Nö.

Nö, Felix.

Es ist ja nachgerade höchsterstaunlich, wie man jemanden in (zumindest gespielte) Aufregung versetzen kann, in dem man ihm mit aller gebotenen Knappheit vor Augen führt, dass er Quark redet. In diesem Fall entsprang die Knappheit der Aussage zwar eher den äußeren Umständen: Zugfahrt, Edge, keine Zeit gleich per Artikel zu antworten, keinen Bock auf Disques-Kommentare (und mobil funktionieren die auch nur bei LTE glaube ich), also Twitter, aber auf 140 Zeichen kann ich das auch nicht erklären, Ende. Ich hätte auch schreiben können: „Ey Felix alter Bartträger, ich hab gerade keine Zeit zu antworten, schau doch nochmal genau nach.“ Und Felix hätte mich fragen können: „Hey Nico, ich schätze Deine Arbeit und ZEIT ONLINE, ich hab hier aber etwas entdeckt, und bevor ich das jetzt in die Welt hinausposaune und es am Ende gar nicht stimmt…“, aber hey, wir sind Blogger, oder nicht?!

So, und nun nochmal für alle zum mitschreiben: obwohl das Gerücht geht, dass wir Verlagsleute total bekloppt und degenerierte Volldeppen sind, sind wir doch nicht so blöd, so etwas wie einen nativen Adblocker in unsere Seite zu bauen. Überraschung. Stattdessen haben wir uns sehr lange und ausgiebig Gedanken machen und viele viele viele Zeilen Code schreiben müssen, um zwei komplett konträre Systeme: eine moderne responsive Website und völlig antike pixelgebundene Bannerwerbung so miteinander zu verbinden, dass es für Werbekunden und Nutzer gleichermaßen funktioniert.

Was also in Wahrheit passiert ist, dass auf ZEIT ONLINE je nach Gerät, Browser- oder Bildschirmgröße die passenden Ads geladen werden und zwar zum Zeitpunkt des Ladens. Verändert man die Fenstergröße, werden diese geladenen Ads mitunter ausgeblendet, damit sie nicht das sich an die Umgebung anpassende Design zerstören. Damit sind sie natürlich keinesfalls geblockt. Inzwischen könnten wir an diesen Stellen passende Ads on the fly nachladen, aber darauf haben wir erstmal verzichtet, weil wir es tatsächlich nicht für den häufigsten Anwendungsfall halten, das Leute ihr Fenster auf und zu machen.

Das alles sind natürlich nur Kompromisse. Leider gibt es noch so gut wie keine responsiven Ads auf dem deutschen Markt, eher nur zwei Formen, desktop und mobile. Und ebenso schlimm ist, dass es so viel aussen liegende Werbung gibt (Walppaper, Fireplace), die die Maximalbreite einer Seite plump einschränken. Und dann ist das alles natürlich auch noch fehleranfällig, es konnten nicht alle Werbeplätze eins zu eins übernommen werden und und und. Allerdings sind uns die Kollegen von der werbeschaltenden Zunft auch schon ein paar Schritte entgegen gekommen, bspw. durch endlich nicht mehr blockende Ads: es kommt also erst der Content, dann die Werbung. Das schon angesprochene Nachladen von Ads ermöglicht uns endlich wieder bedienbare Bildergalerien.

TL;DR: Wer also Werbung auf ZEIT ONLINE nicht sehen will, der kann nach jedem Seitenload schnell die Größe seines Browserfensters ändern und währenddessen solange wonaders hinschauen. Blocken tut er damit aber nichts, ausser vielleicht den eigenen Lesegenuss…

2 Antworten auf „Nö.“

  1. Ich kann überigens bestätigen, dass das inzwischen marktgängiger Standard ist. Wie haben im Palasthotel dieses Jahr auf drei anderen großen Sites äquivalente Implementierungen vorgenommen. Die Mechanik ist dabei immer gleich:
    1. Die Seite wird geladen
    2. Die Ad-Logik guckt nach, wie groß die Seite ist
    3. Die Ad-Logik lädt Banner der passenden größe nach.
    4. Vergrößert oder verkleinert man jetzt die Seite, werden die geladenen Banner, weil sie ggf. nicht mehr ins Layout passen ausgeblendet.
    5. Macht man dann aber noch einen Klick gibt’s wieder Werbung.

  2. …aber es bleibt, bei dem, was Nico schreibt: die Größe des Fensters zu ändern, um eine Seite werbefrei ‚genießen‘ zu können, ist nicht mal Hobby-Hacker-Sensatiönchen.

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