Fragebogen

Nico Lumma hatte da ein paar Fragen und nun, da ich aus dem Urlaub wieder zurück bin, und weil ich gerade wieder auf einen Zug warte und nichts zu tun habe, kann ich ja mal kurz antworten und damit die persönliche Note in dieses Blog bringen, die ich selbst immer so vermisse.

1. Dein erstes Mal im Internet sah wie aus?

Wie soll das ausgesehen haben? Wie immer halt. Vielleicht etwas langsamer, mit so einem 24K-Modem hat man ja nicht gerade Geschwindigkeitrekorde gebrochen. Wir hatten ja nichts damals. Aber für die drei animierten Gifs von Bauarbeitern und ein paar Marquee-Effekte war das wohl auch nicht unbedingt nötig. Eher unbeeindruckend. Wir hatten ja nichts damals. Bloß AOL. Das Internet mussten wir uns praktisch selbst und von Hand ausdenken. Das ist dann letztlich mein Job geworden. Muss doch irgendwie beeindruckend gewesen sein.

2. Was war Dein Aha-Moment im Internet?

Dieses Youtube-Video.

3. Von welchem Gesetzesverstoß im Internet konntest Du am längsten nicht lassen?

Ich kann mich nicht erinneren, jemals gegen Gesetze verstoßen zu haben. Musik habe ich nur auf Vinyl. Filme habe ich nur im Kino und auf DVD geschaut. Breaking Bad habe ich mir bei iTunes gekauft! Das sagt doch alles.

4. Was ist der Vorteil von Politikern, die Social Media nutzen?

Was ist das Bitte für eine Frage? Ich bin kein Socialmediaberater, also muss ich auch niemandem erklären, was die gehirnverschonende Bekömmlichkeit des Frühstyxradio… aber ich schweife ab.

5. Gehst Du lieber zu Barcamps oder zu exklusiven Veranstaltungen mit Profis?

Lieber auf große Konferenzen mit exzellenten Rednern und gutem Publikum. Ob die nun exklusiv sein müssen? Hab mich gerade zur Beyond Tellerrand 2014 angemeldet.

6. Welche Person sollte dringend mit dem Bloggen anfangen und warum?

Ich. Ich sollte wieder mehr bloggen. Aber ich schaff es einfach nicht. Zuviel Arbeit. Schreibblockade. Ich muss schon einen seltsamen Fragebogen ausfüllen, um überhaupt mal den Googlebot auf meine Seiten zu locken.

7. Was sind für Dich die Grenzen der Transparenz?

Früher wussten wir nicht wie Transzaprenz geschrieben wird, heute haben wir keinen.

8. Liest Du berufliche Emails im Urlaub?

Ja. Aber ich antworte selten.

9. Hast Du schon einmal Tweets vorgeschrieben?

Nein.

10. Welches ist Dein absolutes Megasuperlieblingsblog ausser lumma.de?

Ein einzelnes Lieblingsblog habe ich nicht. Ich habe eine Liste Nearby, mit Blogs von (Ex-)Kollegen und solchen, denen ich schon über viele Jahre folge (ich kommentiere selbst kaum, deswegen merkt man das nicht immer). Die lese ich nahezu täglich. Da ist auch lumma.de mitdrin, aber noch so ein Fragebogen… und ich überlege mir das nochmal.

Copycat

Zuckerberg

Ich bin ja immer noch der Überzeugung, dass sich Facebook sowas von auf dem absteigenden Ast befindet. Nachdem es jahrelang nur bergauf ging, jedenfalls wenn man dem Pressejubel und den Mitgliederzahlen glauben darf, ist nun irgendwie Stagnation eingetreten. Zunächst verlief der Versuch im Sande, mit Facebook Home den androiden Startbildschirm zu übernehmen, gleichzeitig floppte das Facebook Phone, ein HTC mit vorinstalliertem Home. Zuletzt dann Gerüchte, dass Samsung eine Neuauflage eben jenes Home Phone dankend abgelehnt habe. Zumindest dieser Bereich läuft nicht so richtig rund im Hause Zuckerberg.

