Verbunddatei

Kai in absoluter Höchstform: Verbunddatei (Rechtsextremismus). Bitte mal laut vorlesen:

Um nun von einer Beschreibung wie, sagen wir, „behördenübergreifende Datenbank mit fragwürdiger datenschutzrechtlicher Legitimation zur Speicherung persönlicher Informationen zur Identifizierung rechtsradikal motivierter Straftaten“ auf einen Begriff wie V. zu kommen, muss man schon ordentlich steif sein.

Sich in die Hose machen in der Aufmerksamkeitsdiktatur

Soeben habe ich Kathrin Passig bei Buzz entfollowed, wegen zwei fürchterlichen Tiraden über das Sharen und Resharen in Google Reader und Buzz (Teil 1, Teil 2), auf die ich durch diesen Artikel aufmerksam geworden bin. Frau Patzig ereifert sich darüber, dass ihre bei Google Reader geshareten Items oft ohne Quellenangabe weitergeshared werden, somit also ihr, die sie die entsprechenen Quellen ausgegraben hat kein Tribut gezollt wird. Sie bezeichnet zudem diesen völlig normalen Vorgang als Schwarzfahren in der Aufmerksamkeitsökonomie, was mich wirklich ein wenig ärgert. Hört sich für mich eher an, wie Auffallen um jeden Preis.

Was Leute wie Frau Passig einfach nicht geregelt kriegen ist, dass es eine Abstufung im Wirtschaftsmodell der Webaufmerksamkeit gibt. Natürlich glauben diverse Menschen, dass sie auch noch an einem ihrer Darmwinde ein @xyz dranpappen können, der allgemeinen Schaffenshöhe wegen, begreifen aber nicht, dass man genau umgekehrt eben nicht überall den Stempel: »ich hab’s gefunden« drankleben muss, ums mit den Schweizern zu sagen. Ich sehe im sharen eines Blogartikels in Google Reader, mglw. auch noch ohne weiteren Kommentar, selbst einfach nur durch das Anklicken eines Icons, keinerlei Schaffenshöhe. Punktum. Deswegen mag auch jeder von Euch Artikel, die ich im Google Reader resp. Buzz share, unter seinem Namen weitersharen soviel er oder sie mag. Das schert mich wenig und ficht mich auch nicht an. Ich habe dazu nämlich weiter nichts getan, als den Artikel selber gelesen und für gut befunden, nicht aber gut genug, ihn in meinem Blog zu featuren. Dort sammle ich nämlich die wirklich wichtigen Links.

Wenn die Autorin oder der Autor aber selbst etwas dazugetan hat, bspw. in seinem eigenen Blog die Originalquelle in Beziehung zu anderen Quellen gesetzt hat, oder den eigenen Senf dazu getan hat, dann bin ich sofort bereit und willens eine Quelle anzugeben. Lustigerweise gibt es sie dann nämlich auch, die Quelle, mit Link und allem. In Zeiten der weiterverlinkten Links, die verlinkt werden, ist es IMHO müßig, wenn da eine Art Urverlinkungsrecht eingefordert wird. Nervt mich sogar geradezu, wenn beispielsweise auf Twitter hundertfach geretweetet wird. Es ist so langweilig, wenn jemand auf Twitter nichts weiter tut, als auf „Retweet“ zu klicken. Nicht dass ich das nicht in Ausnahmefällen auch schon gemacht hätte, aber ich halte Twitter eher für eine Plattform der selbstgetätigten Äußerung, als der Weitergabe von Links. Dafür nutze ich Google Reader. Damit verbinde ich—und jetzt beginne ich mich zu wiederholen—aber noch keine besondere Schaffenshöhe, jedenfalls nicht, wenn ich Links weitershare oder Links von mir weitergeshared werden. Wenn ich jedoch einen Link aus Google Reader in meinem Blog verarbeite, also zu Schaffung eigenen Contents nutze, dann verschweige ich die Zwischenquelle auf keinen Fall. Ist das zu kompliziert? Oder unlogisch?

Leute die das anders sehen, soll es geben, ich muss ihnen aber ja nicht followen. Plonk!

P.S. Nachdem Herr Lobo noch vor kurzem Fileshare als Diebe bezeichnete und nun Frau Passig Linksharer sozusagen der Beförderungserschleichung bezichtigt, würde ich am liebsten aus Sicherheitsgründen alles was ich in deren gemeinsamen Buch »Dinge geregelt kriegen – etc. etc.« gelesen habe, wieder vergessen, es sozusagen entlesen, aber das funktioniert mit diesem altmodischen Kram natürlich wieder nicht…

Wie ich flattr nutzte…

Es ist ja nun schon hinreichend diskutiert worden, ob man auf seiner Website einen Flattr-Button einsetzen sollte oder nicht. Viel zu wenig habe ich allerdings bisher über das flattrn—fürchterliches Wordkonstrukt, nebenbei bemerkt—selbst gehört, also das Klicken auf den Bettelbutton von flattr, auf anderen Webseiten. Es gibt dazu verschiedene Thesen, aber die Frage: »Wie flattrst wie verteilst Du Deine Kohle eigentlich«, hört man selten.

Letzte Woche habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der wohl recht viel und nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Dabei (daran meine ich mich zu erinnern), hat ein keinen besonders hohen Betrag auf sein Konto eingezahlt, klickt aber auf das Flattr-Knöpfchen, wo er es findet. Na klar, es gibt viele gute Sachen, vieles das Spass macht zu lesen, viele Dinge die prämiert sein wollen. Oder doch nicht?

