In Memoriam

Ben’s Nachrufe aus der Reihe In Memoriam regen mich oft etwas auf zum Nachdenken an. So auch gestern. Der Nachruf als journalistisches Erbgut wird durch den stringenten Aufbau persifliert und quasi ad absurdum geführt:

  • Titel, der allermeistens ein bestimmtes Attribut des Verstorbenen hervorhebt
  • Foto
  • einziger Text: [Name des Verstorbenen] ist tot.

Das trifft einerseits als Satire auf die journalistische Lobhudelei, die zumeist schon in den Giftschränken oder Rollcontainerschubladen der Redaktionen seit Jahren herumlungern, voll ins Schwarze. Vielleicht ist es sogar richtig, so zu reagieren, denn mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen: Pierre Brice, Leonard Nimoy, Fuchsberger… alle tot und es gibt eigentlich keinen Grund, gerade an ihrem Todestage mehr über sie festzustellen als diese Tatsache. Lobhudeln hätte man ja nun auch an jedem anderen Tag machen können.

Das habe ich jetzt mal da so rein interpretiert.

Trotzdem fehlt mir irgendwas. Ich denke oft, hier sollte neben der Persiflage noch ein wenig mehr Information mitkommen, dem Blogumfeld gemäß natürlich ein Link zu einem interessanten, schönen oder auch kontroversen Artikel, Video oder ähnlichem. Bei Pierre Brice hätte das vielleicht dieses fragwürdige Interview sein können, also etwas, was die Person näher beleuchtet, den Gedanken weiterführt, die Nachrufkultur irgendwie extended. Weil man muss wirklich keinen Nachruf bringen, aber darf doch gerne ein kurzes (Ge-?) Denken anregen, finde ich.

…der siebte Artikel meines Benblogging-Projektes. Was soll’n das?.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

7 Gedanken zu „In Memoriam“

  1. Mich machen Bens Nachrufe vor allem traurig. Spannend, Deine Interpretation zu lesen. Ich habe bisher noch nie etwas anderes als Trauer darin gesehen. So, dass es dazu nicht mehr viel zu sagen gibt. Und Bens Chronistenpflicht, natürlich. Festzuhalten, welches Zeitalter und welche Generationen wir durchleben (also er, und ich ein wenig mit ihm). Deine Erklärung macht für mich dennoch Sinn. Danke also für’s Darlegen.

  2. Oh. Das ist ja was. Meine „Nachrufe“ sind ja weder Persiflage noch als Satire gedacht. Zwei Aspekte meiner Nachrufe hast Du nämlich entweder vergessen oder nicht erkannt.

    Zum einen versuche ich immer ein ganz besonders schönes Bild, des oder der Verstrobenen zu finden, meist eines aus Jugendtagen oder wenn das nicht zu finden ist, so doch eines, auf dem er oder sie besonders glücklich aussieht, ooooder wie im Fall von Pierre Brice, eines von dem ich denke, dass der oder die Verstorbene gerne so erinnert werden möchte.

    Zum anderen blogge ich ja nach einem Memoriams-Eintrag 24 Stunden eigentlich nichts Neues. Damit lege ich soz. einen Schweigetag ein, um den oder die Verstorbene so etwas zu „ehren“ (auch wenn mir das nicht immer gelingt). Wenn wer gestorben ist, kann man auch einfachmal schweigen.

    Überdies hat Konstantin ja schon erzählt, dass ich das eher aus „Chronistenpflicht“ mache, was man daran erkennen kann, dass ich nicht zwischen „Guten“ und „Bösen“ Menschen unterschiede. Ich notiere den Tod aller, die in meinem eigenen Leben irgendwie „dabei“ waren, und sei es nur als regelmäßig Nachrichtenmeldungen.

  3. Hehe, wie ich schrob

    Das habe ich jetzt mal da so rein interpretiert.

    Tatsächlich ist mir eine Schweigezeit nie aufgefallen. Das man an einem solchen Tage ruhig mal Schweigen kann, habe ich ja mehr oder weniger erkannt:

    es gibt eigentlich keinen Grund, gerade an ihrem Todestage mehr über sie festzustellen als diese Tatsache

    Aber genug der Rechtfertigung. Was hälst Du von einem vertiefendem Link, vielleicht als Teil der angenommenem Chronistenpflicht?

  4. Was hälst Du von einem vertiefendem Link, vielleicht als Teil der angenommenem Chronistenpflicht?

    Hmmm … nachdenk … ja nee. Ich muss auch sagen, dass ich mich nicht erinnern kann einen brauchbaren Nachruf gelesen zu haben. Ich interessiere mich meistens dann auch nicht wirklich für Nachrufe. Mir kommt das irgendwie in bischen Makaber vor.

    Undaber: Es findet bei mir dann ja öfter auch eine Diskussion in den Kommentaren zu den Memoriams-Beiträge statt, wo Leute noch Links und nette Worte hinterlassen. Ich finde das ist irgendwie angemessener. Falls mir selber wirklich was verlinkbares über den Weg läuft würde ich das auch eher da lassen.

Kommentare sind geschlossen.