Trotzdem kann man natürlich nicht aufhören, weitere Versuche zu starten, im mobilen Web Fuß zu fassen, etwas was Facebook seit Jahren nicht gelingen will. Schob man die Schuld zunächst auf HTML5, als Grund, warum die Facebook Apps nicht richtig durchstarteten, kann man doch nun langsam abschätzen, dass es doch schlechte Managemententscheidungen sein könnten, die Schuld sind. Da ist der nächste Schritt nur logisch: andere, erfolgreiche Produkte und Projekte kopieren.

Mit dem üblichen Tamtam präsentierte man am Donnerstag: Video für Instagram. Yeah! Jubel! Beifall! Moment mal, gibt es das nicht schon irgendwo? Stimmt, Twitter ist mit seinem Vine erstaunlich erfolgreich gewesen. Einziger Unterschied: bei Instagram kann man 15 Sekunden Video veröffentlichen, und Filter gibt es auch: ist ja Instagram. Fernab der Frage, ob die Welt nun 15 oder sechs Sekunden Kurzvideos braucht oder nicht, oder ob diese auch noch vorher durch einen Filter laufen sollten oder nicht, Instagram Video ist eine blosse Kopie von Vine. Man kann das natürlich als mutig empfinden, sich in eine Nische drängen zu wollen, die schon von einem anderen Dienst bewohnt wird, möglicherweise ist es aber auch nur dumm. Denn natürlich ist Facebook im Copycatgeschäft nicht neu: Poke, Facebooks Version von Snapchat war allerdings ebenfals kein Erfolg.

Dem aber nicht genug, wie es aussieht, steht schon der nächste Coup bevor: wie The Verge via WSJ berichtet, will Facebook als nächstes im mobilen Segment mit einem Reader auftrumpfen, der sich an Flipboard orientiert, die nächste Kopie steht also schon in den Startlöchern. Eher zufällig landet Facebook damit in einem relativ frischen Markt, da ja Google seinen monopolistischen Reader gerade platt macht. Facebooks Entwickler sind aber wohl schon länger dabei ein Flipboard-Copycat zu schreiben, als Googles Ausstieg aus der RSS-Welt bekannt ist. Ist das nun mutig? Flipboard hat eine Userbasis von 50 Millionen, also muss an dem Konzept ja irgendetwas dran sein… allerdings lauert im RSS-Segment auch schwergewichtige Konkurrent, wie bspw. digg oder gleich AOL, die ebenfalls kürzlich einen RSS-Reader ankündigten.

Es ist offensichtlich: Facebook drängt weiter in den mobilen Markt. Und zwar mit Kopien anderer Leute Ideen. Kann man natürlich machen, innovativ ist das jedoch nicht. Kein Stück. Und mutig nur aus finanzieller Sicht. Wäre schön, wenn diese Copycats genauso floppen, wie Facebook Home. Dann allerdings ziehen wirklich dunkle Wolken auf, über der größten freiwilligen Datensammlung, auf die die NSA derzeit zugreifen kann. Andererseits, vielleicht ist das Mark Zuckerberg auch alles egal, genug Geld zum Draufwerfen scheint ja da zu sein…

Artikelbild: Some rights reserved by deneyterrio

Twitter und die Sicherheit

Nach den inzwischen zur Regel gewordenen Hackerangriffen auf exponierte Twitter-Nutzer, reagiert Twitter nun endlich mit der Einführung einer two factor authentication, dass heisst, wer das Feature aktiviert braucht zwei Dinge um sich bei Twitter einzuloggen: seine Passwort und einen per SMS zugesandten Code. Damit werden die Angriffe, dort wo das Verfahren genutzt wird, nun deutlich erschwert.

Twitter nutzt Einzellösung

Aber Twitter wäre ja nicht Twitter, wenn man das Verfahren nicht so gestaltet hätte, dass es nicht so abläuft, wie man schon bei Vorreitern der Materie erfolgreich erprobt hat. Zunächst mal bekommt man den zusätzlichen Logincode von Twitter nur per SMS. Bei app.net, Google, Facebook und sogar Microsoft, die sich alle nach der RFC 6238 richten, kann man auch ein komfortables Programm auf dem Smartphone nutzen, um sich die Logincodes generieren zu lassen. Hinzu kommt außerdem, dass man die SMS bei jedem Loginvorgang bekommt, sich also keine Geräte als vertrauensvoll gemerkt werden. Auch das läuft bei anderen besser, Twitter sorgt somit dafür, dass das Verfahren störend und unkomfortabel ist, die Nutzerakzeptanz also eher niedrig bleiben wird.

