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Schlagwort: musik

instagr/am/bient

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25 ambient musicians created original sonic postcards in response to one another’s evocative Instagram photos.

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Thefft – The Primer EP [CUT007]

Thefft – The Primer EP [CUT007]

The choice of synth sounds and samples is very original, and a delight to hear. On ‘Gammy Crazy’, the super-wide tones first heard at 1:22 have an almost cheeky element to them. This unconventional sound has allowed Thefft to flood this distinctive track with character and personality. Now I have heard it twice, I don’t think I will ever forget it, and that is a big sign of success.

Die Sammlung

Die Sammlung

Ein Sammler ist ja immer ein wenig ein Extremist mit dem Habitus des Steinzeitmenschen (Jäger und…). Dabei ist es ja letztendlich egal, ob man Porzellanfigürchen in Setzkästen, Herrenkämme aus Keratin, Stehlampen oder Setzkästen voller Porzellanfigürchen sammelt. Der Sammler konserviert mit jedem neuen Stück, das er seiner Sammlung zitternd und »he he he, mein Schatz« stotternd hinzufügt, ein Stück (eigene oder fremde) Vergangenheit, auf das er später zurückblicken kann, wenn er seine Schätze aus dem Regal, Setzkasten oder der Garage holt, um sie anzusehen, zu streicheln oder ähnliches.

Das funktioniert je nach Sammelobjekt gut oder schlecht. Alte Segelschiffe, gebrauchte Porsches und herrschaftliche Villen sind beispielsweise gute Objekte um sich in fremder Vergangenheit zu sonnen. Plattensammlungen hingegen konservieren eigene Vergangenheit, eigene Gefühle mithin. Am besten funktioniert das natürlich mit absurd großen Plattensammlungen. Und auch hier gibt es Unterschiede. Denn natürlich kann man die wahrscheinlich fünftausend Veröffentlichungen der Flippers, von Roland Kaiser oder Elvis sammeln. Zur Konservierung von rund 10 Jahren Vergangenheit und Gefühlen, muss es jedoch eine absurd große Sammlung von Maxi-Singles elektronischer Musik jeglicher Coleur, vornehmlich House und Techno sein. Einmal die kompletten 90er Jahre auf Vinyl.

Der Plattensammler: am Anfang, da hat er die Scheiben noch aufgelegt, mit seinen beiden Technics-1210-Plattenspielern, die zusammen übrigens auch schon 28kg auf die Waage bringen, aber… das ist ja nichts gegen die ganzen Platten. Die hat er beim ersten Umzug noch mit Stolz und Freude geschleppt: tonnenweise. Und von Umzug zu Umzug hat das weniger Spaß gemacht, und seine Freunde haben gemotzt beim Helfen, mit USB-Sticks nach ihm geworfen, und irgendwann kam dann keiner mehr helfen. Und in all den Jahren, ist er ja selbst seinen Platten irgendwie fremd geworden. Sortiert nach Alphabet, nach Jahren, nach Ereignissen, nach Sets (aus der Erinnerung heraus), man kennt das aus »High Fidelity« (und der Film ist ja nun auch schon uuuuuurrrralt). Ein Plattenspieler hat den Geist aufgegeben, das Mischpult ist über den Jordan gegangen, haben sich kaputt gestanden die guten Stücke. Denn mit den Jahren ist er doch immer weniger dazu gekommen, seine Sammlung zu pflegen, damit zu spielen. Nun wäre es an der Zeit einzusehen, dass, obwohl er sich geschworen hat, niemals auch nur ein Vinyl zu verticken (damals in den 90s hat man verticken gesagt), es dringend angeraten wäre, mal ein paar Hundert von den Dingern los zu werden. In Wahrheit hat er ja auch schon die ganzen Promos und Whitelabel weggeschmissen, geschenkter Gaul und so. Soll er die Dinger doch endlich verkaufen! Na gut, auf Ebay kann’s natürlich passieren, dass er die ganze Sammlung für ’nen Hunnie weggeben muß. Die Schmach wäre zu groß. Und auf Discogs, da muß er die Sachen praktisch einzeln verkaufen, das bringt zwar Kohle, wird aber hundert Jahre dauern.

