Die Twitter Pause

Ich erwähnte es schon, ich bin seit Anfang Februar in eine sehr ernstgemeinte Twitter-, eigentlich sogar großflächigen Social-Media-Pause eingetreten. Das war natürlich, vor allem in der inzwischen aufgezogenen politischen Situation, das Beste was ich machen konnte. Aber ich will auch nicht mit einer Predigt darüber nerven, was ich nun alles schaffe und wieviel Zeit ich plötzlich habe, beispielsweise um wieder dieses Blog voll zu schreiben. Tatsächlich habe ich ja auch schon mal vorher eine Pause eingelegt.

Allerdings fühlt es sich heute anders an als 2017. Zwei Jahre Pandemie-Twitter haben doch sehr an mir genagt und mir die Freude doch sehr verleidet. Ich leide schon seit Kindestagen an der Wahnvorstellung, viel zu sagen zu haben, und der Angst, dass es niemand hören möchte. So gesehen, ist Twitter durchaus der richtige Ort für mich. Obwohl ich dort wesentlich mehr zugehört habe, als selbst zu senden. Den seltsamen Tribalismus von Twitter und allgemein Socialmedia empfinde ich dabei als durchaus interessant. Der Begriff der Echo-Kammer wird zwar immer wieder kritisiert, aber er trifft doch recht gut, was ich dort vorgefunden habe.

Der Algorythmus, vor allem wenn man sich darauf beschränkt eher wenige humorige, pointierte oder allenfalls ins satirische neigende Tweets abzusetzen und sich wenig an Diskussionen (Drukos) beteiligt, spült einem tatsächlich und ausschließlich Leute in die Timeline, die im wesentlichen der gleichen Meinung sind, wie eins selbst. Ich denke ja, dass das genau richtig ist und es hat mir, vor allem in der Anfangszeit der Pandemie so unglaublich gut getan, zu wissen, dass da rund 1000 Leute sind, die ich irgendwie mehr oder weniger kenne, und beinahe alle denken über das Thema so wie ich. Gerade dieser positive Widerhall war mir sehr wichtig. Dasselbe habe ich in meiner frühen Zeit dort erlebt, als es noch mehr darum ging, mich in Arbeitsthemen abzustimmen. Das Gefühl des nicht alleine da stehen hat mich immer getragen.

Aber irgendwie ist das dann auch schnell wie die Runde, wo schon alle alles gesagt haben, es nur noch nicht jede:r wiederholt hat. Ich habe mich auf Twitter aber nie gelangweilt. Ich habe aber mich selbst als langweilig empfunden dort. Und das was ich dort zusammengeschrieben habe, scheint auch keine Wert zu haben. Nichts ist so langweilig, wie der Tweet von gestern. Während ich beispielsweise in meinem eigenen Blogarchiv—mea culpa—stundenlang selbst lesen kann. Was die Schlussfolgerung zulässt, dass das für mich wichtiger sein könnte, als der sogenannte Kurznachrichtendienst. Altmodisch, ja meinetwegen. Liest keiner? Nunja, vielleicht. Aber das wäre dann ja auch kein Unterschied.

Und gerade hat die Sache ja nochmal eine ganz andere Dimension bekommen. In Zeiten der politischen Krise und des Krieges ist Twitter nachweislich ein toxischer Ort. Eine Propagandamaschine. Da wäre abschalten sowieso die einzig richtige Konsequenz gewesen. Ich sehe schon beruflich genug Nachrichten und bin ja auch ohne Twitter Medien- und Newsjunkie, da brauch ich kein Heer von Russland-Spezialisten, selbsternannten Kriegstaktikern und Told-you-sos.

Ach, und habe ich erwähnt, wie unglaublich viel Zeit ich mit einem Male habe? Beispielsweise, um wieder dieses Blog voll zu schreiben? Hachz.