Fliegengitter im Wandel der Zeit

Was? Haben? Wir? Früher? Ohne? Fliegengitter? Gemacht?

Fliegengitter kannten wir in meiner Kindheit nur aus dem Fernsehen, aus amerikanischen Serien wie den Waltons oder den Straßen von San Francisco. Türen vor den eigentlichen Türen auf Veranden, die man daran erkennen konnten, dass sie beim Öffnen lauthals quietschen (immer) und beim federgepowerten Schließen laut knallten (ebenfalls immer immer immer). Außerdem stellten diese Gittertüren unüberwindbare Hindernisse, bspw. für Kommissare dar. Zwar konnte man sie öffnen (sic!) um an die Verandatür zu klopfen (immer!), danach musste man aber vor dieser Tür stehen bleiben. Die Fliegentür war quasi gleichzeitig Einbruchssicherung bei chronisch unverschlossenen Türen und Ausdrucksform der in irgendeinem Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung garantierten Unverletzlichkeit der Wohnung. Möglicherweise hat sich das geändert, oder wurde (das will ich doch nicht hoffen) im amerikanischen Serien und Filmen auch falsch dargestellt.

Jedenfalls kannte ich in meiner Kindheit keine Fliegengitter. Wir hatten ja nichts. Wir öffneten die Fenster so wie es sich Architekten und Bautischler gewünscht haben, nämlich einfach auf. Und manchmal flog eine Wespe ins Zimmer… und irgendwann wieder hinaus. Oder man fing sie in einen Glas. Und nachts machte man das Fenster im Sommer erst auf, wenn man das Licht ausgeschaltet hatte, um nicht Mücken auch noch anzulocken. Und irgendwie ging das wohl so.

Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Jedenfalls bei uns zu Hause. Insekten scheinen irgendwie aufgerüstet zu haben. Man kommt ja ohne Fliegengitter nicht mehr aus. Es sei denn, man öffnet die Fenster halt nicht. Jede Fliege die dabei hinein kommt in die Wohnung, löst aber auch gleich ein mittleres Drama aus, wahrscheinlich, weil sie sofort beginnt sich irgendwo zu vermehren. Tatsächlich hatten wir ein solches Problem einmal mit Speisemotten, die sich trotz Fliegengitter eingeschlichen hatten (ich glaube immer noch: versteckt im Biomüsli, aber was weiß ich denn schon). Jedenfalls können wir ein Insekt in unserer Wohnung nicht auf sich beruhen lassen („fliegt von selbst wieder raus“), sondern müssen immer sofort entsprechende Maßnahmen einleiten, bspw. einen Licht- und Luftzugkorridor herstellen, der das Tier wieder hinausgeleitet (was erstaunlicherweise auch ganz gut klappt). Bei Wespen muss allerdings ich allein den edlen Ritter geben, obwohl ich eine Scheissangst (Allergie!) vor den Dingern habe.

Also bringe ich überall Fliegengitter an.

Nur an der Tür zum Arbeitszimmer gab es kein passendes Modell. Sie ist außergewöhnlich hoch hat nach außen aber so einen Kasten mit einem Rollo, der unsere übliche Methode „Flügeltür mit Magnetschließung“ unmöglich machte. Am Ende haben wir von innen zwei übereinandergelegte Gitter angebracht, die unten beschwert sind. Leider gab es die nicht in ausreicher Länge, unter bleiben rund 10cm über. Außerdem kann jede Fliege mit guter Flugausbildung an den übereinandergelegten Kanten entlang nach innen gelangen.

Lustigerweise funktioniert diese völlig undichte Hilfskonstruktion wie die Türen in den amerikanischen Serien: für 99,9 Prozent der Insektenwelt reichen sie völlig aus. Nur vereinzelte in bodennähe umherschwirrende Brummer haben bisher den Weg ins Arbeitszimmer gefunden. Diese Mistbiester.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

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