Beim Sammeln gibt es nur ein Problem, vor allem wenn man nicht gerade Briefmarken, Rohdiamanten oder Faber-Castell-Bleistifte sammelt: die Sammlung.

15 Platten

15 Platten

Einmal im Jahr zwinge ich mich, an einem Meme teilzunehmen, einfach auch um ein wenig die Blogberechtigung zu behalten. Einen schönen, von dem ich schwören könnte, schon mal dabei gewesen zu sein, gibt’s derzeit von hier: stelle Deine 15 Lieblingsplatten vor. Na gut, ich hoffe alle haben ein wenig Zeit mitgebracht, nicht nach Beliebtheit geordnet sind das:

Heiko Laux – The Oldschool Street (i220 Rec., 1998)

CoverTechno kommt aus Detroit, Minimaltechno sowieso, beide sind aber zu gleichen Teilen nach Köln und Berlin ausgewandert. Denkt man so, stimmt aber nicht. Denn mein Lieblingsalbum in Sachen Techno kommt aus dem Kanzleramt in Bad Nauheim (auch wenn die Scheibe selbst bei i220 erschien). Heiko Laux präsentiert den bestproduzierten deutschen Techno der 90er Jahre und zusammen mit beispielsweise Johannes Heil und Anthony Rother hat er eine elektronische Musik verfasst, die sich gänzlich mit meinen Bedürfnissen bis heute deckt: je nach Einstellung des Lautstärkereglers sind es verträumte Hörerlebnisse oder unglaubliche Tanzmonster. Und dabei so abwechslungsreich, dass man alle Titel als Set einfach hintereinander spielen könnte um 50 Min. Glück zu versprühen. Bester Titel: »C1 (Untitled)«.

Steve Bug – Volksworld (Raw Elements, 1997)

CoverHamburg war für uns früher das gelobte Land des DJings. „Der ist nach Hamburg gegangen“, war ein Standardsatz, wenn wieder einer sein Glück versuchte, in der großen Stadt genauso erfolgreich zu sein, wie in der Dorfdisco. So zog als einer der ersten Stefan Brügesch aka. Steve Bug in die große Stadt und mein Gott, er hatte Erfolg. Herrjeh. Und Volksworld für mich das Album dazu. Noch aus der frühen Phase, vor Pokerflat, deep und knarzig gleichzeitig, ehrlich und irgendwie immer noch neu. Das war die Musik die ich auflegen wollte. Und aufgelegt habe. Nur nach Hamburg bin ich damit nicht gekommen. Das haben dafür andere geschafft. Bester Titel: »Drives Me Up The Wall«.

Quantic – The 5th Exotic (Tru Thoughts, 2001)

CoverWhy am I here and where am I going, ist die zentrale Frage, um die es auf „The 5th Exotic“ geht und das ist gleichzeitig eine der zentralen Fragen, die ich für mich immer noch zu klären versuche. Quantic macht sonst sehr latinoeske und jazzige Sachen, auf dieser Scheibe geht es aber streng elektronisch zu. Dafür die lieblichste und weichste Elektronik, die man zusammenmixen kann. Musik die traurig macht, aber auch Zuversicht verbreitet, alles andere jedenfalls als dahinplätschernd wäre. Bester Song: »Infinite Regression«.

Nightmares On Wax – Carboot Soul (Warp Rec., 1999)

CoverVon George Evelyn und Kevin Harper könnte ich mal jedes Album hier auflisten, die nightmares sind einfach mein absoluter Lieblingsact. Carboot Soul ist dabei schon eins der späteren Werke, ganz oben auf der Downbeat-Welle und so dermaßen weich und warm, dass habe ich mit 35 noch zum Einschlafen gehört. Bester Track übrigens meiner Meinung nach »Argha Noah«.