Ich selbst stelle bei mir fest, dass ich es bei Flattr nicht anders mache, wie im richtigen Leben: wenn mir eine Sache ordentlich und mehrwertig erscheint, dann bin ich bereit dafür etwas zu zahlen. Soll heißen, ich bin nicht geizig, muss aber zugeben, dass ich in meiner persönlichen Flattr-Testphase noch beim Minimum verteilbaren Geld gestartet bin. Dafür klicke ich aber auch extrem selten auf den Flattr-Button. Freitag war ein Klick von mir noch einen ganzen 0.66 Euro wert, oder anders: ich habe diesen Monat erst zwei drei Seiten geflattred. Sorry.

Das hat natürlich mehr als einen Grund, zum Beispiel bin ich zur Zeit beruflich sehr beschäftigt, da komme ich weniger zum bloggen und zum Blogs lesen. Ich zahle aber auch noch in einigen anderen Währungen als Geld, und das mag der eigentliche Grund sein, dass ich mir die Seiten, denen ich Geld spende, sehr genau aussuche. Die erste Währung, die ich zu Verteilen habe ist Aufmerksamkeit. Das ich ein Blog regelmäßig konsumiere, ist jetzt noch keine Auszeichnung, aber in meiner Welt der relativ begrenzten schwer verwaltbaren Freizeit, ist es schon ein kleines Kunststück geworden auf meiner Shortlist zu stehen (damit sind nicht die etlichen Blogs in meinem Google Reader gemeint). Von diesen wenigen Autorinnen und Autoren lese ich alles. Sie haben also mit praktisch jedem Artikel meine volle Aufmerksamkeit. Von diesen, meinen Leuchttürmen aus, wandere ich dann weiter durchs Netz. Oft lerne ich dabei etwas, finde Denkanregungen, oder habe einfach Spass. Gerne verlinke ich dann solche Dinge, bspw. in Google Buzz. Mein eigenes Linkblog pflege ich im Moment leider gar nicht, dort waren und sind aber auch immer Artikel zu finden, die mir gefallen oder geholfen haben. Denn das ist die zweite, weniger gewichtigere, dafür aber sichtbarere Währung, die ich zu verteilen habe: Verlinkung vulgo Linkliebe. Wobei ich mir im Klaren bin, dass über Links von mir nur wenige Besucher kommen, aber es ist ein illustres und wertvolles Völkchen, das meinen Links folgt, das kann ich ohne weiteres versprechen.

Mir ist nun aufgefallen, dass Verlinkung eine Art Steigerung von Aufmerksamkeit ist, soll heissen, nur wer zuvor meine Aufmerksamkeit hatte (auch ohne auf der Shortlist zu stehen), kann auch verlinkt werden. Parallel dazu kann genauso nur geflattered werden, wen ich zuerst gelesen habe, Flattr ist also ebenso eine Steigerung. Beides scheint dabei also ungefähr den gleichen Wert zu besitzen, geht jedoch in verschiedene Richtungen. Verlinkung setze ich nämlich dann ein, wenn ich bspw. meinen wenigen Followern bei Buzz sagen will: seht diesen Artikel, er hat etwas zu bieten in einem der Fachgebiete die ich beackere, lest ihn Euch durch, lernt etwas! Eine Verlinkung im Blog bedeutet ungefähr dasselbe, dort allerdings auf ein größeres, aber auch heterogeneres Publikum bezogen. Flattrn dagegen ist mehr introvertiert. Keiner weiß, was ich geflattered habe, vielleicht finanziere ich heimlich die Taz, wer weiss? Na klar, über Geld redet man bekanntermaßen nicht, aber tatsächlich taucht man mit dem Klick auf den Button ab in eine gewissen Anonymität, man wird zu einer Zahl. Das ist einfacher, als Verlinkung. Und es könnte jeder machen, man braucht ja kein Blog dafür, keinen Ort, an dem man verlinken kann. Dafür scheint mir für mich Flattr weniger geeignet, die tradiotionelle Linkliebe zu ersetzen.

Trotzdem lege ich hohe Maßstäbe für das flattern an. Ich flattere nur für Informationen, die mir neu sind. Dieser 110ten Artikel über Flattr bspw. hätte es bei mir schon schwer. Aber mal im Ernst: ich lese dauernd Artikel, die nach dem zweiten Absatz eingestehen müssen, dass sie sich dem Thema nur sehr eindimensional genähert haben und man können unter URL xyz genaueres nachlesen. Sowas bekommt keine Spende. Oder wenn ich merke, dass aus englischsprachigen Blogs abgeschrieben wird: keine Spende. Wohl aber, wenn jemand etwas aus einem US-Blogs übernommene auf unsere Kreise anzuwenden oder gar zu erweitern weiss. Und so fort.

Am häufigsten muss ich jedoch feststellen, wenn ich dem Reflex unterliege, einer Seite eine Spende zuzuschieben: oft haben die Seiten gar keinen Flattr-Button. Das sollte vielleicht auch zu denken geben. Aber Geld ist ja auch nicht alles in der Welt…

Wir mögen Musik

Zusammen mit Ben und Johannes mache ich seit heute an einer Art sideproject zu den Codecandies mit, nämlich bei songdestages.de.

SongdesTages.de ist eigentlich selbsterklärend: Jeden Morgen um sechs Uhr geht ein Beitrag online, in dem wir kurz einen Song vorstellen, der uns etwas bedeutet und der nicht in irgendeiner Playlist auf dem heimischen Computer vergammeln soll. Die Musik steht im Mittelpunkt, das Drumherum ist Work in Progress, vom Blognamen bis hin zu Fragen, wie stark wir Gastblogger u.ä. Integrieren.

Der ersten Song hat Johannes ausgesucht, die Nummer eins sozusagen: One.