Morgenlese XVII

Im Freitag macht sich Katharine Viner Gedanken über Die Wahrheit in Zeiten des Internets, was nicht nur eine lustige Referenz an die Liebe in Zeiten der Cholera ist, sondern schon im Titel das Internet (mglw. unbeabsichtigt) abermals in die Ecke der ansteckenden Krankheiten stellt. Insofern ist der Inhalt besser als der Titel ahnen lässt. Zunächst stellen wir fest, dass im Internet leider viel Fehlinformationen verbreitet werden und dann der Frage, wer uns hier noch retten kann. Ach schön war die Zeit:

Für gewöhnlich gibt es zu einem Thema mehrere Wahrheiten, die miteinander in Widerspruch stehen, aber in der Ära der Druckerpresse haben die Wörter auf einer Zeitungsseite die Dinge fixiert – ob sie sich letztlich als wahr herausstellten oder nicht. Der Information kam eine gewisse Autorität zu, zumindest bis der nächste Tag ein Update oder eine Korrektur brachte, und wir alle gingen bis zu einem bestimmten Punkt von denselben Fakten aus.

Das ist heute leider nicht mehr so. Und auch das Internet hat (am Scheideweg) die falsche Abzweigung genommen:

Von Redakteuren ausgesuchte Inhalte wurden in vielen Fällen durch einen Informationsstrom ersetzt, der von Freunden, Kontakten und Familienangehörigen mitbestimmt und von geheimen Algorithmen verarbeitet wird. Die alte Idee eines weit offenen Netzes, in dem Hyperlinks von Seite zu Seite ein nicht-hierarchisches und dezentralisiertes Netzwerk aus Informationen schaffen, wurde weitgehend durch Plattformen ersetzt, die darauf ausgerichtet sind, dass man seine Zeit innerhalb ihrer Mauern verbringt.

Überhaupt wird derzeit über das Schicksal der (Tages-)Zeitungen und Onlinemedien viel diskutiert. In Folge der Behauptung, die Presseverlage hätten statt auf Newswebsites weiter auf Print setzen sollen1, und dem Anwurf, der große Fehler der Verlage war die defensive Strategie, stellt Damon Kiesov fest: Newspapers are failing the product solution stack test. Zusammengekürzt auf den Kernsatz:

Our guide star is often an internal business need, not an external customer need.

Das schöne an dem Text: in ihm ist das Ende der Zeitungen und Onlinemedien noch nicht beschlossene Sache.

Trio (Krawinkel, Behrens, Remmler, Bild: CC BY-SA 3.0 - Privatfoto)
Trio: Krawinkel, Behrens, Remmler (Bild: CC BY-SA 3.0 – Privatfoto)

Zum Schluss noch eine Verbeugung vor dem groĂźen Mann von GroĂźenkneten, also vor Stephan Remmler, dem das FAZ Feuilleton ausdrĂĽcklich freundlich zum 70ten gratuliert. Da, da, da, das war eine Revolution fĂĽr uns seinerzeit, das Rhythmus-Preset „Rock-1“ des Casio VL-1 hat ein StĂĽck weit unser Leben verändert, wir hatten ja nichts damals, so sehr, dass wir sogar später Keine Sterne in Athen aushalten konnten. Also happy börsday Stephan und schöne GrĂĽĂźe von Sabine.


  1. Absichtliche inhaltliche VerkĂĽrzung 

Adam P. – Shake It

Aus den ganz frĂĽhen Tagen meiner Vinylsammelleidenschaft (1996) stammt dieses Kleinod, das eben so housig wie mainstreamig daher kommt.

Adam Piastowski sampelt sich hier so durch den 80er Jahre New Wave Mainstream, dass es irgendwie schon weh tut. Die Bongos sind beispielsweise direkt bei den Schleimern vom Spandau Ballet entliehen. Aber egal, geht in die Beine. Stadtfestkompatibel.

Wodka zu Gin

Vor gut einem Jahr habe ich mal ein Kickstarterprojekt gebackt, das versprach, mithilfe eines sogenannten spirit infusion sets aus Wasser Wein aus ScheiĂźe Gold aus Wodka Gin zu machen. Stand hier lange im Schrank herum, bis die Kollegen auf die grandiose Idee kamen, damit mal ein Gintasting zu starten. Die Phasen der Herstellung sahen dann so aus:

Getastet habe ich dann eigentlich mehr Tonicwasser, aber egal, was zählt ist das craftmanship, oder so. Prost.

