Leistungsschutzrecht

Ich meine, so ein Link, speziell wenn er bei Google erscheint, der kostet ja so richtig bares Geld. Ich meine, ich weiss nicht, ob Sie das wissen, je mehr Besucher man auf so einem Server hat, umso mehr kostet so ein Server. Da könnte ja jeder kommen. So geht das nicht. Einer muss da mal den Riegel vorschieben, ein Fass ohne Boden ist das ja.

Wieso regen Sie sich denn jetzt so auf?

Shitstorm des Jahres

Hat da jemand Shitstorm gesagt? Wenn’s nicht überall herumstünde, ich hätte ja nicht gewusst, dass es einen Anglizismus des Jahres gibt. Gibt es aber. Und der wird nun schon zum zweiten Mal verliehen, nach dem 2010er-Erfolg »leaken« lautet der Anglizismus des Jahres 2011 nun also »Shitstorm«. Gefolgt übrigens von »Stresstest« (ebenso Wort des Jahres) und »circeln«.

Spätestens beim dritten Platz sollte man nun aber stutzig werden. Denn circeln ist ja nun, das Hinzufügen von Kontakten zu den Kreisen von Google+. Letzteres ist aber gesellschaftlich derartig unbedeutend, das möglicherweise gleich die ganze Anglizismus-des-Jahres-Geschichte, mindestens aber seine Jury, ad absurdum führt, da müsste mal ein Shitstorm her. Mindestens aber müsste circeln aber analog zum Unwort des Jahres dann Unanglizismus des Jahres sein. Hmm… nee, das geht nicht.

Überhaupt, was soll eigentlich dieses ganze Des-Jahres-Wählerei, und dann auch noch praktisch schon mitten im Folgejahr? Wer hat das bestellt? Oder fehlen uns einfach noch ein paar Wahlen, um gesellschaftlichen Rückhalt zu generieren? Man könnte ja auch mal schnell noch ein paar andere Dinge wählen. Das Geräusch des Jahres beispielsweise wäre dann wohl »Pfft«. Die Email des Jahres: »Könnt‘ ihr mir auch gleich 10 Exemplare des „Kürschners“ abgreifen, Babette«, die Wohnungsanzeige des Jahres: »Wohnung in Hamburg.«, die Ansage des Jahres: »Achten sie auch auf die An- und Durchsagen am Bahnsteig!« und so fort. Und natürlich der Shitstorm des Jahres, vor allem wenn er von Christen entfacht wird.

Nicht zu vergessen allerdings die Des-Jahres-Verleihung-des-Jahres. Da hat natürlich der Anglizismus die Nase vorn…

400 Fragen, keine Antworten

In der sogenannten causa Wulff fühle ich mich inzwischen als stiller Beobachter eigentlich ganz wohl. Mir ist aufgefallen, dass ich im Laufe dieser ebenfalls sogenannten Affäre, ein ums andere Mal leicht bis mittelschwer manipulierten Wahrheiten aufgesessen bin, die meine Meinung über verschiedene Zeiträume beeinflusst haben, was sich hinterher oft relativierte.

Zunächst war mir beispielsweise der genaue Ablauf der Verbreitung der Anrufbeantwortergeschichte bzw. des Inhalts des Anrufs nicht wirklich bekannt. Erst relativ spät wurde man darauf gestossen, wie BILD die Informationen über verschiedene Ecken zu bestimmten Zeitpunkten die ganze Affäre mithin dirigierte, aus dem Hintergrund und wie sich andere überschlugen, für BILD den Erfüllungsgehilfen zu geben. Da bleibt ein ganz bitterer Geschmack auf der Zunge zurück.

Und ebenso ging es mir just mit den 400 Fragen und Antworten. Ich habe das komplette Interview mit Wulff nicht gesehen, immer nur Ausschnitte gelesen. Mein Morgenradio behauptete gestern jedoch glaubhaft, Wulff hätte die Veröffentlichung der 400 Fragen und Antworten versprochen und dies werde nun von seinen Antwälten (also ihm selbst) mit Berufung auf die Schweigepflicht versagt. Die Wahrheit ist aber wohl eine andere.

So geht das nun schon die ganze Zeit. Klar, Wulff liefert durch sein mithin dämliches Verhalten die Munition, aber offenbar wird oft zu schnell und zu scharf geschossen. Und zwar auf ganzer Front. Das kommt mir zunehmend spanisch vor…

Soziale Netzwerke existieren um Dir Müll anzudrehen

Während die digitale Welt von Facebook beherrscht wird und auf Google+ bereits der Abgesang angestimmt wird gibt es glücklicherweise immer noch Autoren, die bereit sind, hinter die Fassade zu schauen, offen anti-social zu sein, di Gegenposition einzunehmen, die längst einen scheinbar verlorenen Posten darstellt. Maciej Ceglowski, Gründer des antisozialen Bookmarking-Dienstes Pinboard, hat seine Sicht auf die sozialen Netzwerke vorgelegt und macht so manchen Punkt: The Social Graph is Neither. Er soll mir fürdahin als Vorbild gereichen.