Einigermaßen unkomfortabel

Für Redaktionen und andere Accounts, die gemeinsam auf einen Twitteraccount zugreifen wird es noch lästiger: ein Account ist mit einem Telefon verbandelt, in Zukunft muss also ein gemeinsames Telefon zwischen den Nutzern hin- und hergereicht werden, weil man nach Murphys Law natürlich immer genau dann ausgeloggt ist, wenn man gerade etwas ganz wichtiges auf dem Kurznachrichtendienst zu verkünden hat. Das passt natürlich zu Twitters bisherigem Vorgehen in Sachen Sicherheit, in einer Mail hatte man vorgeschlagen, in einer Redaktion einen dezidierten Rechner für den Zugang zum Twitteraccount einzurichten. Da kann man das dezidierte Telefon nun gleich daneben positionieren. Nicht sonderlich praktikabel, aber was tut man nicht alles für die Sicherheit. Oder nicht?

Auftritt Kimble

Auf den Moment, dass Twitter seine two factor authentication aktivert scheint Kim Dotcom aka. Kimble in Neuseeland nur gewartet zu haben. Publikumswirksam tritt er seit kurzem mit der Behauptung auf, ein Patent für das Loginverfahren zu beseitzen, das von Google, Facebook und Twitter verletzt würde. Nach eigener Aussage möchte er sich aber mit den Firmen einigen und von den Lizenzgebühren seinen Prozess finanzieren. Dafür benötige er 50 Millionen Dollar. Ob hier nun der Wunsch Vater des Gedankens ist, oder ob Kimble wirklich ein entsprechendes Patent besitzt ist derzeit unklar. Aber wie auch immer, insgesamt kein guter Start für Twitter und die Sicherheit.

Yahoo kauft tumblr

1,1 Milliarde Dollar wird Yahoo für Tumblr bezahlen. Da ist er also endlich, der Tumblr-Hype.

Schrob Ben Birkenhake in sein Blog. Und tatsächlich, für tumblr hat sich bisher medienmäßig zumindest in Deutschland so recht niemand interessiert. Nun gut, ZEIT ONLINE betreibt ein tumblelog, aber wie immer bestätigt die Ausnahme die Regel. Das ändert sich natürlich bei einem 1,1 Milliarden Cash-Deal schlagartig. Tumblr rückt auf in den Kreis der Großen und damit in das Blickfeld der Copyrightanwählte und Abmahner. Na toll.

In Wahrheit ist auf tumblr wohl mehr los, als auf Facebook, wie Ben feststellt, dass Nico Lumma das herausgefunden hat:

Tumblr hat 125 Millionen Nutzer, machte in 2012 13 Millionen Dollar Umsatz und hatte eine Burnrate von 25 Millionen Dollar, die dieses Jahr auf 40 Millionen Dollar ansteigen soll, bei geplanten 100 Millionen Dollar Umsatz. Tumblr gibt es seit 2007 und bislang wurden 125 Millionen Dollar an Venture Capital eingesammelt.

Tumblr ist aktuell bei Jugendlichen und jungen Erwachsen weitaus angesagter als Facebook und daraus resultiert die Phantasie hinter dem Kaufpreis von über einer Milliarde Dollar.

Yahoo braucht Inventar

Und Nico (also Lumma) beantwortet auch die Frage nach dem Sinn des Deals. Denn tumblr bringt… Reichweite! Reichweite, zum… richtig… Werbung machen. Im 21. Jahrhundert werden also immer noch Milliarden an die Wand gedrückt, um Inventar zu beschaffen. Da muss mehr dahinter stecken, möglicherweise gleich eine komplett neue Werbeform?

Denn Yahoo CEO Mayer hofft auf das Potenzial von sogenannten “Native Ads”. Unter diesen Oberbegriff fallen Werbeformen, die sich in Layout, Struktur und Ausgestaltung am originären Inhalt eines Onlineangebots orientieren, anstatt als der störende Fremdkörper aufzutauchen, den herkömmliche Displaywerbung aus Sicht der meisten Anwender darstellt.

