Fragebogen

Nico Lumma hatte da ein paar Fragen und nun, da ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, und weil ich gerade wieder auf einen Zug warte und nichts zu tun habe, kann ich ja mal kurz antworten und damit die persönliche Note in dieses Blog bringen, die ich selbst immer so vermisse.

1. Dein erstes Mal im Internet sah wie aus?

Wie soll das ausgesehen haben? Wie immer halt. Vielleicht etwas langsamer, mit so einem 24K-Modem hat man ja nicht gerade Geschwindigkeitrekorde gebrochen. Wir hatten ja nichts damals. Aber für die drei animierten Gifs von Bauarbeitern und ein paar Marquee-Effekte war das wohl auch nicht unbedingt nötig. Eher unbeeindruckend. Wir hatten ja nichts damals. Bloß AOL. Das Internet mussten wir uns praktisch selbst und von Hand ausdenken. Das ist dann letztlich mein Job geworden. Muss doch irgendwie beeindruckend gewesen sein.

2. Was war Dein Aha-Moment im Internet?

Dieses Youtube-Video.

3. Von welchem Gesetzesverstoß im Internet konntest Du am längsten nicht lassen?

Ich kann mich nicht erinneren, jemals gegen Gesetze verstoßen zu haben. Musik habe ich nur auf Vinyl. Filme habe ich nur im Kino und auf DVD geschaut. Breaking Bad habe ich mir bei iTunes gekauft! Das sagt doch alles.

4. Was ist der Vorteil von Politikern, die Social Media nutzen?

Was ist das Bitte für eine Frage? Ich bin kein Socialmediaberater, also muss ich auch niemandem erklären, was die gehirnverschonende Bekömmlichkeit des Frühstyxradio… aber ich schweife ab.

5. Gehst Du lieber zu Barcamps oder zu exklusiven Veranstaltungen mit Profis?

Lieber auf große Konferenzen mit exzellenten Rednern und gutem Publikum. Ob die nun exklusiv sein müssen? Hab mich gerade zur Beyond Tellerrand 2014 angemeldet.

6. Welche Person sollte dringend mit dem Bloggen anfangen und warum?

Ich. Ich sollte wieder mehr bloggen. Aber ich schaff es einfach nicht. Zuviel Arbeit. Schreibblockade. Ich muss schon einen seltsamen Fragebogen ausfüllen, um überhaupt mal den Googlebot auf meine Seiten zu locken.

7. Was sind für Dich die Grenzen der Transparenz?

Früher wussten wir nicht wie Transzaprenz geschrieben wird, heute haben wir keinen.

8. Liest Du berufliche Emails im Urlaub?

Ja. Aber ich antworte selten.

9. Hast Du schon einmal Tweets vorgeschrieben?

Nein.

10. Welches ist Dein absolutes Megasuperlieblingsblog ausser lumma.de?

Ein einzelnes Lieblingsblog habe ich nicht. Ich habe eine Liste Nearby, mit Blogs von (Ex-)Kollegen und solchen, denen ich schon über viele Jahre folge (ich kommentiere selbst kaum, deswegen merkt man das nicht immer). Die lese ich nahezu täglich. Da ist auch lumma.de mitdrin, aber noch so ein Fragebogen… und ich überlege mir das nochmal.

Verlinkt VI

Heute ist 1. Mai, und wer jetzt nicht auf der Mai-Demo ist, liegt wahrscheinlich im Bett, den Rechner auf den Knien und liest das hier. Aber so nicht, meine Herren. Dann schnell eine Geschichtsstunde bei ZEIT ONLINE: Die Bombe und der Revolutionär aus Hessen

Im Chicago des späten 19. Jahrhunderts kämpfte August Spies für Arbeiterrechte. Was kaum einer weiß: Der Ikone der Arbeiterbewegung gedenken wir am 1. Mai.

Wer jetzt zum Demonstrieren noch schnell ein paar Arbeiterlieder braucht, ich empfehle (natürlich) die Internationale, das Einheitsfrontlied und Bella Ciao. Wir gehen allerdings statt zur Demo lieber aufs Maifest.

