenen Franz Josef Wagner in der sogenannten Bild-Zeitung. Das scheint mir einigermaßen überraschend, weil „Post von Wagner“, wie mir gesagt wurde, traditionell eine sehr kurze Kolumne ist und Martenstein traditionell eher zu viel als zu wenig Worte verliert. Da er aber keines seiner Worte je bereut, passt er auch ganz gut in das Regenbogenblatt.
Bei Springer sind sie hocherfreut:
Ich freue mich sehr, dass wir mit Harald Martenstein einen Autor gewinnen konnten, der gleichermaßen amüsant und furchtlos ist.
Amüsant? Geschmacksache, würde ich sagen, aber furchtlos? So furchtlos vielleicht, sich am ZEIT-Weihnachtsfeier-Buffet vorzudrängeln. Ansonsten scheint mir zu schreiben, was die alten Knacker, die Martenstein sein Publikum nennt, lesen wollen, nicht als so exorbitant furchtlos.
Lustig, ohne mir den Inhalt eigen zu machen, fand ich in dem Zusammenhang den Kommentar von Wolfgang Hübner im „Neuen Deutschland“:
Der mehrfach preisgekrönte Martenstein, der auch als Romanautor reüssierte, vollzieht mit der »Bild«-Kolumne nun einen weiteren, vielleicht den finalen Schritt in einer für alternde mitteilungsbedürftige Männer nicht untypischen Entwicklung von links unten nach rechts oben: mit 20 Kommunist (DKP), mit 40 liberal, mit 70 Fanboy für Rechtspopulisten.
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