Das gibt tumblr übrigens eine gute Überlebenschance, ist Yahoo doch bisher mit seinen Anschaffungen nicht gerade zimperlich umgegangen. Für tumblr hat man jedoch Mäßigung versprochen.

David Karp: jung wie Zuckerberg, visionär wie Jobs?

davekarpUnd David Karp, der Erfinder von tumblr? Marco Arment setzt ihm vorzeitig ein Denkmal, als dem neuen Steve Jobs und bescheinigt ihm, dass er dermaßen hinter dem Produkt stünde, dass der Deal keine negativen Auswirkungen haben werde.

This is clearly what David believes is best for his product. On such big decisions, he hasn’t been wrong yet. This time, though, I don’t have any doubts.
Acquisitions on this scale usually work well — YouTube, for example, has gotten much better, faster, more stable, and more sustainable since Google bought it.

Freuen wir uns also mit allen tumblr Nutzern, die in Zukunft dann vom unerträglichen Yahoo-Single-Sign-On begrüßt werden. Einigen scheint das keine gute Aussicht, Matt Mullenweg dementiert allerdings, dass es einen Exodus gäbe.

Artikelbild: Some rights reserved by edans

Facebook Home Flop

Facebook Home Flop: Like this 1

Das mit großem Hallo begrüßte Facebook Home ist ein Riesenflop. Es ist noch gar nicht solange her, da hat Marc Zuckerberg unter großem Getöse verkündet, dass man nun mit dem Thema HTML5-Webapp abgeschlossen habe und nur noch Apps bauen wolle, da HTML einfach das falsche Werkzeug sei. Nun stellt sich heraus, auch mit nativen Apps landet Facebook keinen Erfolg.

Wie The Salon verkündet ist es sogar noch schlimmer:

The reviews are in: Facebook Home, Mark Zuckerberg’s grandiose stab at totally controlling our mobile experience, is an unmitigated disaster.

Dabei ist das Problem ja nicht mal nur, dass die Leute die App nicht wollen (Platz 338) oder eben scheisse finden (die Hälfte der 15.000 Reviews haben nur einen Stern), sondern eben auch, dass das HTC First, das Smartphone, auf dem Facebook Home preinstalled mitkommt, wie Blei in den Regalen liegt. AT&T hat den Preis gerade von 99$ auf 99¢ gesenkt. Was für ein Erfolg, das Facebook Phone, das keins ist, wird verschenkt.

In diesem Zusammenhang muss ich mich einfach einmal selbst zitieren:

Man mag sich nun fragen, warum Facebook nicht wirklich ein Telefon herausgebracht hat, sondern diese, denkbar kleinste Lösung präferierte. Laut eigener Aussage, würden in den USA Nutzer von Smartphones 25% der Telfonnutzungszeit in den Facebook-Apps verbringen. Was sich nach einer gigantischen Zahl anhört. Aber, und das haben die Facebookmarktforscher wohl richtig analysiert, das ist noch lange kein Grund, ein dediziertes Facebooktelefon zu kaufen. Das Risiko eines Flops ist wohl einfach zu groß.

Insofern ist Zuckerbergs Rechnung am Ende aufgegangen: denn ein echtes Facebookphone wäre natürlich ein Supermegaflop mit hohen Verlusten gewesen, die so wenigstens teilweise vermieden wurden, da nun schon da kleine Modell floppte.

Eins wissen wir nun aber, auch die Generation Facebook will noch andere Dinge vom mobilen Netz, als nur Facebook. Was ja zunächst mal ein wenig beruhigend ist.

Artikelbild: Some rights reserved by Ksayer.

Getestet: Beck’s Chili Mango

Beck's Chili Mango
Beck’s Chili Mango. Ganz im Ernst.

Seitdem wir uns nicht mehr um den Quatsch mit dem Reinheitsgebot kümmern, kommen ja praktisch täglich neue Biersorten auf den Markt. Eine verrückter als die andere mag man sagen, bis man sein erstes Oktoberfestbier getrunken hat, das rückt die Sache dann wieder ins rechte Licht.