Am Schluss noch etwas Neugeschichtliches. Aus heutiger Sicht nur bedingt aufregend: die erste Webseite von allen, ever. Gestern vor 20 Jahren online gegangen. Geschichte zum Anklicken.

Funktional kaputt

Die Telekomiker geben bekannt: Schluss ist, und zwar mit lustig. Und mit dem ganzen end- wie sinnlosen Gesurfe. Ab Mai werden nur noch Flatrates verkauft, die keine mehr sind. Stattdessen schlägt die Drossel zu. Dabei bleibt das Telekom eigenen TV-Angebot ‚Entertain‘ natürlich unangetastet, d.h. wird nicht auf das Datenkontingent angerechnet.

Ab dem 2. Mai, das ist nun offiziell, gibt es für Privatkunden bei der Telekom nur noch Verträge mit eingebauter Drossel. In verschiedenen Stufen, abhängig von der gebuchten Bandbreite, darf ein Telekomkunde dann nur noch zwichen 75 bis 400 GB pro Monat Daten bewegen. Danach wird sein Anschluss gedrosselt und zwar auf sagenhafte 384 Kbit/s. Wie hat es Clemens von mobilemacs so schön formuliert: damit ist der Anschluss dann funktional kaputt, aber richtig. Integriertes Datenvolumen soll das heissen.

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Nun ist das keine Sache, die Otto Normalsurfer heute trifft, denn, so schreibt die Telekom in ihrer Presseerklärung: im Schnitt verbraucht ein Kunde heute zwischen 15 und 20 GB Daten im Monat. Damit trifft die Maßnahme heute tatsächlich nur die power user, denn, obwohl man sich das bei der Telekom wohl nicht vorstellen kann, natürlich kann man auch ganz ohne illegale Downloads mehr als 75GB im Monat an Daten zusammenbekommen, beispielsweise mit dem legalen Anschauen von HD-Filmen (ca. 10 pro Monat, dann nur noch).

Aber, auf diese User verzichtet die Telekom heute gerne, eine Investition in die Zukunft sozusagen: wenn in zwei bis vier Jahren auch der normale Nutzer an diese Grenzen gerät, dann kennen schon alle das Verfahren. Falls das Netzt bis dahin nicht weiter ausgebaut wird. Was wohl nicht der Fall sein wird, sonst bräuchte sich der T-Konzern ja nicht darauf vorzubereiten. Und weggehen von der T kann ja eigentlich auch niemand, es ist absehbar, dass alle anderen Provider bei diesem Modell nachziehen werden. Dann lieber draufzahlen, denn es werden natürlich Upgrade-Pakete angeboten werden, ist ja klar.

Fraglich bleibt , ob die Ausnahme von Entertain in diesem Fall eine Verletzung der Netzneutralität ist, wie man vielenorten liest. Vielmehr ist es so, dass Entetain nicht (wie das Internet) über tcp/ip läuft, sondern als multicast strenggenommen nur allenfalls internetähnliche Technologie ist. Die Daten werden sozusagen getrennt von den Internetdaten verteilt. Trotzdem beschert die Sache der T. natürlich einen Marktvorteil, denn Angebote die tatsächlich über das Netz laufen, sind defacto benachteiligt. Es ist damit zu rechnen, dass die T. an diese Anbieter herantritt und Verträge mit ihnen schließt, die in der Auswirkung dem heutigen Spotify-Angebot gleichen, nur: der Anbieter muss dann an die Telekomiker zahlen um von der Anrechnung ausgenommen zu werden. Und das alles lässt sich dann auch noch mit dem knappen Gut Bandbreite erklären, dass ja so knapp ist, weil einfach nicht ausgebaut wird. Hier beisst sich unsere Katze mal wieder in den Schwanz.

