Fronteers 2011

Aral Balkan bei seinem Eröffnungstalk. Bild: some rights reserved by andreasdantz

Freitagnacht bin ich von der fronteers zurückgekommen, es ist jetzt Montagmorgen und ich bin immer noch ein Stück weit geflashed. Ich gehe ja schon ein paar Jahre auf Konferenzen, aber ich bereue ernsthaft, es vorher noch nie nach Amsterdam geschafft zu haben.

Das Konzept der Konferenz ist einfach und dabei völlig bestechend: es gibt zwei Tage nur große Sessions (mit einem Workshoptag vorne dran und einer Jam Session am Abend vorher) mit allen 450 bis 500 Zuhörern. Das geht natürlich nur, weil der Veranstaltungsort eines der schönsten Filmtheater ist, das Amsterdam, wahrscheinlich Europa, zu bieten hat. In den gemütlichen Kinosesseln lässt es sich aushalten. Um aber 500 Leute zwei Tage zu fesseln, benötigt man natürlich ein Aufgebot hochkarätiger Speaker, die möglichst viele Facetten des Bereichs Frontendentwicklung abdecken. Mir persönlich hat dabei die gute Mischung aus Techtalks und motivational speeches besonders gefallen. Aber natürlich auch die Namen, die aufgerufen wurden. John Resig gab seinen, nach eigenen Angaben, last scheduled speaking engagement, for the time being, Bruce Lawson referierte zu HTML5, Lea Verou weihte die gebannte Zuhörerschaft in ihre CSS-Experimente ein, und so weiter und so fort. Darius Kruythoff hat die meisten Slides bei Google+ zusammengetragen. Und last but not least: das Publikum. 500 ausdrückliche Webentwickler. Keine Webdesigner und -dekorateure, keine Art Direktoren oder Account Manager und eigentlich auch keine Backendprogrammierer und Systemmanager (wobei das ja alles nette Leute sind): eine Konferenz von und für Webdeveloper!

httpvh://www.youtube.com/watch?v=4wMCQ2UAt0w

Und wenn es doch mal zu stickig wurde, hat man einfach Seb Lee-Delisle auf das Auditorium losgelassen, der grafische Javascript-Experimente vorführte, u.a. eine Nyan-Cat-Jagd über die Smartphones der Anwesenden… Perfekt.

Webkongress Erlangen 2010

Eine mittlere Premiere gibt es für den 7. und 8. Oktober in diesem Jahr zu verkünden. Der Webkongress Erlangen findet zu diesem Termin zwar schon zum dritten Mal statt, ich werde dort aber zum erste Male zu hören sein. Unter dem Titel »Relaunching ZEIT ONLINE« werde ich ein wenig über den Relaunch von zeit.de im September 2009, den Weg dorthin und den Erlebnissen seitdem berichten. Dabei geht es natürlich in der Hauptsache um den Fachbereich Frontendentwicklung und -technologie, sowie meine immerwehrenden Freunde: Usabilty und Accessibilty.

Nun kommen natürlich wegen mir alleine zu wenig Teilnehmer zu einem Kongress, deswegen sind weitere hochkarätige Webexperten geladen worden, bspw. Jens Grochtdreis, Vladimir Simovic und Alvar Freude. Übergeordnetes Thema des Kongresses sind Lösungen für barrierefreie Webseiten, soll heissen es geht nicht mehr nur um die Technik und den Prozess, sondern vielmehr um Webangebote, die diese Techniken auch ein- und umsetzen.

Mehr gibt es auf der Homepage des WKE 2010 nachzulesen. Man sieht sich.

Webinale, sehr kurze Zusammenfassung

Und jetzt FeierabendSo, nun sitze ich wieder an meinem Schreibtisch/im Regionalexpress von Lübeck nach Hamburg, oder so. War ein netter Ausflug ins Badische die letzten Tage, aber ich muss auch irgendwo feststellen, dass mir das gute Wetter, die netten Karlsruher und das Hotel insgesamt besser gefallen haben, als die Webinale.

Natürlich habe ich nicht alle Sessions besuchen können, vielleicht habe ich eine schlechte Wahl getroffen, aber letztendlich fehlte es mir an der Professionalität. Das Konzept der holistischen Konferenz ist offensichtlich vor allem dazu gut, ein heftiges Kratzen an der Oberfläche zu veranstalten.

Was rettend eingegriffen hat, war allerdings das gleichzeitige Veranstalten der anderen Konferenzen. DLW und IPC haben es am Ende (zumindest für mich) rausgerissen. Wenn ich schon nichts neues zu erfahren fand, gab’s dort wenigstens nochmal ein wenig Futter für mein Hobby.