Aus meiner Heimatstadt Bremen kommt derzeit zwar kein guter Fußball, aber immer noch das beste Bier, dass man weltweit trinken kann, namentlich Beck’s. Ich weiss, das ist weit aus dem Fenster gelehnt, ähnlich dem Windows-Apple-Linux-Konflikt ist Bier ja immer ein gern genommener Streitpunkt, aber ich bin im Herzen Bremer und da es dort auch keine süddeutschen Einwanderer gibt, die Tannenzäpfle einschleppen… aber ich schweife ab. Von Beck’s jedenfalls kommt der Gipfel der Biersorten zum Naserümpfen: Beck’s Chili Mango. Das Tröpfchen ist überraschend lecker, wenn man davon absieht, dass es einfach kein Stück nach Bier schmeckt. Wer also Faßbrause mag, sollte hier zuschlagen.

Trotzdem. Ein Bier mit Chili-Mango-Geschmack (keine natürlichen Geschmacksstoffe wurden bei der Herstellung genutzt) ist natürlich schon etwas seltsam und man muss sich fragen: wie kommen die auf so etwas. Und die Antwort lautet natürlich: Socialmedia. Denn:

2012 konntest du innerhalb der BECK’S Community deinen eigenen Biermix kreieren. Chili Mango wurde aus überwältigenden 2.400 Ideen von Facebook-Fans gewählt, probiert und für einzigartig erklärt.

Entweder, da ist mal eine Socialmedia-Aktion ein Erfolg gewesen, oder die Community wollte die Schlipse bei Beck’s mal richtig verarschen und die haben’s dann aber nicht gemerkt. Kann man sehen wie man will. Ich mach mir jetzt noch eins auf. Mann, das perlt aber auch wieder…

(Disclaimer: ich bin in Bremen in Sichtweite der Haake-Beck-Fabrik geboren, könnte also parteiisch sein.)

Twitterhacks

Nachdem vorige Woche die sog. *[Syrian Electronic Army (SEA)][3]* mit einem gehackten Twitteraccount der Nachrichtenagentur AP für Unruhe bis auf die Wallstreet sorgte, [hat es nun den Guardian getroffen][1]. Nach einer weiteren Phishing-Attacke, fielen der SEA gleich 11 Twitteraccounts in die Hände, von denen sie dann [wieder gefälschte Tweets absetzten][4] (diesmal allerdings nicht so dramatisch wie im Falle von AP).

Während man bei Twitter also immer noch dabei ist, die ganz offensichtlich dringend benötigte *[two-factor authentication][2]* zu basteln, es aber ebenso offensichtlich einfach nicht hinbekommt, fallen die nächsten Accounts in die Hände der SEA. Und das, wo inzwischen klar ist, dass ein einziger gutplatzierter, aber falscher Tweet, die Börsen in Aufregung versetzen kann. Offenbar ist man sich im Hause Twitter seiner Verantwortung noch nicht ganz bewusst, aber es ist ja auch noch nicht der Account von Justin Bieber gehackt worden. Dann würde man wahrscheinlich eher reagieren.

Zu einem gehackten Twitteraccount gehören aber natürlich auch immer zwei Dumme, neben dem Anbieter, der sich nicht um Sicherheit schert, natürlich auch derjenige, der sich sein Passwort entlocken lässt. In beiden Fällen (Guardian und AP) wird in den Medien gerne über [cleverly-disguised phishing emails][1] berichtet.

Sicher ist aber schonmal eines: alle Zukunftsromane über den Cyberwar und seine Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft **sind alle wahr**.

**Update:** Offenbar hat man bei Twitter auch [inzwischen zumindest ratgebenderweise reagiert][5]:

> According to Twitter, the hacking incidents seem to be the result of phishing attacks targeted at corporate email accounts. Twitter suggests that companies employ a pretty standard set of password security practices in response: changing current passwords, using new ones that are at least 20 characters long and are made up of either randomly-generated characters or random words, and to never email said passwords, even internally (programs like 1Password are mentioned as good solutions to ensure password security).

