Wochenschau 16/2022

Hier sehen wir den Autoren dieses Blogs höchstselbst, bei der Rettung des gedruckten Wortes. Seit Wochen nun versucht er eine innere, befriedigende Position zum Thema Krieg und Frieden zu finden, obwohl er sich ausdrücklich nur in sehr schlimmen Momenten für einen Tolstoi hält, diesen permanent mit Dostojevski verwechselt, Fjodor Michailowitsch kaum schreiben kann und im Moment ja sowieso jede*r Russ*in per se mehr oder weniger verdächtig ist. Nicht dass wir unseren Autoren für einen ausgesprochenen Pazifisten halten, er war bei der Bundeswehr und hat dort, einen ob des Geburtsjahrgangs dramatisch langen Grundwehrdienst abgeleistet, fiel andererseits schon während desselben unangenehm auf und konnte danach, im Zuge des ersten Irak-Krieges den Wehrdienst nachträglich verweigern, auch dank der Zeugenaussagen einiger seiner Vorgesetzten.

„Sie gehen mit ihrer Freundin im Wald spazieren, da werden sie von einer Horde Gewalttäter überfallen, die direkt anfangen ihre Freundin zu vergewaltigen, zufällig lehnt an einem Baum eine herrenlose Axt, wie reagieren sie?“, waren so Fragen, die eins seinerzeit im Verweigerungsverfahren (der sogenannten Gewissensprüfung) gestellt wurden, wenn eins angab, aus Gewissensgründen den Wehrdienst mit der Waffe zu verweigern. Im Grunde gibt es darauf nur falsche Antworten. Dass eins sich die Axt schnappt und die Angreifer in Stücke hackt allerdings, ist die falscheste von allen.

Gleichermaßen lustig- wie dramatischerweise steht unser Autor heute wieder vor derselben Frage, die er meinte mit seinem Gewissen längst geklärt zu haben. Und er findet keine Antwort. Natürlich ist ein Angriffskrieg mit nichts zu rechtfertigen, auch und gerade nicht mit Denken. Natürlich geht er dagegen auf die Straße. Aber das hat er auch schon gegen die Kriege im Kosovo, im Irak zweimal und den in Afghanistan getan. Und zack ist man die fünfte Kolonne Putins. So geht das heute. Das wirft alles Fragen auf, die aber heute von ernsthafter Seite einfach unbeantwortet bleiben. „Putin hat die Ukraine angegriffen, da gibt es nichts dran zu rütteln!“ hat er gestern in einem Podcast gehört. Und da müsse man jetzt aktiv eingreifen und schwere Waffen liefern. Aber dies kommt ihm wie ein Fehlschluss vor, denn auch wenn der erste Satz natürlich ein Fakt ist, muss der Zweite nicht daraus folgen.

Zufällig lehnt an einem Baum eine Axt. Aber was machen wir jetzt damit?