Etienne De Crécy – Super Discount (Solid Disques, 1997)

CoverÜber diese Scheibe gibt es einen eigenen Eintrag hier im Blog, was schon einiges aussagt. Wer den nicht liest ist doof.

Mr. Scruff – Keep It Unreal (Ninja Tune, 1999)

CoverMr. Scruff from Manchester, listen and repeat: Maaanch’st’r, DJ, Musiker, Kunstverleger und Zeichner, dessen einziger Hit »Get A Move On« es bis in diverse Werbespots schaffte, was für einen Ninja-Tune-Act schon eine krasse Nummer ist, war wohl eher ein Versehen, denn normalerweise trägt Mr. Scruff Geschichten von Fischen, Walfischen und anderen Bewohnern des Meeresbodens in shanty-choresker Weise vor und das nicht mal schlecht, nein, lustig ist das, und seine Alben sind wie dieser Satz, genauso unendlich wie stakkatohaft, wie der beste Track »Shanty Town«.

Kruder und Dorfmeister – DJ Kicks (Studio !K7, 1996)

CoverWenn man in den 90ern in einem Plattenladen gearbeitet hat, dann traf man dort immer wieder die Handelsvertreter der Plattenfirmen, die einem Woche-ein-Woche-aus regelmäßig die tollsten Hits, den neuesten Stuff und das beste Album des Jahres, ach was Jahrhunderts zu verkaufen suchten. Wenn man sich die Machwerke dann anhörte, stumpfte man mit der Zeit gegen derlei Versprechen ab. Als ich das erste Mal Kruder & Dorfmeister so präsentiert bekam, wusste ich allerdings, dass es diesmal stimmte: die Jahrhundertplatte. Dabei schafften die beiden Wiener nur ans Licht, was im Untergrund schon ein gutes Jahr in der Gegend herum triphopte und downbeatete, aber das war es eben… welcher Track der beste ist: nicht zu entscheiden.

Björk – Debut (One Little Indian, 1993)

CoverIch war schon Fan der Sugarcubes.

Marillion – Script For A Jesters Tear (EMI, 1983)

CoverHabe ich immer mit dem Walkman beim Radfahren gehört und als wir hatten ja nichts damals Jugendlicher beim Zeitungsaustragen. Sowas hat Folgen, das hätte man früher auch nicht gedacht. Man kann mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf wecken und mir die erste Zeile von sagen wir mal »Market Square Heroes« vorsagen und ich kann den Song, noch komplett schlafend zu Ende singen. Mein Lieblingstrack ist aber »Garden Party« und da ist es umgekehrt, wenn ich das höre, habe ich mit einem Mal Szenen von damals im Kopf. So sind Musik und Erinnerung miteinander verknüpft. Das kann man übrigens noch weiter treiben, so muss ich immer wenn ich Saxon höre, was zum Glück selten passiert, an Johannes-Mario-Simmels »Und Jimmy ging zum Regenbogen« denken, was beweist, dass ich früher nicht nur schlechte Bücher gelesen, sondern gleichzeitig auch noch schlechte Musik gehört habe.

Fields Of The Nephilim – The Nephilim (Rebel Rec., 1988)

CoverDas beste Konzert auf dem ich war. Erst eine irische Saufband, deren Namen ich gleich beim dritten oder vierten Bier wieder vergessen habe und dann, als zweite Vorgruppe wohlgemerkt: Fields. Carl McCoy und Kollegen auf einer komplett vernebelten Bühne. Ich bin bis heute nicht sicher, ob die überhaupt wirklich da waren, wirklich gesehen hat sie jedenfalls keiner. Trotzdem haben sie komplett das house gerockt, den Laden in Grund und Boden gespielt, so richtig abgeliefert. Der Main-Act New Model Army hat dagegen echt blass ausgesehen. Bester Track und für immer und ewig beste Nephilim-Nummer: »Last Exit For The Lost«.

