Jetzt weniger Markdown Streiterei

Aus dem Markdownstreit wird Markdowngate. Fortsetzung von gestern. Siehe Update am Ende des Artikels: der Streit scheint vorbei…

Dave Winer stellt sich in einer Art offenem Brief hinter John Gruber und kritisiert Jeff Atwood sehr deutlich für die Übernahme des Namens »Markdown«. Er vergleicht die Situation dabei mit RSS (0.92), dem von ihm erfundenem XML-Subformat, das mehrfach von anderen (bspw. Netscape) geforkt wurde (unter anderem RSS 1.0) und dem er mit dem Herausbringen von RSS 2.0 (erfolgreich) begegnete.

Die Übernahme des Namens »Markdown« stört ihn besonders, da man als Erfinder dann die Gewalt über seine Idee verliert. Man könne Markdown natürlich weiterentwickeln, aber eben nicht als whatsoever Markdown. Das an sich ist richtig. Und die Lizenzbedingungen, die John Gruber seinerzeit schrieb sind eindeutig:

Neither the name “Markdown” nor the names of its contributors may be used to endorse or promote products derived from this software without specific prior written permission.

Ob sie so gelten ist natürlich ein ungeklärte juristische Frage.

Andererseits kann man für Atwood vortragen, dass John Gruber in den letzten 10 Jahren wenig Interesse daran gezeigt hat, Markdown weiter zu entwickeln. Viel mehr hat er neue Formate unter dem Namen ausdrücklich zugelassen und diese haben sehr zur weiteren Verbreitung beigetragen. Dadurch ist aber eine babylonische Sprachverwirrung entstanden, die auszuräumen den Namen verdient hätte. Aber auch Atwood scheint mir nicht ganz frei von Scheinheiligkeit, denn die Umbenennung von »Standard Markdown« in »Common Markdown« ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Eine Umbenennung in einen ganz anderen Namen hätte sofort geholfen. So wird der Streit noch weiter gehen und wir werden ewig auf das vollständig brauchbare Markdown warten müssen, bzw. uns auf einen Dialekt festlegen müssen.

Wie wärs denn mit NML (No Markup Language)?

Update (10:40h): Das schöne an vor geplanten Artikeln, die Sache entwickelt sich weiter. In diesem Fall erstmal zum Guten, denn nun heißt das Kind CommonMark:

Edit: after a long and thoughtful email from John Gruber – which is greatly appreciated – he indicated that no form of the word „Markdown“ is acceptable to him in this case. We are now using the name CommonMark.

Standard Markdown

Update: Standard Markdown heisst dann jetzt Common Markdown. Unfassbar.

Vor nicht ganz zwei Jahren startete Jeff Atwood, zusammen mit anderen Interessierten, eine Initiative zur Standardisierung von Markdown, schon damals nur mißtrauisch beäugt von Markdown-Erfinder John Gruber. Nun ist es endlich soweit, soeben ist Standard Markdown veröffentlicht worden. Und John Gruber (aka. @markdown) so:

Hmmmpf. Klingt ein wenig eingeschnappt. Tatsächlich gibt es auf Grubers offiziellen Twitteraccount noch ganz andere, unschönere Formulierungen. Gruber ist schlicht gegen eine Standardisierung einerseits und mglw. auch besonders durch Atwood selbst. Der Streit zwischen den beiden reicht wohl schon in das Jahr 2009 zurück, wie bei Gruber üblich in strong language.

Am Ende hat er natürlich völlig Recht. Ich meine, was haben uns Standards jemals gebracht?

Haha! Nein, natürlich nicht, um es mal in Gruberspeak auszudrücken: bullshit. Ich jedenfalls bin davon überzeugt, dass ein Standard Markdown das einzige ist, was Markdown endlich/überhaupt noch zum Durchbruch verhelfen könnte (ich will damit gar nicht sagen, dass das auch wirklich passieren wird). Markdown ist zerfasert in etliche Forks und Dialekte, von denen in den über 10 Jahren seiner Existenz mal der eine oder andere beliebter war, derzeit ist es wohl das github flavoured markdown, das am meisten genutzt wird. Standard Markdown versucht diese vielen Dialekte zusammen zu fassen und dort, wo es Widersprüche gibt, zu entscheiden, welcher Weg der richtige ist.

Man kann gespannt sein, wie es weitergeht, mit Markdown an sich und Standard Markdown im Besonderen. John Gruber wird es wohl nicht aufhalten können, vor allem nicht, wenn die am Standard beteiligten Player es in ihrer Umgebung umsetzen. Einen Versuch, Grubers Arbeit zu hintergehen oder unredlich auszunutzen kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Aber ich bin ja auch nur ein Markdownnutzer und -fan.

Dieser Text wurde in Markdown geschrieben.