Techno House Deutschland

Eine ganze Nacht hat die ARD die Dokuserie „Techno House Deutschland“ gezeigt. Menschen meines Alters dürfen sie zum Glück in der Mediathek nachschauen. Zum Glück?

Ich weiß immer nicht, wie kommt man auf so eine Idee? Wir schauen uns noch mal die Geschichte von Techno in Deutschland an. Und der Kniff ist, ganz ARD, verschiedene Folgen von unterschiedlichen Autoren, ja sogar unterschiedlichen Sendeanstalten machen zu lassen. Und dann kommt doch wieder raus: Techno kommt aus Frankfurt (Main), gab es aber auch in München und Berlin. Im Wesentlichen war Techno früher Dorian Gray, Omen, etwas Tresor. Heute ist es Berghain und … Denkpause, ein wenig Robert Johnson.

Hier hätte die Doku jetzt zu Ende sein können. Oder ich hätte sie ausschalten können. Zum Glück aber gibt es den Osten.

In zwei weiteren Folgen geht es nämlich um die Clubs dort. Zuerst konnte dort ja gewissermaßen überall gefeiert werden, die Polizei der ausgehenden DDR war ja nicht nur mit den Glatzen überfordert, auch illegale Clubs stellten sie vor unlösbare Aufgaben. „Und überall lag Strom!“ Weiter geht es um die eher alternativen Clubansätze im Osten, Projekte zwischen Kommune und Großdiskothek. Es ist förmlich zu spüren, dass der Unterschied zu den vorher gezeigten Folgen auch die Macher der Sendung überrascht hat, am Ende sagt jemand: Die Jugend hätte in der DDR halt mehr Solidarität gelernt. Das bleibt dann so im Raum stehen.

Dabei ist genau das doch Techno! Und das hat nur sehr vordergründig mit dem Osten etwas zu tun, außer vielleicht, dass dort mehr Raum zur Verfügung stand. Jede kleine Technoszene jenseits der großen Städte war doch genauso organisiert, wie es hier präsentiert wird. Meist mehrere Cliquen oder Freundeskreise, angeführt von einem oder mehreren Entrepreneuren, zogen an einem Strang, um Parties zu veranstalten oder Clubs aufzubauen. Diese Kleinstadtszenen waren dabei mehrheitlich regional gut vernetzt, durch Partytourismus und DJ-Bookings. Es macht aber Hoffnung, dass es das heute noch gibt.

Wieder völlig ins Klo gegriffen sind dann die beiden letzten Folgen über die Nature One. Die beiden Schlafzimmer-DJ*ane*s, die zum Festival fahren, nur um mit eigenem Equipment und Diesel-Generator bewaffnet, auf dem Campingplatz aufzulegen: zum fremdschämen. Na, da ist der Bauer noch der Sympathischste, der sich offenbar Max Yasgur zum Vorbild genommen hat, jenem Landwirt, der 1969 auf seiner Farm das Woodstock-Festival ermöglichte.

Zwischen all dem gibt es aber genug wunderbare Bilder, was angesichts der heute üblichen No-Foto-Strategie fast aller Clubs erstaunlich ist. Hier wurde ausgiebig auf Archivmaterial und YouTube zurückgegriffen. Und es gibt natürlich Musik, Klassiker ohne Ende, aber nicht nur, allesamt zu finden auf dieser Spotify-Playlist.