Dead Can Dance – Toward The Within (Rough Trade, 1994)

CoverDead Can Dance sind einfach irgendwie verrückt. Irgendwo zwischen orientalischen Weltmusikrhythmen und Gothicgoa und selbsterfundenen Sprachen lauert aber der Tiefgang, und darin verliere ich mich heute noch regelmäßig. Ich mal viele DCD-Scheiben, aber die Liveaufnahme »Towards The Within« ist mir die liebste, vor allem seitdem ich die unglaubliche DVD dazu gesehen habe. Derwisch, Alter!

Die fantastischen Vier – Lauschgift (Sony, 1995)

CoverAch ja, die Fantas. Haben auf so einer Liste eigentlich auch nicht unbedingt etwas zu suchen, verfolgten mich jedoch in den frühen 90ern über diverse Veranstaltungen und Festivals, so dass ich ihnen nur schwierig entkommen konnte. Die Fantas sind die ersten und letzten Deutsch-Hip-Hopper gleichzeitig für mich.

Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik (Warner Bros., 1991)

CoverSchon eine der späteren Scheiben von den Kalifornischen Nacktrockern, obwohl ich sie, bevor sie berühmt wurden, einmal bei einem kleinen Festival gesehen habe, wo sie dann tatsächlich auch nur mit einer Socke bekleidet auftraten. Mit »Blood Sugar Sex Magik« waren sie dann mainstream, »Under The Bridge« eben. Das war mir in diesem Ausnahmefall aber egal.

The Boomtown Rats – The Fine Art Of Surfacing (Columbia, 1979)

CoverMeine erste Platte, geschenkt bekommen am Heiligabend 1979, zusammen mit Boney M.s »Nightflight to Venus« (was auf einen noch nicht ganz entwickelten Musikgeschmack hindeutet) und meinem ersten eigenen Plattenspieler. Den bekam ich wahrscheinlich, weil mein Vater seinen Plattenspieler und vor allem seine Platten für sich behalten wollte (was nicht geklappt hat, denn ich hatte beim Plattensammeln letztendlich den längeren Atem…), denn ich fühlte mich damals schon als DJ. Das »I don’t like Mondays« (Hit und bester Track) einen fürchterlich traurigen Hintergrund hat, wusste ich damals natürlich nicht, und dass Bob Geldof mal etwas wie Live Aid auf die Beine stellen würde, wer hätte das ahnen wollen?

Ton Steine Scherben – Keine Macht Für Niemand (David Volksmund Produktion, 1972)

CoverAls junger Mensch habe ich viel Zeit in Zeltlagern mit dem Absingen von Arbeiterliedern verbracht. Als uns die zu altmodisch wurden, haben wir zu den Songs von Rio Reiser und den Scherben gewechselt. Und irgendwie bin ich dabei geblieben. Heute hört man natürlich lieber die philosophischen Texte, als Brechts Arbeitereinheitsfrontlied, aber man soll seine Vergangenheit nicht verleugnen. Bester Song: »Rauch-Haus-Song« (bei dem man sich immer wieder fragt, was eigentlich aus Berlin geworden ist, in all den Jahren in denen die Hausbesetzer Karriere gemacht haben).

Update: Mein Featurevorschlag für den iA-Writer: eine Touch-Tipp-Fehlerkorrektur.

Gil Scott-Heron

Gil Scott-Heron

… ist tot.

In meinem letzten Artikel habe ich ihn noch quasi zitiert, sein großes »The Revolution Will Not Be Televised«. Obwohl Scott-Heron mehr als ein Jazzer war, Funk machte, Soul, viel Lateinamerikanisches und sein Sprechgesang von vielen als die Vorstufe von Hip-Hop gesehen wird, musikalisch genauso wie thematisch, geht mit ihm der erste meiner drei großen zeitgenössischen Jazzfavoriten. Bye.

