Journaille und Webdesign

Sollten Sie je in die Ungelegenheit geraten, Designaufträge für Vertreter grosser journalistischer Konzerne ausführen zu müssen, wollen, können, beachten sie bitte von vorneherein die folgenden Anhaltspunkte.

  • Begrifflichkeiten wie „möglichst zeitnah“, „schnell“, „demnächst“, „bei Verfügbarkeit“, „wenn’s geht bald“, „in absehbarer Zeit“ und ähnliche bedeuten in diesen Kreisen vor allem und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur eins: sofort. Dabei fallen Wartezeiten der Material- und Contentanlieferung, Zeiten für Absprachen, Meetings und ähnliches regelmäßig zu ihren Ungunsten nicht ins Gewicht. Sofort heisst eben sofort, Steigerung nicht mehr möglich.
  • „Look and Feel“ heisst nicht „Look and Feel“, sondern 110% nach vorhandener CI, unbeachtet aller neuesten Standards, sondern in fiesem HTML3, ohne Doctype bitte, man sendet ihnen dazu gerne 100seitige PDFs mit Styleguides für Webseiten zu, die mit denen, was sie gerade zu produzieren versuchen, aber auch gar nichts zu tun haben.
  • Statt einer anderen produzierenden Instanz, wird ihre Arbeit kurz vor Abschluss regelmäßig von kompetenten Instanzen wie der Verkaufsabteilung, einer Redaktion, einzelnen Journnalisten, der Lokalredaktion von Klein-Kleckersdorf und dem Hausmeister der Haupstelle in X unter die Lupe genommen, bewertet und mit Änderungswünschen versehen, die man sowieso einmal an dem schon vorhandenen Onlineauftritt loswerden wollte.
  • Wenn dann alles zu Termin fertig ist (oder wegen der noch eben eingetroffenen 234 Änderungen auch danach), dann dauert es plötzlich 1 bis 2 Monate, bis jemand sich bemüht, das fertige Angebot zu nutzen oder mal eines Blickes zu würdigen.

Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Arbeit.

Designerregelmäßigkeiten

The unspoken rules of graphic design., hier ein paar Favoriten:

4. Promises made by the sales staff have no basis in reality.
15. If three designs are shown to a client, your least favorite will be chosen or any combination of worst components of each.
18. Clients don’t have their company logo in a usable print ready format so don’t bother asking.

Alles wahr und nachgewiesen. Made my day.

Year of Javascript

Fabian wird es vielleicht als zynisch empfinden, aber die Vorhersage, 2005 würde the year of javascript (nicht von mir, aber gerne täglich zitiert) scheint immer mehr zur Wahrheit zu geraten. Eindeutig mitschuldig: dieses kleine nette Mozilla-Plugin Greasemonkey, dass Ausführung von Userscripts auf fremden Webseiten ermöglicht. Neuester grosser Wurf: Lickr, Scripts, die FLICKR ohne Flash ermöglicht (und so u.a. verschnellert). Die ganze Story dazu bei Simon Willison.

Where no man has gone before

Die Arbeiten an einem großen Projekt neigen sich dem Ende (das ist natürlich gleich wieder Blödsinn, das geht niemals zu Ende…), naja, jedenfalls steht der Milestone „Testing“ kurz bevor und man kann sich langsam umdrehen und über die Schulter sehen. Unglaublich, wie etwas so wachsen kann. Wenn man an einem IT-Projekt längere Zeit beteiligt ist, merkt man einfach nicht, wie aus der ersten Zeile Code tausende geworden sind, das gilt für das Programming ebenso wie für Templates und HTML-Seiten. Wenn man dann eines Tages darangeht und das Projekt überarbeitet, dann wird man erst Gewahr, mit welchem Monster man sich da angelegt hat, welche Geister man gerufen hat.

Es kostet Kraft, das „never change a running system“ zu überwinden, aber ich glaube es lohnt sich. Ich schätze morgen werden Fabian und ich uns stundenlang auf die Schulter klopfen. Dann nochmal Bugs ausbügeln und dann… dann wäre vielleicht der richtige Zeitpunkt für den Perlwein aus diesem besonderen französischem Landstrich… ach nein, den hab ich ja schon Silvester weggesoffen. Vielleicht lässt Thorsten ja ein Ditthmarscher springen.

Ach ja: Herr P aus L, jetzt T… ihnen mögen die Finger abschimmeln sollten sie noch ein einziges Mal <?php in ihr Keyboard hacken! Groß-Borstel-Verbot bis zum Lebensende, so!