[1]: http://www.theverge.com/2013/4/29/4282202/the-guardian-falls-victim-syrian-electronic-army-11-twitter-accounts-hacked
[2]: http://en.wikipedia.org/wiki/Two-factor_authentication
[3]: http://en.wikipedia.org/wiki/Syrian_Electronic_Army#Syrian_Electronic_Army_.28SEA.29
[4]: http://nakedsecurity.sophos.com/2013/04/29/guardian-twitter-hacked-syrian-electronic-army/
[5]: http://www.theverge.com/2013/4/29/4283854/twitter-warns-news-organizations-about-ongoing-hacking-threats

app.net

Ha! Wer nicht gerade in der hinteren Mongolei unter einem Stein lebt, der sollte inzwischen schon einmal etwas app.net oder kurz adn gehört haben. Nun denken natürlich viele immer noch, das wäre ein Twitter für Reiche, aber das ist natürlich Blödsinn. Und dann wäre ich da ja auch gar nicht. Bin ich aber. Und weil ich so gern erkläre wieso, mache ich das jetzt einfach mal.

Zunächst mal ist natürlich eine Annahme richtig: adn kostet Geld. Im wesentlichen gibt es zwei Tarife, einen für Nutzer ($5/Monat oder $36/Jahr) und einen für Entwickler ($100/Jagr). Seit einigen Wochen gibt es zusätzlich einen kostenlosen Freemium-Account der ein paar Einschränkungen unterliegt. So einen Account bekommt man nur per Einladung (wer eine Einladung möchte, kann sich bei mir melden).

Jetzt fragt sich der Standardtwitternutzer natürlich sogleich: „Ey, was soll ich denn bezahlen, wenn ich das hier bei Twitter umsonst bekomme?“ Tja, warum?! Ich will gar nicht die alte Leier vom bist Du nicht Kunde, dann bist Du die Ware herausholen (obwohl sie auf Twitter so was von zutrifft). Wir sind ja alle Facebooknutzer, ich denke wir wissen, was mit unseren Daten geschieht, bzw. wir alle wissen, dass wir es nicht wissen. Ich nehme aber mal mich als Beispiel, weil ich mich so gut kenne: als Twitter begann steil zu gehen, vor hundert Internetjahren, da war ich schnell begeistert davon und habe seitdem Twitter viel genutzt. Und das war auch prima in der Anfangszeit. Aber irgendwie war schnell klar, dass Twitter Geld verdienen musste. Und ich so: „Prima, ihr sollt ja auch nicht leben wie die Hunde, sagt mal wo ich Geld einwerfen kann, ich zahl‘ gerne für euer prima Produkt!” Aber wollten die nicht. Stattdessen lieber gesponsorte Tweets, Werbung und irgendwelchen Promiaccounts zwangsfollowen. Das hätte ich vielleicht ja sogar noch hingenommen, aber als Twitter dann anfing, die Mauer um den Garten höher zu ziehen und das Entwickler-Ecosystem um Twitter herum auszutrocknen, habe ich angefangen nach einer anderen Lösung zu suchen.

Und diese Lösung ist adn. Denn eben dadurch, dass ich meinen Account bezahle, bin ich vor Werbepostings sicher, und adn garantiert, dass meine Nutzerdaten niemals verkauft oder weitergegeben werden. Allen Content den ich auf app.net veröffentliche kann ich jederzeit in vollem Umfang backuppen, editieren und wenn ich will auch wieder komplett löschen, er gehört mir. Die Weiterentwicklung von app.net geschieht im Sinne der zahlenden Nutzer und der zahlenden Entwickler, und es wird am Produkt gearbeitet, anstatt Werbekunden zu bedienen.

Zu alledem kommt hinzu, dass adn schon jetzt besser ist als Twitter. Man kann pro Post 256 Zeichen verwenden und per Post kann man jeweils das Gespräch vor und nach dem Post nachverfolgen. In den annotations zu einem Post können jede Menge Metadaten mitgeliefert werden. Darüber kann man so adn hat auch schon jetzt die sichere 2-factor-authentication, das für Twitter fast schon typische Accounthacking entfällt. Direkte Nachrichten werden zudem über verschiedene Rechner und Clients als gelesen markiert (etwas was Twitter überhaupt nicht hinbekommt).

Das größte Mißverständnis aber überhaupt ist, dass adn nur eine Kopie von Twitter wäre. Dabei ist der Microbloggingdienst nur ein kleiner Teil von app.net. adn ist vielmehr ein soziales Netzwerk und eine Plattform für Anwendungen, die dieses Netz nutzen. Das ist und kann viel mehr sein, als nur Microblogging.

