Kritik an „responsive webdesign”

Ich beschäftige mich ja nun nicht erst seit gestern mit responsive webdesign, aber diese Woche wird scheinbar eine kleine, aber ungeplante Serie daraus. Nun gut. Nachdem ich mich gestern gefragt habe, in welchen Bereichen die Technik noch fortentwickelt werden muss, um für große resp. kommerzielle Seiten interessant zu werden, will ich mir heute einmal die kritischen Stimmen anhören, die es durchaus auch gibt. Achtung: Meinung voraus…

In Did we lose track of the big picture? malt Thierry Koblentz ein aus seiner Sicht düsteres Bild der Dinge:

I’m afraid to say we’ve lost a few battles. As of today:

  • „responsive design“ beats „progressive enhancement“,
  • „multi-device frameworks“ beats „basic core support“,
  • „screen-readers“ beats „text-based browsers“.

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Praxisprobleme des responsive webdesign

Wir wissen nun, wie man responsive Webdesign in der Praxis umsetzt und haben uns auch schon Gedanken über sich anpassende Inhalte für unterschiedliche Nutzungssituationen gemacht. Nun stellt sich natürlich die Frage, was noch fehlt, damit sich responsive Webdesign in der Praxis durchsetzt.

Zunächst mal begegnet man responsiven Lösungen ja eher im Bereich Agenturseiten, Blogs und Landingspages, vielleicht mal ein—zugegeben—großes Webdesign-Magazin, eher konservative Bereiche des Webs, also die großen Portale oder Newsseiten halten sich bis dato noch zurück. Einzig die Webseite des Boston Globe setzt voll auf responsives Design. Wo liegen also die Probleme?

Problem numero uno ist natürlich die mangelhafte Browserunterstützung. Wirklich große Webseiten haben sicherlich noch lange nicht alle die IE6-Unterstützung gedroppt. Javascripte die bei den alten Browsern nachhelfen gibt es, aber sie kommen in Hochlastumgebungen eher nicht in Frage. Und ebenso dort, wo Zugänglichkeit Vorraussetzung ist.

Unschön auch die Sachen mit den Bildern. Hier spielen zwei Faktoren einen Rolle: der Wunsch nach qualitativ hochwertigen Bildern und gleichzeitig soll bspw. dem iPhone-Nutzer eigentlich kein 1080p-Image zum Download zugemutet werden, wo es doch auf seinem Smartphone auf 300px herunterskaliert wird. Natürlich gibt es Lösungen, die entweder auf Javascript basieren oder auch auf CSS, aber gerade für CMS-basierte Seiten mit angeschlossener Bildverwaltung stellt es ein nicht triviales Problem dar, Bildobjekte entsprechend anders einzubetten, eine Einbettung via CSS Hintergrundbilders oder gar :before stellt eine unlösbare Aufgabe dar.

Der nächste große Blocker, ich wiederhole mich mit den Jahren, ist natürlich wieder Bannerwerbung. Bannerwerbung, mit ihrer kindischen Fixierung auf Pixelmaße, hat fluide Seiten genauso verhindert, wie sie jetzt dem responsiven Design im Wege stehen. Es ist aber auch viel verlangt, nach 10 Jahren haben sich die Bannerschrauber eben erst daran gewöhnt, dass Webseiten zentriert dargestellt werden wollen, nun wollen die doofen Seiten auch noch den ungenutzten Raum belegen, in der bisher nur Skyscraper und sticky ads herumlungerten. So kann man allenfalls auf Ads innerhalb des Contents hin- und her verschieben, bis sich die Werbung der Bildschirmgröße an (ohne den ganzen Bildschirm ausfüllen zu wollen), darauf werden wir weitere zehn Jahre warten müssen.

Responsive Content

Während man wirklich sehr viel über responsive webdesign und/oder über mobile first liest, habe ich bereits die nächste Gebetsmühle im Ohr, denn es gibt noch ein paar Dinge die wir brauchen werden, wenn wir ein wirklich mobiles Internet bauen wollen. Zum Beispiel: responsive content.

Wenn wir uns über die Nutzung des Webs mit mobilen Endgeräten Gedanken machen, sehen wir als Entwickler und Programmierer oft die technischen Beschränkungen die im mobile web herrschen. Kleine Bildschirme, niedrige Verbindungsgeschwindigkeiten, beschränkter Download, aussetzende Verbindungen, Touchbedienung und so fort. Für alle diese technischen Probleme lassen sich technische Lösungen finden. Diese haben, da sich der Mobilmarkt rasend entwickelt (5 Euro ins IT-Phrasenschwein) und vor allem die Technik dahinter, eine relativ kurze Halbwertzeit.