Während mir die fehlerhaften Ansätze eines Konstruktes wie den social graph ja eher egal sind, finde ich es immanent wichtig, das immer und immer und immer wieder darauf hingewiesen wird, wozu dieses Konstrukt denn eigentlich genutzt wird. Was bei der Privacy- und Post-Privacy-Diskussion reihenweise ignoriert wird ist ja, dass man gar keine persönlichen Informationen über sich preisgeben muss und trotzdem die Maschine füttert. Allein das Bewegen auf der Plattform, die Herstellung von Verbindungen, das Lesen von Nachrichten anderer: alles Informationen, die höchst interessant sind.

It’s as if an ad agency built a nationwide chain of pubs and night clubs in the hopes that people would spend all their time there, rigging the place with microphones and cameras to keep abreast of the latest trends […].

Ist aber ja nur die Werbeindustrie. Wer freut sich nicht über Spam, der einen interessiert? Ich nicht, aber egal, der Witz ist Spam den man nicht mehr bemerkt! Aber das wurde ja auch alles schon sehr ausführlich besprochen, da sollte inzwischen jeder sich eine Meinung darüber bilden können.

Da finde ich die Frage, was uns Facebook et al. eigentlich zu bieten haben auch weitaus interessanter. In der derzeitigen Lage, in der man an Facebook nicht mehr vorbeizukommen scheint, eine äußerst berechtigte Frage.

The funny thing is, no one’s really hiding the secret of how to make awesome online communities. Give people something cool to do and a way to talk to each other, moderate a little bit, and your job is done. Games like Eve Online or WoW have developed entire economies on top of what’s basically a message board. MetaFilter, Reddit, LiveJournal and SA all started with a couple of buttons and a textfield and have produced some fascinating subcultures. And maybe the purest (!) example is 4chan, a Lord of the Flies community that invents all the stuff you end up sharing elsewhere: image macros, copypasta, rage comics, the lolrus. The data model for 4chan is three fields long – image, timestamp, text.

Now tell me one bit of original culture that’s ever come out of Facebook.

Wer jetzt sagt: ich halte dadurch Kontakt zu ehemaligen Freunden, Klassenkameraden und Kollegen, well done!

Ich hab da mal eine Idee

GEZ, Gebühren, TV, Radio, Mediatheken, Websites, Apps, hin- oder her: das ist doch alles ziemlich hahnebüchen, was das in Sachen Öffentlich-Rechtliche im Internet so zusammengeregelt, -prodzuiert und eben auch –geklagt wird. Hier also zum ersten und letzten Mal die ultimative Idee, wie der ganze Kram, den die öffentlich-rechtlichen von unserem GEZ-Zahler-Geld prodzuieren ins Internet (wo ja über kruz oder lang auch die TV-Sender selbst hin müssen) kommt, ohne immer wieder den Streit mit Verlagshäusern ausgesetzt zu sein (sei das nun berechtigt oder nicht).

Entschuldigen Sie bitte: Ihr Helm brennt!

Die Öffentlich-Rechtlichen richten einfach für die Zukunft ein frei verfügbares API ein, über das sich jeder vom Blogger bis zum Verlagshaus auf alle Zeiten an allen Inhalten der Sender in Form von Text, Audio und Video bedienen kann.

Verlagswebseiten können sich dort mit 100sek. Videos versorgen, oder die neuesten News abgreifen, Tatort-Communities Ausschnitte posten und ganz findige Programmierer können iPhone/Android/Web-Apps bauen. Und alle tanzen im Sonnenschein. Danke.

Im Westen nichts Neues

Foto einer Mauer

Zum zweiten Mal will die NYT wetten, dass ihre Leser auch im Netz die Brieftasche locker sitzen haben…

Vor über einem Jahr kündigte die New York Times an, ihre Website erneut hinter einer Paywall verschwinden lassen zu wollen. Heute kündigte Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger Jr. in einem Brief an die Leser über digiales Abonnements an, dass der Plan nun in die Tat umgesetzt wird. Kurz zusammengefasst soll das so aussehen:

  • 20 Artikel monatlich auf NYTimes.com sind frei abrufbar.

  • Landet man per Link auf NyTimes.com oder kommt von einer Suchmaschine, kann man den jeweiligen Artikel auch gratis lesen.

  • Für Abonnenten der Papierausgabe bleibt die gesamte Website gratis zugänglich.

