Gestaltete Nachrichten

2009 habe ich meinen ersten designten Blogartikel gepostet, und bis 2011 sind es insgesamt 21 gestaltete Texte geworden. Auch wenn das damals nicht nur so eine Mode war, in dieser Zeit gab es eine Menge Blogs die, teilweise ausschließlich, Webdesign als feature betrieben, ist der Funke doch nicht wirklich übergesprungen auf die großen Webseiten, speziell die Nachrichtenseiten. Und so gaben die meisten Blogger, wie ich, ihre Bemühungen wieder auf.

Artikel über Tarantinos Werk auf codecandies.de.
Artikel über Tarantinos Werk auf codecandies.de (2010).

Beinahe 100 Internetjahre später grub die New York Times das totgeglaubte Pferd wieder aus und präsentierten mit Snowfall den ersten international beachteten gestalteten Artikel auf einer Newswebsite. Was den Stein ins Rollen gebracht hat und viele Nachahmer gefunden hat. Ich mag das persönlich eigentlich gar nicht, wenn alle machen, was ein Platzhirsch gerade vormacht, aber bei den gestalteten Artikeln ist das eine Ausnahme, denn solange hier nur das Konzept kopiert wird, das ja die uniquness der Arbeit selbst vorschreibt, kann nicht viel schiefgehen. Und so haben wir schon viele aufregende gestaltete Artikel gesehen, bspw. Firestorm vom Guardian. Die großen Nachrichtenseiten haben drei Dinge, die wir Blogger von damals nicht hatten: den Content, die Kompetenz und das Publikum.

Firestorm erzählt die Geschichte einer Familie während eines Buschfeuers auf Tasmanien.
Firestorm erzählt die Geschichte einer Familie während eines Buschfeuers auf Tasmanien.

Natürlich hatte jeder Blogger seinerzeit den Content zu seinem gestalteten Artikel. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn sich eine Redaktion oder zumindest ein Team daraus auf ein gemeinsames Thema konzentriert und mit einem Rudel von Übersetzern, Korrektoren und anderen Sprachakrobaten an einer Sache arbeitet. Das ist natürlich ganz altes journalistisches Handwerk, was durch die gestalteten Artikel da herausgefordert wird. Das Ergebnis ist beeindruckend. Und dann kann eine Nachrichtenwebsite eben auch ein Team an Entwicklern und Gestaltern aufbieten, das mit den Redakteuren zusammen eine gemeinsame Arbeit liefern.

Das ist eine ganz neue Erfahrung, denn ich weiss aus Erfahrung, dass Entwickler und Redaktuere oft an gegensätzlichen Seiten der Geißel Content Management arbeiten, die einen stricken das Korsett, in die die anderen ihre Artikel zwängen müssen, angetrieben vom Zeitdruck der Nachrichtenlage und dem Zwang soviel Content wie möglich zu produzieren. Chris schrob dazu:

Objektiv betrachtet, arbeitet es gegen den Trend der immer kleiner werdenden Artikelhäppchen, die nur noch irgendwo im Social Media Nirvana verschwinden. Vielleicht ist es genau der Gegentrend der funktioniert. Die erzwungene Entschleunigung beim Web Konsum, auch weil praktisch alle bei diesem Artikelformat ihren gesamten Ballast entfernen, auch etwas, was nicht nur ich seit Jahren predige.

Eben, ich auch.

Fehlt noch das Publikum. Und das ist, soviel kann ich aus Zugriffszahlen, Twitterreaktionen und Emails ablesen, begeistert von der neuen Art der Artikeldarstellung. Und es fordert mehr. Und immer wieder wird betont: dafür würde man auch bezahlen. Da muss dann aber kräftig etwas zusammenkommen, wenn man mal Größe des Teams und Bearbeitungszeit für einen Artikel ins Auge fasst. Mal sehen, in welche Richtung das geht. Für die Redaktion von ZEIT ONLINE ist es offenbar ein Blick in die Zukunft.

100 Jahre Tour de France von ZEIT ONLINE.
100 Jahre Tour de France von ZEIT ONLINE.

100 Jahre Tour de France ist ZEIT ONLINEs erster gestalteter Artikel. Ich habe an diesem Projekt als Entwickler mitgearbeitet.