Eins muss ich noch sagen: Asche auf mein Haupt, aber ich habe die Verleihung der Webinale-Awards verpasst, ich weiss gar nicht genau warum, aber das ist wohl nicht nur mir so gegangen. Karlsruhes Biergärten waren einfach stärker.

Objekte in Javascript und PHP

Zum guten Abschluss noch ein wenig Kopfrockerei jenseits der Marketing- und/oder Designschiene. Im Rahmen der Dynmaic Language World/International PHP Conference gab es noch zwei Sessions, die ich unbedingt wahrnehmen wollte. Interessanterweise war hier wesentlich mehr los, als auf allen anderen Sessions, bei denen ich bisher war. Hatte mich schon gewundert, wo die ganzen Programmierer abhängen, die hat man einfach die beiden Tage in winzige Seminarräume im Zwischengeschoss zusammengepfercht.

Zunächst habe ich mir etwas über »Advanced Object Oriented Javascript« angehört. Das klang interessant, war es aber auch nicht so richtig, denn es blieb deutlich hinter den beiden von mir zueletzt in dieser Richtung konsumierten Werken zurück. Na klar, eine Konferenz-Session kann nicht zwei Bücher schlagen, aber… mir schien fast, das ganze hatte ein wenig Methode. Im Grunde demonstrierte Andreas Ecker immer wieder, wie kompliziert das in Javascript alles ist (ohne auf bekannte Techniken und Patterns einzugehen, die das Komplizierte ggf. aufheben), um dann am Ende seines Vortrags seine Lösung zu diesen Problemen zu präsentieren: qooxdoo, another javascript ajax framework in town. Ok, das kann man machen. Allerdings gibt es später dann noch eine reine kuckst-du-Werbesession, da hätte das vielleicht besser hingepasst. Interessant ists trotzdem, also kann man sich das ruhig mal anschauen.

Die zweite Session war allerdings besser. Ich bin ja seit Professionelle Softwareentwicklung mit PHP 5 ein großer Fan von Sebastian Bergmann und empfehle das Buch jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Leider habe ich ja selbst schon nicht mehr viel in PHP programmiert, so war es ganz nett, sich mal eine Auffrischung beim Meister selbst zu holen. Insofern eine wunderbare Session, die ich wirklich genossen habe.

A driftlab project from start to finish

DriftlabVon den Amis lernen, heisst siegen lernen. Oder so ähnlich. Jedenfalls wolte ich auf jeden Fall noch in einer Session ein paar Leute ohne Stock im Anus sehen, da ist man bei den Flashern natürlich genau richtig. Moritz Bosselmann und Ash Warren präsentieren ein komplettes ihrer Projekte: Chevy Nation. Bei driftlab, das aus nur vier Leuten besteht, macht jeder alles, gezwungenermaßen. Trotzdem verfügt man über hervorragende Kontakte zur Autoindustrie und kann solche Riesenprojekte für mehrere Millionen Dollar wuppen.

Die Jungs bezeichnen das selbst als Glücksfall, denn sie sind eben nicht die hyperprofessionelle Multimillionendollar-Agentur mit Marketing et al. Aber sie können ‚was und sind wirklich engagiert für das, was sie tun. Und genau das gibt den Ausschlag. Dabei machen die Jungs wirklich vieles noch von Hand, bei einer derartig riesigen Seite ein wirkliches Projekt. Und sie haben viele Technken dafür erst während der Entwicklung erfunden oder entdeckt.

Dabei sind die Constraints beinahe erschlagend: alles ist mit Videosequenzen vollgestopft, die von einer anderen Firma angeliefert wurden, driftlab hat daraus die Flashvideos und Stopframes gemacht, die auf der Site zu sehen sind. Da können kleine Änderungen schon Tage dauern und ein wenig Geld kosten. Was dem Auftraggeber wohl aber egal war (Öl und Geld sind wohl zwei Ressourcen, von denen die amerikanische Autoindustrie glaubt, das sie nie ausgehen werden). Sowas gäbe es hierzulande wohl nicht.

Jeder User ist für sein Werbung selbst verantwortlich!?

OK, das habe ich verstanden, die Keynotes sind die Möglichkeit für die Sponsoren, sich werbend zu präsentieren. Hmm, na gut, meinetwegen, nicht gerade wissenschaftlich aber wohl holitisch. Hier wirds alleridngs richtig haarig, denn Dirk Feuerhelm ist von der Firma 1&1 und dort leitender Entwickler des sogenannten Datawebhouse des Adtargetings, das ist dort, wo all die gehorteten Userdaten wegprofiliert werden, mitunter also die reine Unterwelt.

