Bahnstreik

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In diesen Tagen waren nicht viele zu finden, die sich positiv über den Bahnstreik äußern mochten. Natürlich mag es niemand, wenn Züge ausfallen, Leute, die wie ich darauf täglich angewiesen sind, am allerwenigsten. Da freut man sich, wenn wenigstens in den Medien kräftig auf die renitenten Lokführer eingedroschen wird und die Regierung schon an einem Gesetzentwurf arbeitet, der dem Treiben Einhalt gebieten soll… ja, oder vielleicht doch nicht?

Alexander Dill hat in Telepolis sehr anschaulich in Frage gestellt, ob der Streik der Lokomotivführer tatsächlich „Dumm“, „verantwortungslos“, „irre“ ist. Betrachtet man das mickrige Einkommen der Lokführer und deren Lohnentwicklung in den letzten Jahren, muss man sich fragen, ob ein Streik nicht vielmehr sogar sehr angebracht ist: das Spitzengehalt für die Verantwortung für über hundert Fahrgäste und millionschweres Gerät beträgt nach entsprechender Dienstzeit, ca. 3000 Euro, brutto. Dafür allein kann man schon mal in den Streik treten. Nicht vergessen: zu streiken ist ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht in diesem Land. Es ist erschreckend, wie die Streikenden dafür von den Medien und der Regierung mit Dreck und Hähme beworfen werden. Letztere arbeitet auch schon an einem Gesetz, die Macht kleiner Gewerkschaften wie der GDL einzuschränken. Gegen Eingriffe in die Tarifautonomie durch den Staat… genau, auch dagegen kann man mal streiken, finde ich.

Zumal die meisten Anwürfe wirklich lächerlich sind. Die Lokführer sind nicht schuld am Niedergang der Bahn seit ihrer Privatisierung, das geht auf Kosten der Regierungen und Parteien, die diese Privatisierung betrieben haben. Dieselben Leute wollen aber nun das Vertretungsrecht der Lokführergewerkschaft und damit deren Streikrecht beschneiden. Und statt das zu kritisieren, hauen unsere Medien, von BILD bis ARD auf die Streikenden ein. Das hört sich doch alles sehr nach einem Schmierenstück aus der frühen Thatcherzeit an! Und die Sturmgeschütze der Demokratie… zielen inzwischen in die falsche Richtung.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

3 Gedanken zu „Bahnstreik“

  1. Also bei dem Thema kommt es einfach zu Propaganda von allen Seiten, das ist üblich in dem Geschäft.

    Zum Streik: Ich habe nichts, wirklich gar nichts dagegen, wenn eine Gewerkschaft dafür streikt, dass es mehr Lohn gibt. Das ist vollkommen ok, und die Gehälter in D sind in den letzten 15 Jahren sowieso zu wenig gestiegen, „dank“ der Politik unserer Regierungen. Die Lokführer sollen ruhig mehr Gehalt bekommen, und es sollte auch definitiv weniger Überstunden geben, ich halte Überstunden immer für einen Fehler der Planenden, also des Unternehmens.

    Was mich aber extrem stört (und ich bin eher perifer betroffen vom Bahnstreik) ist die Tatsache, dass die GdL streikt, um auch ein Vertretungsrecht für andere Bahnmitarbeiter durchzusetzen, die auch bei ihr Mitglied sind. Ich kann es durchaus verstehen, dass ein Unternehmen nicht für eine Berufsgruppe (z.B. die Zugbegleiter) mit zwei Gewerkschaften verhandeln will und zwei Tarifverträge abschließen will.

    Und nach dem was ich gelesen habe, will niemand der GdL das Recht abstreiten, die Lokführer zu vertreten. Es geht nur um die Ausweitung der Vertretung der GdL, und das ist in dem Fall gewerkschaftliche Machtpolitik, für die gestreikt wird und Millionen von Bürgern den Schaden haben. Und das kann ich nicht gut finden.

  2. Die GDL möchte die Rechte ihrer Mitglieder vertreten: ein Teil davon sind keine Lokführer, sondern Zugbegleiter et al. Das will die Regierung einschränken. Das ist mE nach eine Einmischung in die Tarifautonomie. Hat nichts mit „gewerkschaftlicher Machtpolitik“ zu tun, IMHO.

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