
Bahnhofsgedanken
Die Bahn fährt, was mich nach all den Jahren immer noch überrascht und da sollten sich PR-Menschen bei der Bahn oder eben Anke Engelke meinetwegen mal Gedanken drüber machen. Leider, leider, leider, ist nur fahren dem Grunde nach nicht genug.
Da ist zum Beispiel die von mir einst recht regelmäßig genutzte Strecke Hamburg – Berlin, die nun schon eine ganze Zeit gesperrt ist und noch genauso lange gesperrt bleibt. Züge fahren trotzdem, aber eben über Stendal, einer weitestgehend unbekannten Kreisstadt mitten in Deutschland, mit einem ähnlichen Nachrichtenwert wie meine zweite Heimatstadt Delmenhorst, nur eben ohne Sarah Connor. Die Fahrt nach oder von Berlin dauert so mal eben rund zwei Stunden, je nachdem, was sonst so schief geht. Schlimmer aber ist, dass die Frequenz der Fahrten halbiert wurde. Das ist für alle diejenigen, die erst von Lübeck nach Hamburg fahren müssen, um in Richtung Berlin zu kommen, ein mittelschweres Drama. Also für mich. Noch nie hat ein ICE auf Anschlussreisende aus „Richtung Lübeck„ gewartet[1]. Also absurd früh aufstehen.
Aber, was reg ich mich auf. Was sollen die armen Schweine sagen, die in Rostock oder Ludwigslust wohnen und die einen Regionalzug oder einen der seltenen IC zum Pendeln nach Hamburg genutzt haben? Die müssen jetzt aufwendig über Bad Kleinen nach Lübeck fahren und dort meinem täglichen Irrsinn zusteigen. Wobei, auf den Ansturm hat sich die Bahn sogar vorbereitet und lässt zur Zeit einige verlängerte Züge auf der Strecke fahren. Was die Sache für mich komfortabel machte, denn viele Rostocker*innen und Ludwigslustigen bleiben lieber ein halbes Jahr im Homeoffice, statt sich das zu geben. Kein normaler Mensch[2] würde eine abendliche Heimfahrt auf einer solch umstiegsintensiven Strecke mit der Regionalbahn riskieren. Man wäre ja permanent in Gefahr in einem Ort in der tiefsten Pampa ohne Taxi oder ÖPNV, mit dem vagen Versprechen auf einen Schienenersatzverkehr, nachts im Schnee ausgesetzt zu werden, weil der Zug umdrehen musste, um nicht in der Verspätungsstatistik zu landen. Den Komfort der freien Platzwahl hatte ich nicht lang, denn jetzt wird passenderweise auch auf der Strecke Hamburg – Lübeck gebaut. Die Züge fahren nur noch stündlich und verspäten sich wegen Stau auf der einspurigen Strecke dazu noch regelmäßig. Mit 50% mehr Reisenden und 50% weniger Verbindungen, ist es bei jeder Fahrt nun gerammelt voll, weil natürlich niemand mit dem Ersatzbus von Lübeck nach Ahrensburg fährt. Stattdessen ähnelt nun jede Zugankunft der Rettungsbootszene aus Titanic und die Züge sind wieder voll wie eine japanische U-Bahn. So ist es dann überhaupt nicht verwunderlich, wenn die Leute auf dem Bahnhof in Lübeck immer im Streß sind.
Fußnoten
Selbst dann nicht, wenn es der ICE nach München ist, der eigentlich von Lübeck hätte starten sollen, wegen einer Verspätung am Abend vorher in Hamburg endete. Und dort am nächsten Morgen auch wieder startet. Was, nebenbei bemerkt, dauernd vorkommt. Ich sag es nur mal so aus eigener Erfahrung. ↩︎
außer uns Pendler*innen ↩︎