CSS 2.2?

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Andy Budd ist Managing Director der »Clear: Left«-Agentur in Brighton und setzt sich in seinem aktuellen Blogposting: CSS2.2 ausführlich mit den Prozessen und Abläufen beim W3C auseinander, die dazu geführt haben, dass CSS heute dort steht, wo es noch vor 1999 gestanden hat. Im Juni dieses Jahres wurden die ersten CSS3-Module als drafts veröffentlicht. Seitdem ist leider nicht mehr viel passiert: CSS3 ist von der flächendeckenden Implementierung soweit entfernt, wie vor 10 Jahren und es scheint auch keine Aussicht auf eine schnelle Lösung zu geben.

Wie Andy treffend feststellt, wird an keinem Standard so deutlich, wie schwerfällig, ja teilweise bewegungsunfähig das W3C und seine Working Groups sind. Die verschiedenen Interessengruppen, die in der CSS Working Group vertreten sind, neutralisieren sich offenbar aufs heftigste. Dabei gerät die Entwicklung und Weiterentwicklung von CSS immer mehr ins Hintertreffen. Es ist sogar so, das Teile des vorgeschlagenen Standards anstatt in der Entwicklung durch die verschiedenen, komplexen Vorschlagsphasen des W3C eher zurückschreiten: das »Selectors Module« beispielsweise stand 2001 im Status Candidate Release und wurde 2005 auf den Status »Last Call« zurückgestuft, wo es bis heute (wieder zwei Jahre später) verweilt. Kurzum: das ganze nimmt groteske Formen an.

Man sollte sich darüber eigentlich nicht weiter aufregen, denn ganz ehrlich gesagt, wen interessiert heute noch die Arbeit des W3C, dort hat man inzwischen oft genug bewiesen, dass eine Working Group dem Namen selten entspricht und eher einem Kaffeekränzchen der sprichwörtlichen drei Affen gleicht: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen! Aber gerade im Bereich CSS würde die Entwicklung so dringend gebraucht. In keinem anderen Bereich ist die Implementierung in die verschiedenen Browser so schlecht und dabei Cross-Browser-Kompabilität so wichtig, und vor allem: in keinem anderen Bereich ist der Konkurrenzdruck so hoch!

Besagter Konkurrenzdruck kommt von den Techniken, die ähnliche Werkzeuge wie CSS zur Verfügung stellen, aber von unabhängigen Firmen erdacht und entwickelt werden. Adobe beispielsweise. Oder seit neuestem Microsoft. Sie stellen mit Flash, Flex, Apollo und Silverlight Tools zur Verfügung, die heute das Webdesign ermöglichen, wie es eigentlich CSS ermöglichen sollte. Dort unterliegt man nicht ewigen Gruppensitzungen und Diskussion, man erdenkt, entwickelt und veröffentlicht. Kann man eigentlich nicht mal böse drüber sein.

Aber es bringt die HTML/CSS-Gilde ins Hintertreffen, denn während die Anforderungen immer weiter steigen, sind die Möglichkeiten die man mit CSS hat im Grunde gleich geblieben in den letzten 10 Jahren, mal abgesehen davon, dass eine Menge Hilfstechniken erdacht wurden, um die Probleme von CSS zu umgehen und das IE7 erschienen ist. Wer heute den typischen Anforderungen der Kunden gerecht werden will, kann sich kaum noch auf reine HTML-CSS-Konstrukte verlassen, sondern muss mindestens auf Javascript zurückgreifen – einige stellen beispielsweise schon heute die CSS3-Selektor cross-browser zur Verfügung, die es noch gar nicht gibt. Webdesign und Webentwicklung geht – wenn es so weitergeht – deswegen zwei drei tragische Wege:

  • Immer mehr Design wird in den Bereich Flash etc. verlagert, also weg von offenen Standards, hin zu von Firmen und Konzernen gelieferten Techniken,
  • bei der Erstellung von Webseiten wird zur Relalisierung designerischer Elemente eine zusätzlich Programmiersprache benötigt (Javascript),
  • zumindest durch ersteren Trend gerät mit CSS auch HTML immer weiter ins Hintertreffen.

Die Konsequenzen sind sowohl im politischen Bereich zu finden, als auch in den Bereichen Zugänglichkeit und Bedienbarkeit des Webs.

Zurück zu Andy Budd: er sieht ein Problem, das die CSS3 Working Group quält darin, dass man sich einfach viel zu viel vorgenommen hat und schlägt deswegen vor, eine Version 2.2 einzuschieben, die zumindest das festschreibt und zementiert, was heute schon in viele Browser an CSS3-Funktionalitäten eingebaut ist. So könnten zumindest diese Teile des Standards auf einen in Zukunft flächendeckenden Einsatz hoffen. Die Frage die bleibt: wie lange wird man brauchen um sich zu einem solchen Schritt zu entschliessen, und wie lange dauert es dann, bis ein entsprechender Standard beschlossen und veröffentlicht ist? Und wann ist das dann alles im gerade meistbenutzten Browser eingebaut und verfügbar? Wir warten!

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