Morgenlese XVI

Als Steve Jobs vor fĂĽnf Jahren starb, haben viele nicht nur um ihn, sondern auch um Apple selbst getrauert, das grauenhafte Schicksal vor Augen, was unausweichlich mit Tim Cook als neuen CEO bevorstand: der Niedergang von der Weltspitze ins Mittelfeld. Nun ist Apple auf einer Art weiterhin Weltspitze, das profiabelste Unternehmen ever, aber, genau das ist es eben, was alle befĂĽrchtet haben: Tim Cook ist Steve Ballmer.

In der Nähe von Delmenhorst gibt es ein kleines Örtchen Immer und eine meiner Grundschullehrerin erzählt gerne de Witz von dem Bahnkunden, der Immer hin und zurück buchen wollte. Das sagt viel über Delmenhorst und meine Schulzeit dort aus. Nichts hat es zu tun mit dem neuen Chat Videomessaging Fotosharing Kommunikationsdienst der Telekom zu tun, ausser eben den Namen Immmr, der eben genauso witzig ist. Das ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles, was mir dazu einfällt. Thomas Knüver dagegen lässt kein gutes Haar am neuen Dienst. Alles wie immer.

Auf Island besteht die reale Chance, dass die Piratenpartei die Regierung übernimmt. Was ja in sich schon eine schöne Geschichte ist, noch dazu schön anzusehen.1 Hier kann man dafür nachlesen, wie Boaty McBoatface bei der US-Wahl abstimmt. Ich bette es auch mal ein (zum Zeitpunkt als ich das tue steht es in Deutschland 66% pro Trump und 34% pro Clinton).

Artikelbild: Parker Byrd


  1. Ich bin immer ein wenig beglĂĽckt, wenn ich sehe, dass unser Tour-de-France-Layout praktisch immer noch in Benutzung ist. 

Morgenlese XV

Noch in Morgenlese XI wurde vor Botnet-Attacken durch fehlkonfigurierte IoT-Geräte gewarnt, schon ist wird die Sache ernst: Hacked Cameras, DVRs Powered Today’s Massive Internet Outage. Speziell eine IP-Kamera eines chinesischen Herstellers wird wohl mit offenem SSH- und Telnetzugang ausgeliefert, geschützt durch ein Standardpasswort. Well done.

Einer der Teamwitze während des Relaunches von ZEIT ONLINE war ein Zitat des Lego-Batman: „I only work in black. And sometimes very very dark grey.“ Was an unterschiedlichen Grautönen an Schrift- und Hintergrundfarben aus dem Design kam, regte oft zum Lachen an, musste leider oft korrigiert werden. Unsere Ansicht: Designer wollen möglichst helle Grautöne. Leider ist das ein Designtrend, der das Web schlechter lesbar macht.

Und zuletzt eine schöne Sonntagsmorgenlesegeschichte, die mir Freund Arne extra für diese Linksammlung weitergeleitet hat: wie man in Whats-App-Accounts einbricht, in dem man eine wirklich dämliche Sicherheitslücke ausnutzt, mit ein wenig (social) phishing. Hrrmmmpf.

Morgenlese XIV

Wer sich gefragt hat, in welcher Größeneinheit media-queries erstellt werden sollten, lest den Text, oder die Quintessenz: the only unit that performed consistently across all four browsers is em..

Wer einen Performancemonitor fĂĽr seine Website bauen will, kann warten, bis unser Devblog-Eintrag dazu fertig ist, oder schonmal hier schauer: Building a Website Performance Monitor.

Ire Aderinokun leitet einen mehrteiligen Walkthrough Building a PWA, beginnend mit “Offline First” with Service Worker und dem zweiten Teil: „Instant Loading“ with IndexedDB.

Bild: Parker Byrd

J-Walk – The French Letter

Hier mal eine Erinnerung an meine Plattenkiste, die mir ein Kollege sozusagen über den Tisch gereicht hat. Ach ja, wie schön war die Zeit in der Lounge, wo das Wochenende schon donnerstags begann, mit einem Coctail, wie hiess er… Tiefseetaucher! Boah… jetzt ist mir kurz schlecht geworden 🙂

Laut Urban Dictionary bedeutet j-walk »To cross the road in an illegal manner.«, ist hier in Wahrheit aber Martin Fisher.