Song des Tages

Song des Tages

Liam Lynchs United States of Whatever ist in unserem Büro soetwas wie ein kleine Hymne in Fällen wo… whatever! Zeitweilig hatten wir davon sogar ein Sample per Applescript zum Anklicken auf dem Desktop liegen. Diese Tage sind gezählt, seit Arne »Ich blog nur einmal im Jahr« das X-Curse-Projekt (ich pass mich mal sprachlich hier einfach an) The Achtung Achtung für uns (wieder-)entdeckte, sind wir in den Hafen des deutschen Sprachgutes zurück gekehrt und singen nur noch: Verpiss Dich!

Exit From Planet Earth

Exit From Planet Earth

Das erste Codecandies Mixtape zum Runterladen! 45 Minuten technotisch minimalistisch housiger Elektronik, von mir selbst zusammengestöpselt, vulgo gemixt.

Cover: Exit From Planet Earth

Download: Exit From Planet Earth. Alles streng Netlabel und lizensiert unter Creative Commons Lizenz. Knöchelverzeichnis:

  1. Emc” – „Mientras dormías“ 03:54
  2. Peter Clamat – „Mexico Hase ( Purple One , Gone )“ 05:06
  3. Sequential 3 – „Meridian“ 04:51
  4. Tayutafu – „Afternoon Tea ppa3“ 02:44
  5. Fioko – „Fioletovo“ 04:40
  6. Patty G. – „latenso“ 03:40
  7. Quite-k – „About Voodoo“ 03:59
  8. Herotyc – „Fins Al Final Sempre“ 04:16
  9. Tatsu – „Bump Foot“ 07:00
  10. Professor Kliq – „All Controll (Hard Version)“ 11:47

Coverfoto: Nasa. Der Download liegt übrigens in meiner Dropbox, ein wunderbarer Service, der hiermit nochmal ausdrücklich empfohlen sei.

Code and Listen: Because best things are free

Code and Listen: Because best things are free

Vor drei Jahren habe ich meine Musiktipps für den Programmierer-Reihe mit einem Release von Ideology begonnen und ich habe gerade große Lust, die Serie Code and Listen wieder ein wenig aufleben zu lassen. Auslöser auch drei Jahre später wieder: ein Release meine Lieblingsnetlabels.

iD. allstars present iD.EOLOGY – because best things are free lautet der etwas sperrige Titel des Samplers mit der Nummer ID.064. Und der hat es in sich, bringt er uns doch nicht weniger als funky techno and electro zu Gehör und das, wie ich finden muss, auf extrem hohen und abwechslungsreichen Niveau. Das Spektrum reicht von anschmiegsam (Cie – Sieb), über witzig verspielt (Fioko – Fioletovo) bis zur elektrohouse Hymne (Professor Kliq – All Control).

„Aller guten Dinge sind drei.“, pflegt unsere liebe iD.EOLOGY Oma in einem solchen Fall zu sagen. Als brave Enkel geben wir ihr natürlich grundätzlich recht, tätscheln ihr das Händchen und erlauben uns nur eine klitzekleine Verbesserung: „Es heißt ‚frei‘, Oma, ‚frei‘.“

Kraftwerk

Kraftwerk

Nennen Sie die einflussreichste deutsche Band: …Kraftwerk! [Bild: Some rights reserved by m.a.r.c.]

1970 hörte man Krautrock. Damals nannte man diese Musikrichtung noch nicht so und eigentlich war es auch keine Musikrichtung, eher so eine Art Lebens- und Kunstgefühl, dass Bands wie Can, Amon Düül, Ash Ra Temple oder Tangerine Dream miteinander verband. Aber die Musik war neu und sie unterschied sich von allen anderen populären Musiken in Deutschland dadurch, dass es die einzige war, die nicht versuchte Musik aus den USA oder UK zu imititeren. Nicht mehr ganz neu hingegen war die Idee elektronisch Musik zu erzeugen, Sythesizer waren zu jener Zeit jedoch groß wie Kleinlastwagen und ebenso teuer.