Artikel- und Hintergrundbild: Some rights reserved by marc kjerland

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Hafencity
Es ist Brückenwoche sozusagen. Wer keinen Urlaub hat, oder bei der Re:publica ist, der ist blöd. Wie ich. Also ich habe jedenfalls ein wenig Arbeit zwischen die Brückentag gesetzt. Zur Ablenkung (und für alle Berlin-Besucher) das hier: Soweit die Füße tragen. So schön kann Hamburg sein.

Also ich habe Schwierigkeiten im Zug zu arbeiten, vielleicht mal einen Blogartikel schreiben, eine Präse oder ein paar Mails abarbeiten, aber Programmieren klappt regelmäßig nicht. Und tatsächlich: Arbeiten im Zug vernichtet Kreativität.

Im Großraumabteil eines Zuges oder im Flugzeug herrschen ähnliche Bedingungen wie in einem Großraumbüro. "Wenn Sie oberflächliche Arbeiten verrichten, ist das kein Problem. Aber für den Tiefgang braucht man Isolation", sagt Geißler. Man kann im Zug ebenso wenig ein Buch schreiben wie im Café. Denn jeder Mensch braucht bis zu 15 Minuten Anlauf nach jeder Unterbrechung, um wieder da weiterzumachen, wo er aufgehört hat.

Aber Arbeit findet ja bekanntlich nicht auf der Arbeit statt. Im Zug jedenfalls schon gar nicht.


Und wieder Martin Weigert, der das Glück hatte, app.net-Gründer Dalton Caldwell zu treffen:

Und genau das ist es, was sich die App.net-Macher nehmen wollen: Zeit. Im Augenblick sind die Kalifornier dabei, eine kleinere Finanzierungsrunde abzuschließen, um ohne unnötigen Druck die Weiterentwicklung und die Förderung der Entwicklercommunity voranbringen zu können. Caldwell unterstrich die Bedeutung von Programmierern, von denen einige erschienen waren, und merkte an, dass sich so auch die eigenen Personalkosten im Zaum halten lassen. App.net müsse nicht am laufenden Band neue Leute einstellen, sondern fokussiere sich darauf, die Infrastruktur anzubieten, auf der Entwickler ihre Anwendungen aufbauen.

Artikelbild: Some rights reserved by m.prinke

I am my personal brand now

about-nico-960x485Am Ende landet man doch genau da, wo man nie hinwollte. Und fragt sich: „Warum eigentlich nicht?“ Es ist jedenfalls beschlossene Sache, a) ich blogge wieder und b) das ganze findet ab jetzt unter meinem Namen statt. Ende der Diskussion.

Aber mal ehrlich, ist SEOmäßig natürlich eine fürchterliche Angewohnheit, immer mal wieder die Domain zu wechseln. Die ganze schöne Linkpower und Googleplatzierungen. Aber egal, keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran. Und das dann eine ganze Ecke persönlicher. Als codecandies habe ich viel zu oft hinter die Technikpostings zurückgezogen, viel zu unpersönlich, wie ich in meiner Blogpause feststellen musste. Ich will wieder viel mehr Themenbereiche abdecken, nicht nur Berufliches, aber auch, nicht nur Privates, aber auch. Mehr Mischung jedenfalls. Mehr Mut, allenfalls. Und lustig, wenn’s geht.

Hinzu kommt aber natürlich noch ein anderer Hintergedanke: die URL-Struktur deutet es ja auch schon an: hier wird es noch mehr als nur ein Blog geben. Ausdrücklich vorgesehen ist zum Beispiel, meine Arbeit in Form eines Portfolios ein wenig zu präsentieren. Da arbeite ich noch etwas im Hintergrund dran, sollte aber auch zeitnah losgehen. Und mehr…

Das alles soll dann auch als Hub dienen, ein Ort mit meinem Namen dran, an dem Artikel, Vita, Links zu weiteren Aktivitäten und Kontaktmöglichkeiten zusammengefasst sind. Ich als personal brand sozusagen. Kann nicht Schaden, gehe ich von aus.

So und nun los.