Und die Adleute werden ja schnell lustig, wenn sie meinen unter ihresgleichen zu sein. Ein kurzes »unter uns…« wird vorrausgeschickt und schon nimmt man kein Blatt mehr vor den Mund. Gruselig. 1&1 sammelt Daten über uns, bspw. durch/für das sogenannte behavourial targeting und zwar nicht zu knapp. Sie sammeln soviel, dass sie das meiste (noch) wegschmeissen müssen, einfach, weil es sich nicht lohnt, alle Daten aufzuheben. Fakten: der dauerhafte Datenbestand beträgt 2,5 Terabyte, pro Tag werden 50 Terabyte Daten gelöscht. Hust! Noch.

Wozu das nun? Um uns die auf uns zugeschnittenen Werbung anzuzeigen, ist ja klar. Die richtige Werbung für unser Alter, für unsere Vorlieben und für unseren Standort (bspw. am Flughafen). Ob wir damit für unsere Werbung selbst verantwortlich sind? Oha.

Da ist der Blick in die Zukunft den der Mann wagt natürlich reiner Horror. Schluck. Da ist von RFID-Chips in Kundenbindungskarten genauso die Rede, wie von LED-Plakaten und dann wieder deren zusammenspiel. Man könnte ja praktisch bald alles mit ’nem Display überziehen, spätestens dann werden wir natürlich auch mit Werbung überzogen. Solange die Datenschützer nicht dazwischen funken, aber das wolle man erstmal abwarten.

Ach, was reg‘ ich mich auf.

Frank Puscher: Die Usability-Katastrophe

Die Usability KatastropheUntertitel: »Wege zu mehr Umsatz durch bessere Bedienbarkeit«. Oha. Frank Puscher kommt aus Hamburg und betreibt dort einen kleinen Verlag. Ein paar Impressionen aus seinem Vortrag:

Die ersten Besucher einer neuen Site sind Early Adopter, danach kommt aber (hoffentlich) die Masse der User, die nicht websavvy sind. Heutzutage haben wir Methoden, Usability zu messen. Usability-Test als Qualitätssicherung sollten in den Allag eingeführt werden, da geplante Tests oft verschoben oder gecancelt werden.

Usability-Tests bei Reisewebseiten haben teilweise zu desaströsen Ergebnissen geführt. Syzygy-Reisemonitor: 24 »best-ager« (über 50 Jahre, beste Kunden für Reise) testeten bspw. tui.de. Keiner konnte eine Reise buchen.

Usability für Silver Surfer, DocMorris (ja, genau) Top11:

  1. Einstellbare Schriftgrössen
  2. Gut lesbare, serifenlose Schriften
  3. viel Whitespace und hohe Kontraste
  4. Barrierefrei Produktinformationen
  5. Erlernte Bezahlsysteme wie Rechnung und Lastschrift
  6. strukturierte kurze Texte, die sich gut übefliegen lassen und schnell die wichtigsten Informationen liefern
  7. Anglizismen vermeiden
  8. Identische Navigation und Seitenüberschriften
  9. Aufklappmenüs statt beweglicher Navigationselemente
  10. Verzicht auf Navigationsfeatures wie Dropdowns und Sprungmenüs
  11. Anleitung für Nutzer, von allgemeinen zu detaillierten Informationen

Powerfunktionen lassen sich gut zurücknehmen, die Poweruser finden sie dort schon und sie stören weniger. Suchmasken am besten in der oben in der Mitte. Starke Ergebnisse für kleine Änderungen, bspw. klickt „Continue“ auf einem Button schlechter, als „Continue to Article“ und widerum schlechter als „Click to continue“.

Ein sehr guter und auch in der Tiefe richtig gewählter Vortrag.

No Kaizen

Paul Ortchanians Session »Always have your mind on Kaizen« über die japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie, die das Streben nach ständiger Verbesserung zu ihrer Leitidee gemacht hat, ist leider ausgefallen. Gnnnpf.

Im engeren Sinne ist eine ständige/inkrementale Verbesserung gemeint, in die Führungskräfte wie Mitarbeiter einbezogen werden. In der freien Übersetzung aus dem Japanischen bedeutet Kai = Veränderung, Wandel; Zen = zum Besseren. Diese auf das Wesentliche reduzierte Bedeutung ist kontrovers. Gemäß der Philosophie des Kaizen weist nicht die sprunghafte Verbesserung durch Innovation, sondern die schrittweise erfolgende Perfektionierung/Optimierung des bewährten Produkts den Weg zum Erfolg. Dabei wird davon ausgegangen, dass der wirtschaftliche Erfolg das Ergebnis von Produkten und Dienstleistungen ist, die mit ausgezeichneter Qualität höchste Kundenzufriedenheit erzielen. Aus dieser Überzeugung leitet sich die stetige Suche nach Verbesserung auf allen Ebenen eines Unternehmens als Kernfunktion einer Kaizen-Programmatik ab.

Japanisch hin oder her, da wollt‘ ich sowieso nicht hin. 😉