Lynndie England

England habe die Bilder ihm gegenüber als “grossen Witz” und “nichts Ernstes” bezeichnet. Der Ermittler Warren Worth sagte, England hätte in Abu Ghraib die Gefangenen-Trakte gar nicht erst betreten dürfen.

Bei der auf mehrere Tage angesetzten Anhörung sollen zahlreiche Zeugen aussagen, unter ihnen Ermittler und Kameraden Englands von der 372. Militärpolizeikompanie. Zu den 19 Anklagepunkten gegen England zählen unter anderem Misshandlungen Gefangener und Befehlsverweigerung.

Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu 38 Jahre Haft und unehrenhafte Entlassung aus der Armee. Allerdings sind auch eine aussergerichtliche Bestrafung oder eine Einstellung des Verfahrens möglich.
Tagesanzeiger

Da kann man schon ein wenig Mitleid haben mit der kleinen, einfältigen (und inzwischen schwangeren) GI-Frau aus dem Wohnwagenpark. Als Schwert des Damokles hängt über ihr der Wille der Vorgesetzten und Politiker jetzt einen Sündenbock zu finden für Missstände, die ihre Tradition im alten Europa haben, in der amerikanischen Armee spätestens seit Vietnam zu guten Ton gehören: Eine erfolgreiche Armee foltert und brandschatzt nun einmal! Das Ganze scheint mir ein großartiger, wenn auch deprimierender Mummenschanz zu sein, genau wie der ganze Krieg. Frage mich ob der durchschnittliche Amerikaner vor lauter Sand in den Augen überhaupt noch etwas sieht?! Jedenfalls geht es im Prozess nicht darum, ob Folter nicht für einige Schichten der Armee und der Regierung für akzeptable gehalten wird, sondern wer jetzt welche Befehle gab und inwieweit jene, die sich wegen der massenhaft veröffentlichen Fotos nicht aus der Verantwortung stehlen kann, auf Befehl handelte oder eben nicht. Die eigentliche Frage ist aber und das wird wieder ungeklärt bleiben:
Wenn Folter und Mord befohlen werden, ist dann nicht die Befehlsverweigerung die einzige rechtmäßige Reaktion?

Helden?

Ich erinnere mich, dass man noch vor Jahren darüber diskutierte, ob denn die Attentäter des 20. Juli 1944 überhaupt Helden gewesen seien, z.B. aufgrund derer nationalsozialistische Vergangenheit. Heute wird darüber kaum noch gesprochen, stattdessen nennt der Kanzler den 20. Juli einen “der wichtigsten Tage der neueren deutschen Geschichte.”

Ich persönlich halte bspw. Stauffenberg für weniger heldenhaft als die Geschwister Scholl oder die wenigen Bekannten und Unbekannten, die z.B. verfolgte Juden versteckt hielten. Denn während es dem ersteren um die “Rettung des deutschen Vaterlandes” und die Verhinderung des Todes von Soldaten ging, kämpften letztere gegen den Unrechtsstaat, die Verfolgung und die bestialische Realität der faschistischen Diktatur.

Es ist etwas anderes aus einer Überzeugung heraus zu handeln und diese bis in den Tod zu vertreten. Zuerst mitzulaufen und dann, beeindruckt durch die eigene Verwundung im Krieg, die Seite zu wechseln, halte ich für wesentlich weniger heldenhaft.

Aber ob nun Heldentum oder nicht, Tatsache bleibt, dass es Deutschland nicht geschafft hat, aus eigener Kraft die Diktatur zu brechen. Man erinnere sich: keine Demonstrationen, keine Guerilla, keine Volksbewegung gab es. Vielleicht muss man deswegen einen mißlungenen Putsch derartig hochstilisieren, weil es sonst nichts Vorzeigbares gibt? Den wenigen die wirklich Widerstand leisteten wird das nicht gerecht. Einige, für die es keine regelmäßigen Kranzniederlegungen und Fernsehdokumentationen gibt, seien hier beispielsweise erwähnt: Carlo Mierendorff, Martin Niemöller, Julius Leber, Hans und Hilde Coppi.

