Krautreporter

Es ist noch eine Woche Zeit, um die Krautreporter zu unterstützen, und mal ganz ehrlich, es sieht nicht gut damit aus. Was ich schade finde, denn eigentlich hätte mich interessiert, ob schwarmfinanzierter Abojournalismus tatsächlich (inhaltlich) funktioniert. Ich hab es darum so gemacht wie Ben:

Ich hab mal die Krautreporter unterstützt und ein Abo zugesagt. Für ein Jahr. Für 60 Euro.
Wegen Stefan Niggemeier.
Trotz Richard Gutjahr.

Was ich mit den Krautreportern teile, ist die Ansicht, dass irgendetwas im Onlinejournalismus nicht in Ordnung ist. Ob er nun gleich ganzkaputt ist, will ich mal dahingestellt lassen. Und ob das so ist, weil sein Finanzierungsmodell nunmal Bannerwerbung ist, so richtig wissen wir das alle auch nicht. Obwohl man sich natürlich einig ist, das Werbung nervt. Oder Boulevard bei der ehemaligen Artillerie unserer Demokratie. Aber ist deswegen gleich alles kaputt?

Weil vielen Medien Klicks wichtiger sind als Geschichten. Weil niemand mehr den Überblick behalten kann, wenn die Welt nur noch in Eilmeldungen erklärt wird. Weil Werbung nervt, die umständlich weggeklickt werden muss. Weil sich auch in seriösen Online-Medien der Boulevard ausbreitet. kraureporter.de

Und wenn es so ist, was hilft dann? Ich hätte gedacht, ein neues Finanzierungsmodell. Und das ist es ja auch, was die Krautreporter machen wollen, eben per crowdfunding. In einer idealen Welt gäbe dies nun die Freiheit, neue Dinge zu machen, eine Alternative zum kaputten Onlinejournalismus entwickeln. In dieser Hinsicht gibt man sich allerdings erstaunlich konservativ. Denn man will nur wieder den guten Onlinejournalismus machen, den schon so manche Printredaktion immer wieder einfordert:

Reportagen, Recherchen, Porträts und Erklärstücken. Über Themen, mit denen wir uns auskennen. Mit der Zeit, die nötig ist, um eine gute Geschichte zu erzählen. Und den Hintergründen, um zu verstehen, was auf der Welt passiert. kraureporter.de

Das allein scheint sich aber heutzutage nicht in Bares umwandeln zu lassen. Nicht indem man Werbung drumherum schaltet (so die These). Blöderweise, so sieht es jedenfalls im Moment aus, auch nicht, indem man Geld per crowdfunding einsammelt. Denn sonst kämen ja genug Unterstützer zusammen.

Also alles wieder zurück auf Start. Kann sich denn nun endlich mal jemand etwas wirklich Neues ausdenken?

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

Ein Gedanke zu „Krautreporter“

  1. Ich hab mich ja von anfang an gefragt, wo denn eigentlich der Unterschied zur taz sei. Oder mehr noch, ob die taz mit ihrer Genossenschaft nicht eigentlich schon viel weiter geht.

    Lustigerweise ist das Geschäftsmodell ja auch nicht neu und sogar das älteste und zwei-erfolgreichste (nach Jungs mit Zauberstöcken in der Hand), dass die ganze Verlagsbranche kennt: Das Abonnement. Und hier hab ich mich gefragt, wo sich die Krautreporter denn eigentlich von der taz unterscheiden und ob die taz mit ihrer Genossenschaft nicht sogar schon einen Schritt weiter ist. „Social-Media-Integration“ und „Diskurs-mit-dem-Leser-in-den-Kommentarspalten“ sind here Ziele, die leider nur im schlimmsten aller Fälle messbar sind. Wirklich ernst wird es aber dann, wenn den Leser der Laden wirklich richtig gehört, der für sie Journalismus macht.

    Und was man leider auch sagen muss … die Krautreporter haben halt Crowfounding nicht wirklich verstanden. Der Spaß kommt doch durch die Strech-Goals und die Tatsache, dass nicht einfach jeder 60 Euro gibt, sondern man auch mit 5 Euro dabei sein kann oder 500 Euro oder 5000 Euro für ein Abendessen mit Stefan Niggemeier.

    Auch gefragt habe ich mich warum die gleich 900.000 Euro brauche. 15.000 sind schon eine echte Hausnummer. Viele renomierte Magazine haben weniger Abonnenten. Und ich weiß, dass Du weißt, was man mit 900.000 Euro im Online-Journalismus anstellen kann. Ein bisken wundert mich das schon. Meine Erwartung wäre ja nicht, dass die gleich eine Newsroom und einen gut dotierten Geschäftsführer aus dem Boden stampfen. Das macht auch etwas skeptisch.

    Aber trotz allem: JA! Ich würde das sehr gerne sehen, was passiert, wenn jemand werbefreien Journalismus macht. Wobei. Im Grunde wissen wir das ja schon. Wir sehen es jeden Tag in den Blogs, die wir lieben. Blogs wie dieses hier.

Kommentare sind geschlossen.