Verlinkt XVII

Richtig

Fantastischer Aha-Artikel für alle Programmierer, Entwickler und Manager in deren Umfeld: The one cost engineers and product managers don’t consider:

Among the most dangerously unconsidered costs is what I’ve been calling complexity cost. Complexity cost is the debt you accrue by complicating features or technology in order to solve problems. An application that does twenty things is more difficult to refactor than an application that does one thing, so changes to its code will take longer. Sometimes complexity is a necessary cost, but only organizations that fully internalize the concept can hope to prevent runaway spending in this area.

Und, haben Sie schon gehört: nächstes Jahr wird sich das mobile Internet endlich durchsetzten. Wer dachte, dass das schon paaiert wäre, muss sich täuschen, denn obwohl die Nutzer da sind, fehlen noch diverse andere Parteien: With more consumers embracing mobile web, why aren’t brands? Ganz klare Antwort: wird sich eh‘ nicht durchsetzen, dieses Internet.

Das kleine Programmierprojekt fürs Wochenende: Building an iOS weather app with Angular and ClojureScript. /via @ralf

Falsch

NSA Headquarter in Forte Meade, Maryland:
NSA Headquarter in Forte Meade, Maryland. Foto: Some rights reserved by gvgoebel

Und heute lernen wir in Sachen Abhören und Überwachen: das ganze hat eine lange, wenn auch mithin geheime, Tradition in Deutschland. Abhören im Adenauer-Deutschland und in Neuland:

Über das Verhältnis der jungen Bundesrepublik zu den Siegermächten wurde vieles erst in den letzten Jahren bekannt. So schilderte 2009 Willy Brandts Vertrauter Egon Bahr, dass Brandt 1969 nach Einzug im Bundeskanzleramt unerwarteten Besuch bekam: Der Regierungschef sollte sich den drei Westmächten in einem strengst geheimen Dokument u.a. in der Berlinfrage unterwerfen. Teile des Grundgesetzes waren heimlich zugunsten „unkündbarer Siegerrechte“ von Anfang an außer Kraft gesetzt worden. Bahr erinnert sich noch an die Empörung Brandts, da eine solche Unterwerfung gegen seinen Amtseid verstoße. Als der neue Kanzler hörte, dass seine drei Vorgänger jenen Brief ebenfalls unterschrieben hatten, gab er seinen Widerstand schließlich auf.

Klar das Europa und speziell Deutschland vorderstes Abhörziel für die NSA ist, oder? Deswegen hört man in Deutschland 500 Millionen Verbindungen ab, oder verwanzt die EU-Vertretungen in Washington und Einrichtungen in Brüssel. Was nun auch mal zu Reaktionen führt, erstaunlicherweise.

Ob der BND dabei das technische Nachsehen hat? Titanic sammelt schonmal Datenspenden.

Meinungen zu iOS7

Nachdem ich Freitag endlich Zeit hatte, die iOS7 Beta zu installieren, drücke ich mich seitdem darum, einen Artikel darüber zu schreiben, weil es nichts anderes werden würde, als ein fürchterlicher Rant. Und davon gibt es im Netzt doch nun schon so viele. Stattdessen möchte ich zwei sehr gegensätzliche Artikel zum Thema iOS7 vorstellen, die meiner Meinung nach die Positionen dazu ganz gut aufzeigen. Chris Win (Founder of Sixteen Eighty) will uns zeigen: „Where Apple Went Wrong” und Cap Watkins (Design Lead at Etsy) meint dagegen: „iOS 7. Unpolished By Design.”.

Chris Win hat das neue iOS einigen ausgesprochenen Nicht-Profis gezeigt, da die Diskussion unter seinen Design-Kollegen doch ziemlich zerstritten ist. Chris kommt direkt zum Punkt:

Everyone is entitled to an opinion, but a design can be objectively bad. Despite some important functional design improvements, much of what Apple displayed at WWDC was simply not show-quality.

