Facebook Home

Alle haben auf das Facebook Phone gewartet. Stattdessen gibt es nur eine Android-App, die den Homescreen kapert und letzten Endes Ads darauf anzeigen wird. Hallelujah.

Die Enttäuschung war förmlich greifbar. Bitte? Nur eine App? Und nur ein Plastikphone von HTC, halb so leistungsfähig und up to date wie deren eigenes Flagschiff HTC One, auf dem eben jene Homescreenapp vorinstalliert ist? WTF? Was ist los im Hause Zuckerberg?

Was Facebook also mit Facebook Home seit gestern ausliefert, ist im Grunde nur ein großes, raumgreifendes und freches Widget. Nicht nehr. Der Homescreen eines Androidtelefons (derzeit HTC One, One X, Samsung Galaxy SIII, S4 und Note) wird nach der Installation von Facebook Home komplett von Facebook übernommen. Im Moment heisst das, das dort Bilder und Nachrichten von Freunden angezeigt werden, übrigens auch, wenn der Screen gesperrt wurde. Zusätzlich werden Chats und Messages auf dem Screen gezeigt, egal in welchem Programm man gerade ist.

Let’s say we did build a phone. we’d reach 1 or 2 percent of our people. That doesn’t do anything awesome for us. (Mark Zuckerberg)

Man mag sich nun fragen, warum Facebook nicht wirklich ein Telefon herausgebracht hat, sondern diese, denkbar kleinste Lösung präferierte. Laut eigener Aussage, würden in den USA Nutzer von Smartphones 25% der Telfonnutzungszeit in den Facebook-Apps verbringen. Was sich nach einer gigantischen Zahl anhört. Aber, und das haben die Facebookmarktforscher wohl richtig analysiert, das ist noch lange kein Grund, ein dediziertes Facebooktelefon zu kaufen. Das Risiko eines Flops ist wohl einfach zu groß. Vielmehr ist man wohl der Ansicht, dass man mehr gewinnen kann, wenn man sich auf dem Android im wahrsten Sinne des Wortes breit macht.

Und eine andere Sache kommt noch ins Spiel: beim Start von Facebook Home bekommt man auf seinem Homescreen nur 80% seine Facebook-Feeds angezeigt. Zwei Dinge fehlen derzeit noch: Videos und Anzeigen. Und das könnte der eigentliche Grund sein, warum man davon abgesehen hat, ein eigenes Gerät zu lancieren, das man erstmal in den möglichweise schon recht satten Markt hätte drücken müssen: man braucht ein breites Userbasis, damit es richtig in der Kasse klingelt, wenn in Zukunft dann Ads auf dem Homescreen von Androidtelefonen angezeigt werden. Hallelujah.

Eben kam das Update der normalen Facebookapp rein. Obwohl auf meinem Nexus 4 Facebook Home nicht läuft (derzeit) wollte die Facebookapp trotzdem schon einmal die Rechte für die Facebook Homeapp zugestimmt haben, also alles was man sich vorstellen kann. Da hab ich die Facebookapp lieber deinstalliert. Ist irgendwie mein Telefon, und nicht Mark Zuckerbergs.

Veröffentlicht von

Nico

Nico Brünjes ist Digitalkreativer und Internethandwerker. Seit mehr als 15 Jahren erdenkt, baut und programmiert er moderne, standardkonforme und zugängliche Webseiten in HTML, CSS und Javascript.

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