Oettinger, die Taliban und Netzneutralität

Das ist der EU-Komissar für Digitales, aus Deutschland. Ein Konservativer, kein Bauer, auch wenn er aus dem tiefsten Ländle kommt, sondern Rechtsanwalt und Steuerberater.

Hier zeigt er uns, wie man reaktionär argumentiert. Erfinde einfach ein paar Lügen, die so wahnwitzig erscheinen, dass niemand bei voller geistiger Gesundheit es für nötig hält zu widersprechen. Denn während unsereins sich kopfschüttelnd abwendet, glauben das leider noch massenhaft Leute. So läuft es ja auch gerne bei der Diskussion um Klimawandel. Günther Oettinger gibt eben den Jim Inhofe für bzw. gegen Netzneutralität. Ich hege hohe Anerkennung für jeden, der bereit ist, sich mit einem solchem Gestammel noch ernsthaft politisch auseinander zu setzen, obwohl das natürlich die einzig richtige Reaktion ist.

Nenne deine Gegner einfach in einem Satz mit Terroristen. Ist der zweite Teil der hohen Kunst der reaktionären Diskussionsstrategie. Wobei Oettinger lustigerweise die Piraten in den Vordergrund stellt. Ich nehme an, dass er von seiner europäischen Sicht auf die Heimat zurück schließt. Oder er subsumiert absichtlich alle Gegner unter diesem für ihn mit kriminell gleichlautenden Begriff. Wie er sich freut, über die Bombe, die er gerade hat Platzen lassen, man sieht es im Video. Später wiederholt er nochmal und weitet aus: Netzneutralität, dieses talibanartige Thema.

Will sagen: Günther Oettinger ist leider nicht der Vollidiot für den ich ihn bisher gehalten habe. Es ist alles viel viel schlimmer.

Artikelbild von Martin Kraft unter CC-Lizenz BY-SA 3.0.

4 Gedanken zu „Oettinger, die Taliban und Netzneutralität“

  1. Menschen wie Oettinger sind der Hauptgrund für Wahlbeteiligung unter 50%.
    Und dafür, dass sich viele kluge, intelligente, verantwortungsbewusste und engagierte Leute gezwungen sahen, zur Rettung ihrer psychischen Gesundheit aus dem politischen und gesellschaftlichen Diskurs auszusteigen.
    Man muss wirklich krank im klinischen Sinne sein, wenn man diesen Zirkus länger als ein paar Jahre durchstehen kann. Und genau das ist ja gerade unser Problem.

  2. Wie schaffen wir es, nicht genau in die selbe Falle zu tappen? „Demokratie“ und „Öttinger“, das passt so gut wie Taliban und Netzneutralität. Wie also können wir die Demokratie lieben, die so etwas wie diesen Demagogen hervorgebracht, ihn mit stattlichen Dotierungen und Positionen versehen hat. Wie können wir im Sinne der Demokratie Menschen in Funktionen wählen, die diese ausfüllen und „Gerechtigkeit“ im weitesten Sinne sorgen?
    Es besteht die Gefahr, dass ansonsten bald „Taliban“ und „Demokratie“ in einem Satz genannt werden. Wenn wir eh schon alle unter Generalverdacht (s. Vorratsdatenspeicherung) stehen…, dann ist das doch nur ein nächster Schritt.

  3. Was mir dabei ja immer Angst macht, ist nicht der Stand der Dinge, sondern die Perspektive, die sich da abzeichnet. Oetteringer ist ein böser Mensch UND er hat keine Ahnung. Mir graut davor, was pasiert, wenn Menschen von Oettingers Geisteshaltung auf seinem Stuhl sitzen, die AUCH noch Ahnung haben, und diese Menschen werden kommen. Dann werden wir uns noch sehnsüchtig an die Zeiten zurückerinnern, an denen solche Vollidioten an der Macht waren. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie diese Republik dann aussehen wird.

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