Update, heute rollt die Meldung als regelrechte Welle durch Nachrichtendeutschland: Malte Spitz schreibt Klartext auf ZEIT ONLINE, Udo Vetter weist daraufhin, dass mit der Tarifänderung die Vorratsdatenspeicherung ohne Gesetz zurückkäme. Letztendlich hilft wohl aber nur eins: die Telekom enteignen oder stark regulieren.

Artikelbild: Some rights reserved by Telekom Telefonzelle

iSteve

iSteveDer junge Steve Jobs reist durch Asien, auf der Suche nach Erleuchtung, wie er selber zu Protokoll gibt. Seine Reise führt ihn letztendlich auch zu einem Guru. Der Guru fragt, was Steve mache, worauf dieser angibt etwas mit Conputern zu machen. Da er dem Guru nicht erklären kann, was ein Computer überhaupt ist, stellt dieser fest, dass jemand der Computer erklären könne, ein Mann wäre, dem die Welt zuhören würde. Steve fragt, was nun als nächstes käme, vielleicht ein Mantra, oder sowas. Stattdessen bekommt er von seinem Guru drei Blättchen LSD (mit einem Apfel darauf), die er nehmen soll, wenn er in die Zukunft blicken wolle, damit könnte man anders denken („think different”). Steve will sofort ein Blatt in Mund stecken, aber der Guru hält ihn zurück, jetzt sei nicht die Zeit, in die Zukunft zu schauen. Steve versucht direkt ein zweites Mal das Blatt in den Mund zu stecken. Wieder hält ihn der Guru zurück, er solle den Moment genau abwägen, dann werde er in die Zukunft sehen und Einsicht erlangen.

Das ist, etwas frei transkribiert eine Szene aus dem Film iSteve. Es ist der erste full feature film der Comedywebsite Funny Or Die und diese widerum behauptet, dass er der erste biografische Film über Steve Jobs wäre, der erhältlich ist. Der Film ist 1h20min lang und wurde innerhalb weniger Tage, u.a. mit iMovie erstellt. Und um es hier einmal festzuhalten, der Film ist eine totale Katastrophe.

Ich bin lange nicht mehr der Fanboy, dass ich mich durch das paroditische Format, das Funny Or Die gewählt haben, angegriffen fühlen könnte. Reale Ereignisse wie die Erfindung des Apple I in Steve Jobs Garage, die Vorstellung des ersten Macintosh oder die Anstellung von John Sculley als CEO, werden sowohl zeitlich falsch einsortiert, als auch mit erfundenen, absurden Geschichten kombiniert. Ob nun Steve Jobs geheime Liebe für Melinda Gates, oder das John Sculley gar nicht von Pepsi zu Apple kam, sondern von Commodore Computers, um Jobs zu stürzen, oder eben, dass Jobs alle Nase lang auf LSD-Trips unterwegs ist, um seine Erfindungen zu machen u.a. mit Billy Corgan von den Smashing Pumpkins – das alles könnte ja noch lustig sein. Wenn es richtig vorgetragen wird.

And bring me a coffee. Black! Oh, and a turtleneck. Black!

Wird es aber nicht. Ich kann gar nicht sagen woran es scheitert. Vielleicht daran, dass während des ganzen Films exakt nicht ein einziger Witz richtig platziert ist und zündet? Der ganze Film kommt einem vor, als wäre es eine sehr lange Folge einer amerikanischen Feld-Wald-und-Wiesen-Comedy, bei der man die vom Band eingespielten Lacher vergessen hat. Steve Jobs wird übrigens gespielt von Justin Long, den wir alle aus den „I’m a Mac”-Werbespots kennen, oder eben aus Stirb langsam 4. Und Steve Wozniak wird vom meinem Lost-Liebling Jorge Garcia gegeben. Beide stolpern durch die materialarme Story und ausdrücklich jeder Witz geht daneben. Die Diskussion ob nun zuerst die Landung auf dem Mars stattfinden würde oder man erst JetPacks bekäme: nicht lustig. Die Vorstellung des Apple I beim Homebrew Computer Club: langatmig. Der erste Auftritt von Bill Gates: unkomisch. Und so weiter und so fort.

TL;DR: Was für’n Schrott.