Auf Basis der API (und der private messages) gibt es bespielsweise patter, eine Art Chatsystem. In Chaträumen können so innerhalb app.net Nachrichten ausgetauscht werden. Kleiner Ausschnitt gefällig? Patter ist ein Chatdienst mit Chat-Räumen auf Basis des private messaging systems. Blimbshot ist eine visual bookmark App, mit der man Links mit Screenshots zusammen posten kann. Auf die 10GB Cloudspace, die man als zahlender Nutzer bekommt, kann man u.a. mit Orbit zugreifen, außerdem kann man dort Fotos ablegen die in app.net Posts verlinkt sind. Bei Sprinter ist man gerade dabei, eine Fotosharing-App à la Instagram zu bauen. Das app directory ist voll mit Apps. Und es geht ja erst los.

Sollte man vielleicht einmal ausprobieren, oder nicht? Da baut sich nämlich gerade etwas wirklich interessantes auf, und so als early adopter sollte man schon dabei sein. Nun mal los… ich bin schon da: @nicobruenjes

Breaking News

Fahndungsfoto der beiden Boston-Attentäter
Fahndungsbild des FBI

Der Anschlag in Boston und vor allem die darauf folgende Jagd auf die mutmaßlichen Täter sind ein ebenso hervorragendes, wie abschreckendes Beispiel, wie news heutzutage funktionieren. Echtzeitnachrichten in Zeiten der Pest sozusagen.

Gerade dann, wenn die Nachrichtenlage verworren, oder von Nachrichtensperre durch bspw. die Polizei geprägt ist, steigen die Echtzeitquellen zu Bedeutung auf, die sie im normalen Newsgeschäft eigentlich nicht hätten. Aber die im Polizeifunk aufgeschnappten Wortfetzen entwickeln plötzlich Nachrichtenkraft, wenn sie erst auf Twitter als news gehandelt und verbreitet werden. Dabei befeuern sich die Kanäle gegenseitig noch und schnell entsteht ein Mix aus Falsch- oder Teilfalschnachrichten. Das US-Magazin Slate schreibt dazu:

CNN and the AP incorrectly reported on Wednesday that a Boston Marathon suspect had been arrested. People on Reddit and editors at the New York Post wrongly fingered innocent kids as bombing suspects. Redditors also pushed the theory that a Brown University student who has been missing for more than a month was one of the bombers—a story that gained steam on Twitter Thursday when people listening to police scanners heard the cops repeat the student’s name.

Es entsteht eine nachrichtliche Gemengelage, in der Fakten nicht mehr ausreichend überprüft werden, oder eben verbreitet werden, ohne überprüft worden zu sein. Wobei in diesem speziellen Fall zunächst die Agentur und CNN mit der Falschmeldung dastanden, woraufhin sie von vielen Twitternutzern stark kritisiert wurden. Am nächsten Tag war die Lage dann umgekehrt: auf Twitter wurde ungefilterte Gerüchte verbreitet. Statt aber diese nun zu überprüfen und zu verifizieren, wurden sie von den scheinbar in die Enge getriebenen professionellen Journalisten nur ungefiltert übernommen, zitiert, retweetet. Dazu nochmal der Slate-Artikel:

On both Twitter and cable, people are mostly just collecting little factoids and thinking aloud about various possibilities. They’re just shooting the shit, and the excrement ends up flying everywhere and hitting innocent targets.

Wie gesgat, die extreme Lage in Boston während der Suche nach den Verdächtigen hat die Sache entssprechend befeuert. Aber es sind ja eben solche Lagen in denen die Echtzeitnews so gefragt sind. Was aber fehlt ist der professionelle Filter, den Redakteure nutzen, wenn sie Meldungen verschiedener Nachrichtenagenturen verarbeiten. Thorsten Kleinz beschreibt das in seinem Blog:

Denn ich konnte die Muster erkennen: Die eine Agentur war bei Opferzahlen immer daneben, die andere schickte ihre Nachricht ein paar Minuten später mit teils unmöglicher Sprache. Also bastelte ich “meine” Nachrichten aus zwei bis drei Quellen zusammen und — man möge mir die nostalgische Arroganz verzeihen — immer hatte ich recht in meiner Auswahl. Denn ich sah nicht nur Meldungen, ich sah die Matrix, das Muster, dass alles verband. Ich erkannte die kleinen sprachlichen Anzeichen, wann sich ein Agentur-Redakteur nicht sicher war und viel wichtiger: Ich wusste wie die Welt tickt.

