Weltmeister

1974, 1990 und 2014, drei Weltmeistertitel fallen in meine Lebenszeit, was mich hauptsächlich zu einem vergleichsweise alten Sack macht, mehr eigentlich nicht. Gefreut habe ich mich, vor allem weil ich die meisten der Jungs, die da gestern gewonnen haben, gut leiden kann.

Es ist der perfekte Mix aus Tugenden und Traumfußball, aus Hurra und Hauruck.

Schreibt der Spiegel und greift damit irgendwie unfreiwillig meine Ängste vor den Fahnenschwingern und Fußballpatrioten wieder auf. Ja, die deutschen Tugenden, allesamt eher sekundäre, die muss man an einem solchen Tag unbedingt beschwören.

Ach und Hurrapatriotismus, den packen wir dann jetzt wieder schön in den Kofferraum.

6 Gedanken zu „Weltmeister“

  1. Der Patriotismus landet so oder so sehr schnell wieder im Kofferraum, da für 99,99% der Deutschen Bevölkerung spätestens ab übermorgen wieder alles seinen gewohnten gang gehen wird. Die 0,01% können feiern und das länger, es waren diejenigen die in der Nähe des Platzes oder auf dem Platz standen und über den Verlauf der WM immer an sich geglaubt haben – während in Deutschland die meisten der Meinung waren „Das wird nix“.

    Wie gesagt man darf sich freuen, nur sollte man den 12. Mann auch nicht überbewerten – dafür müsste der 12. Mann auch mehr an die „Gladiatoren“ glauben die für das eigene Land kämpfen. Aber dafür ist ihm das Risiko zu groß, wer zu fest glaubt und hofft, wird im schlimmsten Fall einfach nur noch bitterlich weinen.

  2. Ich glaube, alle Befürchtungen für die hier der Begriff Hurrapatriotismus steht, sind nicht begründet. Die meisten wollen nur Party machen und brauchen dazu – wie es sich gehört- Fähnchen und Wimpel. Wahrscheinlich hält es noch ein paar Tage an, und das war es dann. Bei den nächsten Spielen wird dann wieder gemeckert und geweissagt, dass diese Mannschaft in Brasilien nur mit Glück das Endspiel gewonnen hat. Und da ist vielleicht sogar was dran.

  3. Ich hab ja seit einer halben Ewigkeit ein paar Artikel zum Thema „Schwarz, Rot, Gold“ und „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in meiner Draftsliste liegen. Wie Du, war ich aus einer linken Tradition heraus gegenüber dem Nationalen im Allgemeinen und dem Deutschen im Besonderen immer sekptisch. Gerade aber Schwarz-Rot-Gold, das von den Monarchisten und Nazis immer wieder verhämt wurde, sehe ich eigentlich inzwischen – auch und gerade wegen seiner langen demokratischen und freiheitlichen Geschichte in der Märzrevolution, der Weimarer Republik und schließlich seit 49 – eher versöhnlich.

  4. Gerade aber Schwarz-Rot-Gold, das von den Monarchisten und Nazis immer wieder verhämt wurde, sehe ich eigentlich inzwischen – auch und gerade wegen seiner langen demokratischen und freiheitlichen Geschichte in der Märzrevolution, der Weimarer Republik und schließlich seit 49 – eher versöhnlich.

    Ja, das mag man als gebildeter Bürger so halten. Ich habe auch weniger Angst von den Farben, der Flagge selbst oder überhaupt Menschen mit Flaggen. Die Dänen bspw. sind mir sehr sympathisch und von denen haben 99% Bettwäsche in Nationalfarben. Ich glaube aber auch nicht, dass es die Bedeutung der Fahne selbst ist, die irgendwie abstossend ist. Ich gehe mal davon aus, dass nur wenige mit Außenspiegel-Bikini in schwarz-rot-gold irgendwas von der Paulskirche wissen (wollen). Aber das ist vielleicht auch nur ein Vorurteil. Oder ist am Ende auch egal, weil sie von den anderen Dingen eben genauso wenig wissen.

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