Responsive Content

Während man wirklich sehr viel über responsive webdesign und/oder über mobile first liest, habe ich bereits die nächste Gebetsmühle im Ohr, denn es gibt noch ein paar Dinge die wir brauchen werden, wenn wir ein wirklich mobiles Internet bauen wollen. Zum Beispiel: responsive content.

Wenn wir uns über die Nutzung des Webs mit mobilen Endgeräten Gedanken machen, sehen wir als Entwickler und Programmierer oft die technischen Beschränkungen die im mobile web herrschen. Kleine Bildschirme, niedrige Verbindungsgeschwindigkeiten, beschränkter Download, aussetzende Verbindungen, Touchbedienung und so fort. Für alle diese technischen Probleme lassen sich technische Lösungen finden. Diese haben, da sich der Mobilmarkt rasend entwickelt (5 Euro ins IT-Phrasenschwein) und vor allem die Technik dahinter, eine relativ kurze Halbwertzeit.

Hinter diesen Einschränkungen liegt aber etwas, was ich als die mobile Nutzungssituation bezeichnen würde und diese ist viel festgelegter als die Technik selbst. Beispielsweise können wir davon ausgehen, dass ein mobiler Nutzer viel weniger Zeit hat, als ein Desktop- oder Sofasurfer. Das klingt wie eine banale Feststellung, aber hat doch trotzdem einen großen impact. Wir versuchen ja auch schon, wieder mit technischen Mitteln, auf eine solche Situation einzugehen (Ladegeschwindigkeit einer Seite), aber was nutzt das wirklich, wenn dann kilometer lange Bleiwüsten schnell aus? Außerdem ist die mobile Nutzungssituation durch weit mehr Eigenschaften gekennzeichnet, als der fehlenden Zeit. Einhandbedienung könnte dazu gehören, örtliche Beweglichkeit während der Nutzung, Einflüsse durch die Umgebung etc.

Hierauf müssen aber IMHO nicht nur Gerät und Website reagieren, sondern eben auch der Inhalt, soweit meine These. Beispiel: ein Nachrichtenportal sollte seine Artikelseiten vielleicht nicht als Einseiter oder auf vielen Seiten verteilt anbieten, sondern in drei inhaltlichen Ausbaustufen. Titel und Teaser für Indexseiten, kurze zusammenfasende Version eines Artikels, lange epische Fassung eines Artikels. Als mobiler Nutzer sollte man dann zwischen diesen Formen wählen können (und standardmäßig die kurze Version gezeigt bekommen). Und auch die Indexseiten sollten auf die Nutzungssituation ausgerichtet sein. Wollen die Nutzer, wenn sie unterwegs sind nur kurz den Dax kontrollieren, oder lange feuilletonistische Stücke lesen? Möglicherweise gehören nicht immer andere Dinge an den Kopf der Seite, aber vielleicht manchmal? Das ist dann kein SEO-Thema, sondern eher Kundenservice. Gleiches gilt natürlich für Ads, die sich nebenbei gesagt noch ganz schön an das Thema responsiveness annähern müssten.

Anderes, vielleicht nicht ganz so offensichtliches Beispiel: eine Community für Computerspiele sollte vielleicht auf der mobilen Seite nicht seine zugekauften News über Spiele vorne anstellen, sondern die Tipps und Walkthroughs, weil nämlich ihre Nutzer das Handy als Nachschlagehilfe neben dem Rechner liegen haben, während des Spielens, da derselbe ja durchs Spiel belegt ist und zum Browser switchen ziemlich abtörnend ist. Möglicherweise ist das so. Vielleicht auch nicht, müsste man mal herausfinden.

Ähnliche inhaltlichen Unterschiede sind denkbar für die Nutzungssituation auf der Couch. Den gemeinen Couchsurfer kann man ja auch ziemlich leicht targeten, er greift abends mit seinem iPad auf Webseiten zu. Dieser Nutzer widerum gibt gewöhnlich nicht viel auf Börsenkurse…

Butter bei die Fische

Es ist etwas faul im Staate Dänemark, soviel ist wohl klar. Google, einst Anbieter des kleinen Suchschlitzes mit dem »don’t be evil« Habitus, generiert sich zum alles einsaugenden Suchmonopolisten. Apple verkommt vom Designerstück zur Consumer-Electronics-Klitsche mit Patentanwaltsarmee. Zuckerberg versucht sich das Internet durch die Nase zu ziehen. Microsoft war schon immer eklig. Ein einzelner, als WhatWG getarnter Mann hat das W3C besetzt und mit HTML5 ausgeräuchert. Die Regierungen wollen das Internet wegreglementieren, weil ihnen die Contentindustrie im Nacken sitzt. Und so weiter und so fort. Zusammengefasst: we’re all doomed!

Keiner weiss wie es weiter gehen soll. Was für einen Rechner kaufe ich mir morgen, ohne gleich in die Hände eines Monopolisten, Patentfaschisten oder Pleitegeiers zu geraten? Muss sich wirklich jeder einen eigenen Server anschaffen, damit er sicher und werbefrei Emails verschicken und empfangen kann? Muss der dann zu Hause stehen, oder in einem Rechenzentrum? Amazons Cloud ist wohl eher ein no-go?

Mein Internetanbieter wurde von meinem Telefonanbieter gefressen, alles wird blau. Ist das gut? Soll ich kündigen? Das Netz oder das Telefon? Oder beides? Welche Daten darf ich noch von mir Preis geben? Ist schon der Name gefährlich, brauche ich ein Pseudonym? Wie kann ich dann anonym einen eigenen Server mieten? Wer findet mich noch und mit welcher Suchmaschine? Will ich gefunden werden? Vor wem muss ich mich eigentlich mehr fürchten, vor Facebook oder der Regierung, die meine Verkehrsdaten will? Vor Politkern, die nicht mal Email richtig verstehen?

Es ist zum Panik bekommen. Jetzt mal Butter bei die Fische: was sollen wir tun?

Why the internet will fail

Das Internet wird sich nicht durchsetzen. Foto von dalbera/CC Lizenz

Ja, das ist mal ein lustiger Text, [from] the magazine issue dated Feb 27, 1995. Er zeigt deutlich, das schon vor 15 Jahren das Internet totgeschrieben wurde von Journalisten Arpanet/Internet-Nutzer der allerersten Stunde, der sich – angeblich – einem Überangebot an Informationen ausgeliefert sahen:

What the Internet hucksters won’t tell you is tht the Internet is one big ocean of unedited data, without any pretense of completeness. Lacking editors, reviewers or critics, the Internet has become a wasteland of unfiltered data. You don’t know what to ignore and what’s worth reading.

Die gleiche Leier, seit 15 Jahren. Aber wirklich funny to read.

Update: Ich weiss so macht der Text nun gar keinen Sinn mehr, aber Clifford Stoll ist nunmal kein Journalist. Vorurteile. Schlechte Recherche. Stimmt alles.