Die angesprochene Matrix fehlt in den Real Time News meist komplett. Und wenn die Agenturen die Tweets nachmelden, dann gibt es auch keine Unterschiede mehr zwischen denen ein Newsredakteur abwägen könnte. Der Newsdirektverbraucher ist dem zudem noch ungefiltert ausgeliefert. Ich will nicht ausschließen, dass auch die Konsumenten wissen, “wie die Welt tickt”, aber das Gesamtbild bleibt doch während der angesprochenen Gemengelage schwierig im Auge zu behalten. Wobei ja die eine oder andere Falschmeldung noch verkradtbar wäre, Veröffentlichung von Namen und Fotos falscher Verdächtiger hingegen kann schlimme Folgen für die Verdächtigten haben, bis hin zum Tod.

Artikelbilder: fbi.gov

Facebook Home

Alle haben auf das Facebook Phone gewartet. Stattdessen gibt es nur eine Android-App, die den Homescreen kapert und letzten Endes Ads darauf anzeigen wird. Hallelujah.

Die Enttäuschung war förmlich greifbar. Bitte? Nur eine App? Und nur ein Plastikphone von HTC, halb so leistungsfähig und up to date wie deren eigenes Flagschiff HTC One, auf dem eben jene Homescreenapp vorinstalliert ist? WTF? Was ist los im Hause Zuckerberg?

Was Facebook also mit Facebook Home seit gestern ausliefert, ist im Grunde nur ein großes, raumgreifendes und freches Widget. Nicht nehr. Der Homescreen eines Androidtelefons (derzeit HTC One, One X, Samsung Galaxy SIII, S4 und Note) wird nach der Installation von Facebook Home komplett von Facebook übernommen. Im Moment heisst das, das dort Bilder und Nachrichten von Freunden angezeigt werden, übrigens auch, wenn der Screen gesperrt wurde. Zusätzlich werden Chats und Messages auf dem Screen gezeigt, egal in welchem Programm man gerade ist.

Let’s say we did build a phone. we’d reach 1 or 2 percent of our people. That doesn’t do anything awesome for us. (Mark Zuckerberg)

Man mag sich nun fragen, warum Facebook nicht wirklich ein Telefon herausgebracht hat, sondern diese, denkbar kleinste Lösung präferierte. Laut eigener Aussage, würden in den USA Nutzer von Smartphones 25% der Telfonnutzungszeit in den Facebook-Apps verbringen. Was sich nach einer gigantischen Zahl anhört. Aber, und das haben die Facebookmarktforscher wohl richtig analysiert, das ist noch lange kein Grund, ein dediziertes Facebooktelefon zu kaufen. Das Risiko eines Flops ist wohl einfach zu groß. Vielmehr ist man wohl der Ansicht, dass man mehr gewinnen kann, wenn man sich auf dem Android im wahrsten Sinne des Wortes breit macht.

Und eine andere Sache kommt noch ins Spiel: beim Start von Facebook Home bekommt man auf seinem Homescreen nur 80% seine Facebook-Feeds angezeigt. Zwei Dinge fehlen derzeit noch: Videos und Anzeigen. Und das könnte der eigentliche Grund sein, warum man davon abgesehen hat, ein eigenes Gerät zu lancieren, das man erstmal in den möglichweise schon recht satten Markt hätte drücken müssen: man braucht ein breites Userbasis, damit es richtig in der Kasse klingelt, wenn in Zukunft dann Ads auf dem Homescreen von Androidtelefonen angezeigt werden. Hallelujah.

Eben kam das Update der normalen Facebookapp rein. Obwohl auf meinem Nexus 4 Facebook Home nicht läuft (derzeit) wollte die Facebookapp trotzdem schon einmal die Rechte für die Facebook Homeapp zugestimmt haben, also alles was man sich vorstellen kann. Da hab ich die Facebookapp lieber deinstalliert. Ist irgendwie mein Telefon, und nicht Mark Zuckerbergs.