Hinter diesen Einschränkungen liegt aber etwas, was ich als die mobile Nutzungssituation bezeichnen würde und diese ist viel festgelegter als die Technik selbst. Beispielsweise können wir davon ausgehen, dass ein mobiler Nutzer viel weniger Zeit hat, als ein Desktop- oder Sofasurfer. Das klingt wie eine banale Feststellung, aber hat doch trotzdem einen großen impact. Wir versuchen ja auch schon, wieder mit technischen Mitteln, auf eine solche Situation einzugehen (Ladegeschwindigkeit einer Seite), aber was nutzt das wirklich, wenn dann kilometer lange Bleiwüsten schnell aus? Außerdem ist die mobile Nutzungssituation durch weit mehr Eigenschaften gekennzeichnet, als der fehlenden Zeit. Einhandbedienung könnte dazu gehören, örtliche Beweglichkeit während der Nutzung, Einflüsse durch die Umgebung etc.

Hierauf müssen aber IMHO nicht nur Gerät und Website reagieren, sondern eben auch der Inhalt, soweit meine These. Beispiel: ein Nachrichtenportal sollte seine Artikelseiten vielleicht nicht als Einseiter oder auf vielen Seiten verteilt anbieten, sondern in drei inhaltlichen Ausbaustufen. Titel und Teaser für Indexseiten, kurze zusammenfasende Version eines Artikels, lange epische Fassung eines Artikels. Als mobiler Nutzer sollte man dann zwischen diesen Formen wählen können (und standardmäßig die kurze Version gezeigt bekommen). Und auch die Indexseiten sollten auf die Nutzungssituation ausgerichtet sein. Wollen die Nutzer, wenn sie unterwegs sind nur kurz den Dax kontrollieren, oder lange feuilletonistische Stücke lesen? Möglicherweise gehören nicht immer andere Dinge an den Kopf der Seite, aber vielleicht manchmal? Das ist dann kein SEO-Thema, sondern eher Kundenservice. Gleiches gilt natürlich für Ads, die sich nebenbei gesagt noch ganz schön an das Thema responsiveness annähern müssten.

Anderes, vielleicht nicht ganz so offensichtliches Beispiel: eine Community für Computerspiele sollte vielleicht auf der mobilen Seite nicht seine zugekauften News über Spiele vorne anstellen, sondern die Tipps und Walkthroughs, weil nämlich ihre Nutzer das Handy als Nachschlagehilfe neben dem Rechner liegen haben, während des Spielens, da derselbe ja durchs Spiel belegt ist und zum Browser switchen ziemlich abtörnend ist. Möglicherweise ist das so. Vielleicht auch nicht, müsste man mal herausfinden.

Ähnliche inhaltlichen Unterschiede sind denkbar für die Nutzungssituation auf der Couch. Den gemeinen Couchsurfer kann man ja auch ziemlich leicht targeten, er greift abends mit seinem iPad auf Webseiten zu. Dieser Nutzer widerum gibt gewöhnlich nicht viel auf Börsenkurse…

Making love to webkit

Steven Wittens hat seine Website Acko.net (Hackery, Math & Design) mit einem Parallax-Header ausgestattet, der, zumindest in Webkit-Browsern (mein Chrome steigt nach kurzem probieren allerdings aus), schon einmal einen schönen Ausblick in die Zukunft des Webdesign bietet. Ob das wirklich schön ist, steht auf einem anderen Blatt: CSS3-Transforms sind ja ein wenig das neue Blink-Tag.

Via.

Userstyles und keine Styles

Hier habe ich einige Nutzer gefunden, die sich die Mühe gemacht haben, das Webdesign von zeit.de nach ihrem gutdünken zu verändern und die Styles zur Verfügung zu stellen (zugegeben, mit teilweise etwas haarsträubenden Ergebnissen, aber am Ende zählt ja der Wille, positiv wie negativ).

Übersehen wir einmal das Offensichtliche: das Ausblenden der Ads, finden sich dort so interessante Styles wie: Eilmeldungen auf zeit.de entfernen, oder auch zeit.de without user comments oder …remove useless stuff.

Auf ähnlichen Pfaden wandeln die Nutzer, die Dienste wie Instapaper u.ä. in Anspruch nehmen. Ich nutze es ja eher als Merktool für Texte, die ich später am iPad (in netzfreier Umgebung) abrufen möchte, für viele ist es aber auch die designfreie (und natürlich widerum werbefreie) Umgebung, die das Leseerlebnis fördert. Man mag schon gar nicht mehr vom next big thing sprechen, denn in Sachen UI könnte dies eben kein UI sein.

Entegegen der Kritik und den Anregungen, die per Mail oder über die social Kanäle zu uns gelangen, sind dies jedoch Methoden, die der Diskussion aus dem Weg gehen, Fakten schaffen. Trotzdem natürlich ebenso valide…