In diese Zeit hinein wurde Kraftwerk von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet. Zusammen mit diversen Studiomusikern nahmen sie zunächst einige sehr experimentelle Alben auf. Zu dieser Zeit noch mit elektronischen und akustischen Instrumenten. 1973 entschied sich Kraftwerk fortan nur noch pure elektronische Musik zu machen (und zusätzlich eine Prise Pop in die bis dato teilweise sehr schwierigen Melodien einzustreuen). Das Ergebnis war das Album »Autobahn«, das erste Elektropop-Album aller Zeiten. Seitdem prägten Kraftwerk mit ihrem Sound und ihrem Auftreten ganze Generationen von Musikern. Komplette Musikstile leiten sich vom Werk der Düsseldorfer ab. Wie definiert sich nun einflussreich? Ein paar Beispiele:

Giorgio Moroder war von Kraftwerk beeinflusst, als er Donna Summer produzierte, was widerum Disco stark beeinflusste. Bestes Beispiel dafür ist der monotone Rhythmus von „I Feel Love“, das widerum großen Einfluss auf die Entwicklung einiger elektronischer Musikstile nahm.

David Bowie und Brian Eno liessen sich, als Bowie die zweite Hälfte der ’70er in Deutschland verbrachte, maßgeblich von Kraftwerk, aber auch der Band Neu! (die ihrerseits aus zwei ehemaligen Kraftwerkmitgliedern bestand) beeinflussen. Mit der zweiten Seite der ersten Berlin-Trilogie-Scheibe »Low«, stellte Bowie zum ersten Mal einem Millionenpublikm experimentelle, elektronische Musik vor, das aber sicher ebenso schockiert war, wie Bowies Plattenfirma. Bowie produierte aber noch zwei weitere elektronisch beeinflusste Alben (u.a. »Heroes«), die erfolgreicher waren und den Kraftwerksound in die Londoner In-Clubs exportierte.

Dort entstand aus der Mischung von Kraftwerksound und englischem Pop, das, was man heute Sythiepop nennt. Auf Kraftwerk direkt beriefen sich bspw. The Human League und Soft Cell. Gary Numan – selbst ein genialer Musiker – kopierte gleich auch noch Kleidung und Art des Auftretens von den Düsseldorfern. Joy Division, New Order: unmöglich ohne Kraftwerk. Bands wie Ultravox und Depeche Mode orientierten sich ganz eindeutig am Kraftwerk Album „Mensch Maschine/Man Machine“.

Die sogenannte »Neue Deutsche Welle« war von Kraftwerk beeinflusst: wer einmal »Autobahn« gehört hat, merkt es sofort. Markus‘ Maserati fuhr seine 210 genau ebenda. »Wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn« und andere blutleer dargebotene Textschnipsel aus dem Kraftwerk-Repertoire sind die Blaupause für die post-punkt-wavevige Anfangszeit der NDW.

In den USA war das IMHO beste Kraftwerkalbum »Trans Europe Express« vor allem in den New Yorker Ghettos ein großer Erfolg, seine Sounds finden sich so in der Gründerzeit des Hiphop im Electronic Funk wieder. Von dort wandert der Sound nach Detroit, wo ohne Kraftwerk Techno in der Form wie wir ihn heute kennen, nie enstanden wäre.

Stattdessen gäbe es wahrscheinlich immer noch Tekkno, einer stark vom Industrial und damit von Kraftwerk beeinflussten Musikrichtung. Einer der großen Vertreter des Industrials ist die belgische Gruppierung Front 242. Die Belgier widerum berufen sich auf Kraftwerk.

Kraftwerk waren ihrer Zeit meist um einige Jahre voraus, am Anfang sogar um mehr als ein Jahrzehnt. Erst am Scheitelpunkt der Techno- und Housebewegung wurden sie eingeholt und mit Abstand die einflussreichste Band aus Deutschland.