Begin Again

Gerade gesehen: Begin again von John Carney, eine romantische Komödie, die in unserem Sprachraum den in jeder Hinsicht fragwürdigen Titel „Can A Song Save Your Life“ angetackert bekommen hat. Die Geschichte hat man schon eine fantastillionen Mal im Kino gesehen: abgewrackter, vom Glück verlassener Typ trifft Frau, die ihn wieder aufrichtet und mit ihm zusammen neues Glück und Erfolg findet. Und New York natürlich. Ja, sowas gibt’s ja überhaupt nur in New York. Und in romantischen Komödien.

Getragen wird dieses höchst mittelmäßige Setting vor allem von Mark Ruffalo, der ein fantastisches Wrack abgibt. Selbst noch zum Ende, als eigentlich alle wieder auf den Pfad des american dream zurückgekehrt sind, wirkt er noch wie ein sorry Eckenpenner. Und Keira Knightley, die sich praktisch durch den Film singt. Und das durchaus gut, obwohl das ganze singer-songwriter-pop mit Cello und Geige Zeug gar nicht mein Ding ist. Maroon-5 Sänger Adam Levine steht da mehr im Weg, als mitzukommen und dieser völlig unechte Hipsterbart, herrjeh! Jedenfalls geht es um Musik.

Eine Szene hat mich dabei wirklich mitgerissen: der völlig heruntergekommene und sturzbetrunkene Musikproduzent hört also in einer Bar die talentierte Freizeitsängerin, man sieht die Szene schon zum zweiten oder dritten Mal, diesmal aus seiner Sicht und man kann sehen, was er in dem eher schüchtern und lustlos vorgetragenen Söngchen hört, nämlich eine Chartstürmersuperhitproduktion. Unsichtbare Musiker fallen in den Song mit ein und er baut sich (immer im Rahmen seiner Möglichkeiten, ich höre da nur miesen Popshit) zu unglaublicher Größe auf. T

iSteve

iSteveDer junge Steve Jobs reist durch Asien, auf der Suche nach Erleuchtung, wie er selber zu Protokoll gibt. Seine Reise führt ihn letztendlich auch zu einem Guru. Der Guru fragt, was Steve mache, worauf dieser angibt etwas mit Conputern zu machen. Da er dem Guru nicht erklären kann, was ein Computer überhaupt ist, stellt dieser fest, dass jemand der Computer erklären könne, ein Mann wäre, dem die Welt zuhören würde. Steve fragt, was nun als nächstes käme, vielleicht ein Mantra, oder sowas. Stattdessen bekommt er von seinem Guru drei Blättchen LSD (mit einem Apfel darauf), die er nehmen soll, wenn er in die Zukunft blicken wolle, damit könnte man anders denken („think different”). Steve will sofort ein Blatt in Mund stecken, aber der Guru hält ihn zurück, jetzt sei nicht die Zeit, in die Zukunft zu schauen. Steve versucht direkt ein zweites Mal das Blatt in den Mund zu stecken. Wieder hält ihn der Guru zurück, er solle den Moment genau abwägen, dann werde er in die Zukunft sehen und Einsicht erlangen.

Das ist, etwas frei transkribiert eine Szene aus dem Film iSteve. Es ist der erste full feature film der Comedywebsite Funny Or Die und diese widerum behauptet, dass er der erste biografische Film über Steve Jobs wäre, der erhältlich ist. Der Film ist 1h20min lang und wurde innerhalb weniger Tage, u.a. mit iMovie erstellt. Und um es hier einmal festzuhalten, der Film ist eine totale Katastrophe.

Ich bin lange nicht mehr der Fanboy, dass ich mich durch das paroditische Format, das Funny Or Die gewählt haben, angegriffen fühlen könnte. Reale Ereignisse wie die Erfindung des Apple I in Steve Jobs Garage, die Vorstellung des ersten Macintosh oder die Anstellung von John Sculley als CEO, werden sowohl zeitlich falsch einsortiert, als auch mit erfundenen, absurden Geschichten kombiniert. Ob nun Steve Jobs geheime Liebe für Melinda Gates, oder das John Sculley gar nicht von Pepsi zu Apple kam, sondern von Commodore Computers, um Jobs zu stürzen, oder eben, dass Jobs alle Nase lang auf LSD-Trips unterwegs ist, um seine Erfindungen zu machen u.a. mit Billy Corgan von den Smashing Pumpkins – das alles könnte ja noch lustig sein. Wenn es richtig vorgetragen wird.

And bring me a coffee. Black! Oh, and a turtleneck. Black!

Wird es aber nicht. Ich kann gar nicht sagen woran es scheitert. Vielleicht daran, dass während des ganzen Films exakt nicht ein einziger Witz richtig platziert ist und zündet? Der ganze Film kommt einem vor, als wäre es eine sehr lange Folge einer amerikanischen Feld-Wald-und-Wiesen-Comedy, bei der man die vom Band eingespielten Lacher vergessen hat. Steve Jobs wird übrigens gespielt von Justin Long, den wir alle aus den „I’m a Mac”-Werbespots kennen, oder eben aus Stirb langsam 4. Und Steve Wozniak wird vom meinem Lost-Liebling Jorge Garcia gegeben. Beide stolpern durch die materialarme Story und ausdrücklich jeder Witz geht daneben. Die Diskussion ob nun zuerst die Landung auf dem Mars stattfinden würde oder man erst JetPacks bekäme: nicht lustig. Die Vorstellung des Apple I beim Homebrew Computer Club: langatmig. Der erste Auftritt von Bill Gates: unkomisch. Und so weiter und so fort.

TL;DR: Was für’n Schrott.