Wie gesagt, noch vor Jahren hat man darüber noch diskutiert. Aber Geschichte ändert sich ja bekanntlich.

Fahrenheit 9/11

Sollte man sich ansehen. Schon allein um herauszufinden, was an dem ganzen Medienaufwand und an den Angriffen gegen Moore nun wirklich dran ist.

Um es kurz zu fassen, Moore bringt nichts neues. Aber er fasst kompakt das zusammen, was über die Jahre verteilt so passiert ist: der Wahlbeschiss der Bush erst an die Macht brachte, die Verquickungen der Bush-Familien mit der Familie Bin Laden und der Rüstungsindustrie, den halbherzigen Angriff auf Afghanistan und den mit Lügen begründeten Angriff auf den Irak. Moore selektiert in seinem Sinne, klar, aber das ist weder falsch noch verwerflich. Und in diesem Gesamtzusammenhang, der aus dem alten Europa offensichtlich besser zu begreifen war, als vom Inneren der USA aus, zeichnet sich ein düsteres Bild.

Die Frage ist, was nützt es? Kann ein Film die Wahl entscheiden? Den in Imperialismus umgestrickten Patriotismus beseitigen, Bush zur Abwahl verhelfen? Oder verpufft er, wenn der Medienrummel abgerissen ist und Bush neue Wege (neue Kriege) gefunden hat, von seiner schlichten Unfähigkeit abzulenken? Uns brauchte Moore sicherlich nicht mehr überzeugen, aber überzeugt er die Amerikaner. Und was kommt dann? Kerry, der in der Irakfrage auch keine besseren Antworten als “Augen zu und durch” bereithält und seit gestern einen Vize(kandidaten) hat, der bspw. die Todesstrafe befürwortet?

Fahrenheit 9/11 Homepage
Michael Moore Homepage
Moore Diary

Rumsfeld löst Folterproblem der US-Armee

Das ist sie, die Lösung. Was offenbar dem gesunden Menschenverstand und Militärgerichten nicht möglich ist, gelingt Donald Rumsfeld im Handstreich: die Lösung des Folterproblems der US-Armee:

Die im Irak stationierten US-Soldaten dürfen bei militärischen Einsätzen keine Mobiltelefone mit eingebauter Kamera mehr benutzen.

Ebenso sind alle anderen Formen von digitalen Videokameras zunächst für die Soldaten im Irak-Einsatz, in Zukunft dann in der ganzen Armee verboten. Diese Maßnahme verhindert nun zwar nicht die Folterungen an sich, aber doch, dass selbige an die Öffentlichkeit geraten. Problem erkannt – Gefahr gebannt würde ich sagen. OK, hat ein bissel den Anschein des Orwellschen, es ist aber ein Gerücht, dass das noch zu gründende Informationsministerium sich nun daran macht und bereits veröffentlichte Folterszenen nach und nach aus den öffentlich zugänglichen Quellen entfernen wird.

Ich bringe für all diese Nachrichten nicht mehr zustande als ein Kopfschütteln.

Pentagon, geheime Abt. Schilda

Time Online: Military Personnel: Don’t Read This!:

An email to Pentagon staff marked “URGENT IT (Information Technology) BULLETIN: Taguba Report” orders employees not to read or download the Taguba report at Fox News, on the grounds that the document is classified. It also orders them not to discuss the matter with friends or family members. The emailed memo was leaked to TIME by a senior U.S. civilian official in Baghdad, who did not hide his disdain for the “factotums” in the Pentagon. “I do wonder how incredibly stupid some people in the Pentagon are,” he emailed TIME. “Not only are they drawing everyone’s attention to the report – and where it can be seen – but attempting to muzzle people never works.”