Lindenberg! Mach dein Ding

2020 lief das Biopic der Regisseurin Hermine Huntgeburth, deren Name mehr oder weniger so klingt, als sei er der Feder ihres Protagonisten (Elli Pirelli, Jaques Gelee, ich mein ja nur) entsprungen …, also 2020 jedenfalls lief „Lindenberg! Mach dein Ding“ im Kino und mit Erfolg. Nun war 2020 nicht gerade ein großes Kinojahr, umso besser, dass der Streifen nun bei Netflix zu sehen ist. Ich sag mal so: ich hätte in den Titel ja etwas mit Panik … Aber ich meine ja nur.

Jedenfalls sehen wir hier den Beginn der Karriere Lindenbergs, also die ganz frühen Siebziger, als das Onkel Pö noch gab und Hamburg noch hip war. Und wir sehen einen Lindenberg vor der Verwandlung in den Panik-Rocker und in Rückblicken bis hinein in die Kindheit des Udo Lindenberg. Und plötzlich passt alles zusammen: Udos Vater ist Klempner, unter Alkohol ein ganz großer Performer, im richtigen Leben aber ein echter Looser. Der kleine Udo will allerdings nicht Klempner, sondern Musiker werden, nicht trotz des Alkohols, sondern ausdrücklich mit ihm. Und während Udo versucht, sich die Welt schön säuft, begegnen wir der Cello-Spielerin ebenso wie dem Mädchen aus Ost-Berlin und auch Paula aus St. Pauli hat ihren Auftritt.

Was wir früher an Udo liebten, was uns auch noch 120 km südlich der Nordsee zu Jungs aus dem hohen Norden machte, fehlt in dem Film zwar mehr oder weniger, dafür gibt er aber einen guten Einblick in die Person Lindenberg. Stellenweise entsteht der Eindruck, Grundlage des Films seien die geheimen Mitschnitte Lindenbergscher Psychoanalyse-Sitzungen zur Frage „Warum bin ich so geworden, wie ich bin?“ gewesen. Dabei darf man aber natürlich nicht aus dem Auge verlieren, dass der Film nichts zeigt, was Panik-Udo nicht sehen will, und so ist eben alles doch recht konstruiert. Ja, der kleine Udo mochte das Trommeln, ja, der Papa sagte immer, dass aus ihm niemals etwas werden würde, und so weiter und so weiter …, bis hin zum großen Erfolg, als die Puzzleteile mit einem Mal zusammenpassen.

Da bleibe ich als Zuschauer mitunter etwas ratlos zurück. Auch weil ich mich die ganze Zeit frage, warum wir damals (Anfang der 80er) so große Lindenberg-Fans waren (und es heute, allem Retro zum Trotze) nicht mehr sind. Hier meine Theorie: von „Wozu sind Kriege da?“ (ja, wozu eigentlich?), über den unausweichlichen „Sonderzug nach Pankow“ und „Sie brauchen keinen Führer“ traf Udo damals genau den richtigen Ton unserer Generation. Von da an lebten wir uns allerdings auseinander. Ich muss auch feststellen, vieles aus Udos Feder altert miserabel (was der Film meist geschickt auszublenden weiß). Udo Lindenberg heute, dieser mit Eierlikör betriebene Rock-Panik-Zombie aus dem Hotel Atlantic, macht mir eher Angst, als dass ich ihn noch mag, so retro kann ich gar nicht sein. Sonst ist aber immer noch alles klar …, auf der Andrea Doria.