  • Alle anderen und alles andere kostet ab dem 28. März nun Geld und zwar nicht zu knapp, es gibt drei unterschiedliche Abos:

    • NyTimes.com im Web lesen und die Smartphone App nutzen: $15

    • NYTimes.com im Web lesen und die Tablet App nutzen: $20

    • NYTimes.com im Web lesen und die Smartphone App und die Tablet App nutzen: $35

Man sieht, die NYTimes hat trotz Krise der Zeitungen in den USA (und überall sonstwo) nicht den Humor und auch nicht den Optimismus verloren. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Marktforschungen ergeben haben, dass Leute die gleichzeitig per Smartphone- UND Tablet-App NYT nutzen, allesamt reiche Schnösel sind, die es nicht besser verdient haben. Das kann natürlich sein. Insgesamt scheint mir das aber einerseits zu kompliziert gedacht und andererseits auch ein wenig überteuert.

Bei den freien und Ausnahmezugängen ist es nun aber richtig mit den NYT-Managern durchgegangen. Das sieht ein wenig so aus, als wäre man mit der 20-Seiten-Regel in die Tests gegangen und hätte dann eine Ausnahme nach der anderen hinzugefügt. Das ist ja nicht nur unübersichtlich, sondern auch technisch zumindest eine Herausforderung. Cory Doctorow hat völlig Recht, wenn er befürchtet, dass in Zukunft viele potentielle Kunden der NYT auf abschreckenden Nagpages landen werden und dabei mit Frustration zu kämpfen haben. Nur: mit Frustration verkauft man keine Abos.

Insgesamt glaube ich, ist auch diese zweite Paywall der NYTimes keine gute Idee. Auch nach 14 Monaten Entwicklungszeit ist praktisch nicht Neues dabei herausgekommen. Eine Paywall ist eine Paywall ist eine Paywall. Auch 2011.

Die iPad Webseite

Screenshot ZEIT ONLINE, Wissen Centerpage, iPad Version, Design: Information Architects

Liest man die gängigen Webdesign-Sites findet man eine Fülle von Tipps, wie man seine Website anpassen kann, damit sie auch auf dem iPad funktioniert. Der Tenor: mit css media queries ein paar zusätzliche Stylesheets für das iPad liefern, im Scriptteil ein wenig die Touch- und Gestureevents einsetzen, Flashvideos raus, Buttons größer: fertig! Das war nicht ganz das, was uns vorschwebte…

Das mit den media queries ist so eine Sache

Kurz gesagt: CSS media queries sind im Moment eine schicke und elegante Lösung, wenn man seine bestehende Website mit ein paar Handgriffen an die Gegebenheiten verschiedener, zumeist kleinerer, Displays anpassen will. Ebenso taugen sie sicherlich dazu, eine Web-App zu bauen, die nur auf Tablets funktioniert und im Desktopbrowser leer oder ungestyled bleibt (aber wer will das schon?). Für eine große Contentwebsite, die zweigleisig unter der gleichen Adresse unterschiedliche Styles an Desktopbrowser und Tablets ausliefert, sind sie jedoch (zumindest im Moment) nicht zu gebrauchen.

Das liegt zunächst einmal daran, dass mit Mediaqueries eingeschränkte Stylesheets zunächst mal allesamt heruntergeladen werden und dann entschieden wird, was angezeigt wird. Für den mobilen Einsatz und auch für den Tableteinsatz kommen sie damit kaum in Frage. Beim ersteren schon allein wegen der Downloadmengen, beim letzteren kommen wie die Erfahrung zeigt noch weitere Datenmengen an Javascript und z.B. größeren Bildern hinzu. Ein Fass ohne Boden.

Die von mir zunächst favorisierte Lösung führte aber dazu, dass nicht nur IEs kleiner Version 9 via conditional comments eigene Stylesheets zugeteilt bekommen mussten, auch Firefox 3.0 und kleiner können mit den mediumabhängigen Styles so gar nichts anfangen.

Das offizielle Video zum Launch

Ohne Javascript geht’s (derzeit) nicht

Und auf tut sich die böse Tür des user agent switching. Zwar gibt es eine Javascript-Lib, die css media queries gewissermassen emuliert, das ist aber ein weiterer gut 20kB großer Download ist, ein Monster mithin, das zudem nur mit Queries innerhalb von CSS-Dateien, aber nicht innerhalb von <link /> zulässt.

