Lynndie England

England habe die Bilder ihm gegenüber als “grossen Witz” und “nichts Ernstes” bezeichnet. Der Ermittler Warren Worth sagte, England hätte in Abu Ghraib die Gefangenen-Trakte gar nicht erst betreten dürfen.

Bei der auf mehrere Tage angesetzten Anhörung sollen zahlreiche Zeugen aussagen, unter ihnen Ermittler und Kameraden Englands von der 372. Militärpolizeikompanie. Zu den 19 Anklagepunkten gegen England zählen unter anderem Misshandlungen Gefangener und Befehlsverweigerung.

Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu 38 Jahre Haft und unehrenhafte Entlassung aus der Armee. Allerdings sind auch eine aussergerichtliche Bestrafung oder eine Einstellung des Verfahrens möglich.
Tagesanzeiger

Da kann man schon ein wenig Mitleid haben mit der kleinen, einfältigen (und inzwischen schwangeren) GI-Frau aus dem Wohnwagenpark. Als Schwert des Damokles hängt über ihr der Wille der Vorgesetzten und Politiker jetzt einen Sündenbock zu finden für Missstände, die ihre Tradition im alten Europa haben, in der amerikanischen Armee spätestens seit Vietnam zu guten Ton gehören: Eine erfolgreiche Armee foltert und brandschatzt nun einmal! Das Ganze scheint mir ein großartiger, wenn auch deprimierender Mummenschanz zu sein, genau wie der ganze Krieg. Frage mich ob der durchschnittliche Amerikaner vor lauter Sand in den Augen überhaupt noch etwas sieht?! Jedenfalls geht es im Prozess nicht darum, ob Folter nicht für einige Schichten der Armee und der Regierung für akzeptable gehalten wird, sondern wer jetzt welche Befehle gab und inwieweit jene, die sich wegen der massenhaft veröffentlichen Fotos nicht aus der Verantwortung stehlen kann, auf Befehl handelte oder eben nicht. Die eigentliche Frage ist aber und das wird wieder ungeklärt bleiben:
Wenn Folter und Mord befohlen werden, ist dann nicht die Befehlsverweigerung die einzige rechtmäßige Reaktion?

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.