Der Krieg ist erklärt

So selten es vorkommt, ist es doch mal wieder an der Zeit, einen Text von Sascha Lobo zu verlinken, auch wenn der bei SPON erschienen ist. Lobo ist mithin einer der wenigen, die in Ansgar Hevelings Kriegserklärung an das Web 2.0 das sehen, was auch mir als erstes in den Sinn kam: dämlich geschrieben, aber durchaus ernst gemeint und zu nehmen. Und so fehlen Hohn und Spott und Godwinsche Vergleiche, stattdessen:

Es geht um nicht weniger als um die Abschaffung des Web 2.0, des Internets der Nutzer, so schreibt CDU-Mann Heveling wunderbar selbstentlarvend, wahrscheinlich ohne Rücksprache mit den strategisch geschulten Lobbyisten – aber mit der gleichen Haltung gegenüber dem Internet. Und damit ist endlich das Katzenfoto aus dem Sack – das ganze Gehampel darum, dass Gesetzesvorhaben wie Sopa, Pipa, Acta angeblich dem Netz nicht schaden, ist Maskerade. In den Augen der Acta-Verfechter ist die wesentliche Funktion des Web 2.0 gleichbedeutend mit der Gefahr: die technische Möglichkeit, zu teilen, und damit die Vernetzung der Nutzer untereinander.

Das ist genau der Punkt. Wir haben es nicht mit Leuten zu tun, die einfach das Web nicht verstehen oder nur nicht verstehen wollen. Die mutmaßliche Dummheit ist konzertierte Aktion, man führt bereits Krieg gegen das Netz. Entsprechend trägt das sich Verächtlichmachen und das sich Überlegenfühlen in die falsche Richtung. Ehr müsste etwas getan werden, das maßgeblich weiter geht als das Sammeln von Petitionsunterschriften. Die Seite der Hevelings wirft jedenfalls nicht mit Wattekugeln.

Leider schmiert hier Lobo im zweiten Teil seines Artikels ein wenig ab, da er die Lösung des Problems bei Facebook sucht und noch unbedingt Megaupload im Text unterbringen muss.

Und wer weiß, vielleicht braucht Facebook für den Börsengang noch eine gute Story und bietet eine vergleichbare, aber legale Plattform für Inhalte an.

Na das werden ja traurige Zeiten, wenn wir darauf warten sollen, dass Marc Zuckerberg für die Vermehrung des eigenen Vermögens eine gute Story braucht.