Stehen zusätzlich Anforderungen im Raum, dass auch ein Schalter zur Rückkehr zur klassischen Website eingebaut werden soll, oder wenn man feststellt, dass eben Tablet nicht geleich Tablet ist, man also für verschiedene Tablets noch kleinere Anpassungen vornehmen muss, dann ist man schnell dabei auf den user agent zu schauen. <interlude>Das vereinfacht übrigens auch gewaltig die Entwicklung der Seite, da man sie während des Bauens parallel zum iPad/iPad-Simulator auch im Firefox previewen kann. Das geht natürlich nur mit User Agent Switcher. Dann aber kann man den geliebten Firebug nutzen um wenigestens die Elemente auf der Seite und ihre Styles zu indentifizieren und auch das Scriptdebugging ein wenig zu unterstützen. Dinge die es auf dem iPad nicht oder nur sehr rudimentär gibt.</interlude>

Diese Lösung ist allerdings noch nicht das Endstadium, allein weil wir nach und nach die Site für weitere Tablets fit machen wollen. Im Laufe dieser Zeit werden wir auch das UA-switching wieder entfernen und durch bessere Methoden ersetzen.

Screenshot ZEIT ONLINE, Navigation, iPad Version, Design: Information Architects

Der Spass an der Entwicklung

Eins muss man gleich sagen: Entwicklung für Tablet (speziell das iPad) macht einen Heidenspaß. Zum einen ist die Touchbedienung faszinierend. Ich bin so einer, der ein mouse-over-Menü entwickelt und sich dann stundenlang daran erfreuen kann, wie beim Hovern über den Menüpunkt das Menü animiert ausfährt. Auf dem Tablet kann man solche Lösung praktisch zum Anfassen programmieren (natürlich ohne :hover). Ich habe das Menü bestimmt mehrere tausend Mal ausprobiert. Oder die Bildergalerien (obwohl ich da noch nicht zufrieden bin). Die Möglichkeiten des Webkit sind wirklich hervorragend und das geniesst man natürlich. Obwohl es auch ein wenig zu verführerisch ist, wenn man in die Hölle der Desktopbrowser zurückkehrt und feststellt, dass es da draussen immer noch Internet Explorer gibt… 😉

Kleinere Schlaglöcher

Ein paar Dinge waren allerdings echte Kopfnüsse. Da ist zum Beispiel der Viewport-Tag. Schon bei diesem Blog hier habe ich Probleme damit gehabt. über diesen einen Tag den Viewport und vor allem die Vergrößerung so zu setzen, dass es für iPad und iPhone gleichermaßen funktioniert. Das Design der iPad-Seite erforderte ganz klar ein:

[html]<meta name="viewport" content="width=device-width, minimum-scale=1.0, maximum-scale=1.0">[/html]

Das passt allerdings nicht zu unserer Art, das iPhone zu bedienen. iPhone-Nutzer werden beim Besuch gefragt, ob sie die mobile Website besuchen möchten, oder die klassische Seite. Mit dem obigen Meta-Tag kann man diese dann aber auf dem iPhone nicht mehr skalieren. Für das iPhone empfiehlt sich eher:

[html]<meta name="viewport" content="width=device-width">[/html]

Will man allerdings (für das iPad) zwei Ansichten für Portrait- und Landscapemodus präsentieren (vs. vergrößerte Portraitansicht im Landscapemodus), dann ist man auf das minimum-scale=1.0, maximum-scale=1.0 festgelegt.

Überraschenderweise kann man aber auch diesen Metatag per Javascript setzen! Es hat allerdings ein wenig gedauert, bis ich das einfach mal ausprobiert habe (hüstel). Außerdem musste dafür ganz schön an unserer Seitenstruktur geschraubt werden.

Wie geht’s weiter?

Zunächst mal kommen jetzt schnell weitere Tablets dazu, mit denen man die Seite betrachten kann. Es war leider schnell klar, dass man mit einem Schlag nicht alle Tablets bedienen kann. Mindestens an den Einstellungen des Viewports müssen Anpassungen gemacht werden, wahrscheinlich auch etwas CSS und Script. Wobei, wir wollen jetzt auch nicht jedes Tablet das neu auf den Markt kommt kaufen (der Gadgetjäger in mir fragt natürlich: »warum eigentlich nicht«). Man wird sehen, was sich am Tabletmarkt noch tut und was sich durchsetzt. Wir räumen zunächst mal dem Galaxy Tab von Samsung gute Chancen ein, und wenn RIM mit einem Tablet kommt, wird’s ja vielleicht auch nochmal interessant.

Abschließend sei gesagt, dass die Sache natürlich ein gutes Stück weit vom Design der Information Architects lebt, Oliver Reichenstein hat dazu einen schönen Artikel geschrieben, der auch die – ich nenne es mal so – medienpolitischen Hintergründe gut erfasst und viel von dem Geist beschreibt, der hinter dieser Webapp steckt.

Noch ein paar Artikel und Stimmen zum Thema: iPadMag, Editors Weblog, iPad Planet NL