Da stimmt er mit mir und vielen, vielen, sehr vielen Stimmen im Netz bis hin zu Erik Spiekermann überein. Cap Watkins ist mehr oder weniger auch dieser Meinung, mag es aber nicht aussprechen. Stattdessen vertritt er die Ansicht, dass sozusagen dort wo gehobelt wird, eben Späne fallen:

Today, Apple pressed the big reset button on their entire OS and aesthetic. Sure, the functionality is still, largely, there. But they’ve essentially taken the last six years of tweaking, touching-up, honing, and revising and wiped it all away to begin again. To learn again. To hone from a new, unknown place.

Was ziemlich pathetisch klingt. A land, where no man has gone before. Wofür er allerdings wirbt ist, Apple den anfänglichen Fail zuzugestehen, so wie wir es bei der seit Jahren üblichen Strategie launch quickly, learn quickly, and polish as we go ja auch immer selbst machen. Und man hat ja durchaus genug gemeckert die letzten Jahre, über das veraltete Design mit Lederimitat und den anderen Skeuphormismen. Das dies zur kompletten Entstellung führen darf, zweifelt Chris Win natürlich an:

iOS 7 misses the mark when it comes to user interface design. Take the new Control Center, for example. Does a black icon mean a button in its active state, or is the white icon active? You’ll learn once you start using it, I guess.

The controls also lack negative space. Buttons and widgets are crowded together. Apple has always stated clearly that control groups should allow comfortable target zones, particularly with touch.

Maybe this will change. Maybe Apple knows it’s wrong or unfinished. But then what the hell are they doing showing it?

Was ranten wir dafür immer wieder über Microsoft. Was haben wir uns über die Präsentationen bei Samsung lächerlich gemacht. Immer aus der Warte heraus, Nutzer der bestdesignten Notebooks zu sein, die beste Software zu benutzen, das beste mobile Betriebssystem. Über das wir natürlich trotzdem immer gemeckert haben, weil wir der Ansicht waren, Apple könnte es tatsächlich noch besser machen. Jammern auf sehr hohem Niveau. Cap Watkins dazu:

For the last couple of years we’ve all complained, jeered and teased our phone-maker-of-choice for not totally revising their UI. For using felt. For using leather stitching. They’re falling behind the times, we said. They need to revolutionize their interface.

Kein Grund mit halben Kram zu kommen, meint auch Chris Win:

Apple is following in this area, where once they led. They had purpose in their user interface designs. They set the standard and showed finished products. They inspired designers and copycats. Who will copy that home screen, with its mess of over-saturated, child-like icons? Who can tell me the beautiful, subtle detail of the previous camera lens icon should be replaced with a black blob?

Und trifft, wie ich meine einen wichtigen Punkt. Bei Apple hat sich etwas verändert. Es ist schwer zu ertragen, dass eben die Firma, die in den letzten Jahren den Staffelstab in Sachen mobile Design und Smartphone-UI in der Hand hielt, sich nun eingereiht hat in die Riege derjenigen, die halt auch mal mit etwas halbfertigem an den Markt gehen. Hier antwortet Watkins mit Optimismus:

It will get better. It will be honed. They’ll spend the next six years polishing this interface until we’re complaining that it’s not real-looking enough. Not directly-connected-to-our-brains enough. Not whatever enough. And they’ll revolutionize it again. And we’ll complain.

Sechs Jahre?! So optimistisch ist das vielleicht gar nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass bei derPräsentation des iPhone 1 etwas derartig unfertiges abgeliefert worden wäre, dass man nun die letzten sechs Jahre verfeinert hätte. Da kommen harte Zeiten auf uns zu. Sieht auch Win so:

Everyone seems to agree this was a big moment for Apple. It is a time to reclaim the mantle of innovation and quiet the naysayers who have become skeptical of Tim Cook’s Apple. But if this is the future — following and not leading on software design — we are in for a rough ride. They have until September to finish this draft. I sure hope they do.

Ich habe ja zum Glück noch ein zweites Telefon, ein Nexus 4. Mal sehen wie Android dann in sechs Jahren aussieht.