Getestet: iPad Case aus Palisanderholz

Dies ist ein gesponserter Post, mehr oder weniger1.

Von der iPad Air2 Klapphülle aus Palisanderholz von Ultratec habe ich viel erwartet. Seit langer Zeit habe ich mich mit einer Kunstlederklappe für das Tablet herum geschlagen, die täglich allein durch Gebrauch hässlicher wurde und sonst eigentlich keine Features aufzuweisen hatte. Nun also eine Kompletthülle aus Holz, also mehr Haltbarkeit und Schutz und eine Ecke edler noch dazu.

Die visuellen Anforderungen erfüllt die Hülle von Ultratec noch in der Verpackung, Palisander ist ein sehr rötliches Holz, die Oberfläche ist glatt und fest und glänzend. Man muss die Farbe ein wenig mögen, dann ist man vom Aussenmaterial schnell überzeugt. Mein iPad Air2 passt sehr gut in die Kunststoffhalterung, die das Tablet zwischen den Holzdeckeln halten soll. Man drückt es von oben in die Halterung, es sitzt auf Anhieb fest. Die Innenhülle enthält auch die nötigen Aussparungen für Kamera, Mikrophon, Lautstärke-Tasten, sowie Kopfhöreranschluss (!) und Antenne. Das passt gut, bis auf die Lautstärkeregler, die sitzen etwas tief, wodurch man mit der Fingerkuppe nur mit Druck an die Tasten kommt, besser geht es mit dem Fingernagel, wenn man einen hat.

Der Holzdeckel besteht praktisch aus einem einzigen mehrfach segmentierten Teil, dessen erstes Segment an der InnenhĂĽlle festgeklebt ist. Durch vorgeknickte Ecken kann man den Deckel nun um das Tablet herum legen, wodurch es komplett vom Holzdeckel umschlossen wird. Die einzelnen Segmente des Deckels lassen sich knicken, zum Teil auch zusammenfalte, um verschiedene Standposition fĂĽr das iPad zu ermöglichen. Da man das in verschiedene Richtungen und von verschiedenen Seiten aus machen kann, gibt es mehrere unterschiedliche Standpositionen, mit verschiedenen Winkeln des Bildschirms zum Betrachter. Nicht alle sind allerdings so fest, dass man glauben kann, dass sie auch so vorgesehen sind. (Eine „Faltanleitung“ gibt es wohl nicht.) Zum Material: das Holz ist stark und fest, aber auch sehr dĂĽnn. An der Innenseite ist eine Vliesschicht angebracht, die das iPad schĂĽtzt. Sie ist ok, könnte aber etwas dicker sein. So bleibt der Deckel sehr fest, starr und hart auch nach innen, was zum Beispiel daran merkt, dass es laut „Klack!“ macht, wenn man ihn etwas zu schnell oder kraftvoll zu macht. Ăśberhaupt macht das Holz natĂĽrlich Geräusche, mehr als bspw. eine Leder- oder KunstlederhĂĽlle.

Ich habe die Hülle jetzt ein paar Wochen benutzt, es sind noch keine farblichen Abnutzungserscheinungen (bspw. an den Kanten und Rändern) zu beobachten, obwohl ich das Tablet dauerhaft im Rucksack mit mir herumschleppe. Einmal ist es auch schon heruntergefallen, allerdings auf Teppich: nichts passiert. Aber: die Hülle hat inzwischen von irgendwoher einen Kratzer abbekommen, fast wie ein Schnitt. Den sieht man leider deutlich, siehe Foto.

[yasr_overall_rating]


  1. Dieser Text gleicht zu 99% einer gesponserten Rezension, die ich im Rahmen des Vine-Programms fĂĽr Amazon geschrieben habe. In der BemĂĽhung, alle von mir produzierten Onlineinhalte zu sammeln, schreib ich sie hier nochmal auf. 

Herbert – See You On Monday

Wirklich, wirklich, wirklich einer meiner Deepminimalhousedubevergreens und die nachweislich beste Einleitung zu einem smoothen Sonntagnachmittagsset, auch wenn meine Kopie davon leider völlig zerkratzt und befleckt ist, wohl von einer dieser Sonntagsnachmittagsveranstaltungen, wir hatten ja keine Berghainschlange damals, in die wir uns stellen mussten, sondern haben zu Hause, den Rest hab ich vergessen.

When a man is tired of London, he is tired of life. [Samuel Johnson]