tr.im nicht Deinen Content

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URL-Verkürzer sind die Zwerge des Lifestreamings.
Bild: FotoVero84@flickr, CC lizensiert.

Nachdem der URL shortening service tr.im gestern die Flinte abgegeben und den Löffel ins Korn geworfen hat, regt sich die gesamte westliche Twitter- und Blogwelt ausnehmend darüber auf, dass a) die schönen gekürzten URLs nun weg sind und b) Twitter an allem Schuld ist (Twitter created this mess […]).

Liebe Leute, nicht ganz zu Unrecht wird einigen Orts kritisiert, dass man sowieso Twitter nicht seine eigenen Inhalte in den Rachen werfen sollte, aber selbst wenn man denen noch auf lange Sicht Vertrauen kann (warum überhaupt?), gibt und gab es doch überhaupt keinen Grund auch nur einem der wie Pilze aus dem Boden geschossenen shortening services zu unterstellen, dass dort gehostete Short-URLs einen Anspruch auf lange Lebensdauer hätten. Pfffft. Sind jetzt die großen Köpfe des Internetzeitalters auf denselben gefallen?

Aber gut, hier nochmal zum mitschreiben: das Internet vergisst zwar nichts, kann aber durchaus in Fällen, da man seinen Content oder die Zeiger auf seinen Content, vulgo: URLs, privatwirtschaftlich organisierten Diensten übergibt, es schwierig bis unmöglich machen, diese später (wieder) zu finden. Das ist eine Konstante im Web 2.0, die man kennen sollte! Und man muss sich damit arrangieren, oder man lässt halt die Finger davon. Die Dienste, die wir nutzen, werden dicht gemacht, sie erodieren oder werden weggekauft. Wer glauben will er lifestreame für die Ewigkeit, der sollte lieber nochmal selber aggregieren, zum Beispiel mit Sweetcron. Da hat man dann eine Datenbasis zum rekonstruieren, gegebenenfalls. Man kann natürlich auch URLs selbst verkürzen.

Nebenbei, ich glaube eh‘ das bspw. Tweets nicht für die Ewigkeit sind und nur für einen Moment funktionieren. Genauso sehe ich das für die kurzen URLs, den man sowieso nie ganz Vertrauen kann. Ein abschliessendes Beispiel: mein Gratisaccount bei flickr ist gerade voll gelaufen (max. 200 Bilder) und ich stand vor der Entscheidung, einen Proaccount zu zahlen. Nun wollte ich gerade kein Geld in Yahoo stecken, also hab ich mir die 200 Schnappschüsse mal angeschaut: nur Momentaufnahmen von Orten an denen ich war, Dinge – die mal kurz lustig waren, Konferenzbilder etc. Nichts dabei, was man ewig aufheben müsste. Ich hab mir trotzdem Backups gemacht und dann ca. 100 Bilder ersatzlos gelöscht. Die Tweets dazu haben jetzt keine Bilder mehr. Aber… wen interessiert das schon?

Update: tr.im ist interessanterweise nach dem großen Tamtam einfach wieder zurückgekehrt. War wohl nur ein Marketinggag für den Verkauf des Ladens? Eine Protestaktion gegen Twitters Vorliebe für bit.ly? Schwachsinn? Egal, nichts von dem oben beschriebenen verliert dadurch seine Gültigkeit.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

5 Gedanken zu „tr.im nicht Deinen Content“

  1. Ha! Endlich hab ich auch mal einen Rechtschreibfehler bei Dir gefunden. Es schreibt sich „Marggedinggag“ wie in „viralesch Marggeding“.

    Inhaltlich wird mir das immer absurder. Also ich meine: Es gibt seite HTML 1.0 einen großartigen Weg, um schrecklich lange Links nicht einfach so lesen zu müssen: <a href=““></a> [editiert von Nico]

    Ich verstehe nicht, was daran nicht mehr gut ist.

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