Verdammt große Downloads

Nachdem ich heute mehrmals gefragt wurde, ob wahlweise unsere Website oder unsere iPad-App im »neuen« iPad denn noch funktionieren würden, war ich wie immer – knick, knack – sehr optimistisch, das wir mal wieder auf die richtigen Technologien gesetzt haben, so dass hier keine Probleme entstehen sollten.

Was aber machen die Kunden von bspw. Adobe, die ganze iPad-Magazine zwar im Laufschritt produzieren konnten, nun aber mit einem PNG pro Seite dastehen. Kollege Arne wies eben völlig richtig darauf hin, dass deren Bildgrößen durch die Decke gehen werden, denn will man kein Wischiwaschi ausliefern, muss man mal eben doppelt soviele Pixel ausliefern, pro Seite Achse (klarer ausgedrückt, siehe Kommentar). Stuntbox hat gerechnet:

 Very roughly speaking, a single page of text built this way and saved using light JPG compression weighs in at around 150-350kB. At the new Retina dimensions these same app platforms will generate pages on the order of 2MB. That’s per page.

Diese Art Publikationen sind ja schon heute unfreundlich groß im Download, aber in Zukunft muss man dann wohl erst ein paar Videos löschen, wenn man die neueste Ausgabe bspw. von Wired laden will. Mehr als 64GB gibt es nicht zu verteilen.

Liebes Tagebuch…

… ich wollte wirklich wirklich wirklich einen ganz langen Beitrag über Sinn und Unsinn verschiedener User Experience Ansätze für unterschiedlich mobile Endgeräte unter besonderer Berücksichtigung von Text- und Bildcontent, montags ziwschen 19.00 und 22.00 Uhr und der Veröffentlichung von Eilmeldungen im RSS-Feed.

Stattdessen…

Happy Birthday David Bowie!

David Bowie, eigentlich David Robert Haywood Jones, wurde am 8. Januar 1947, also genau 65 Jahren, in London geboren. Zu seinem Geburtstag gibt es u.a. Parties in Berlin Schöneberg, wo Bowie Ende der Siebziger lebte. Und hier den Hinweis auf die Uncut David Bowie iPad-App, die ich mir kürzlich zugelegt habe.

Screenshot: Uncut David Bowie

Wer wie ich mit einem David-Bowie-Vollblut-Fan zusammenlebt und selbst nicht über das eine oder andere Best-Of-Album hinaus gekommen ist, der findet hier in einem breit angelegten Archiv aus Interviews, zeitgenössischen Zeitungsartikeln, ein paar Videos und einigen Soundbeispielen, ziemlich viel Gespächsstoff und nutzloses Spezialwissen über einen sehr speziellen Künstler.

Happy Birthday, David.

On fire?

Gestern hat Amazon die neuen Kindles (Touch) und den Kindle Fire vorgestellt. Das hat natürlich jeder mitbekommen, der nicht unter einem Stein wohnt, könnte es sich doch um iPad-Konkurrenz handeln. Amazon CEO Jeff Bezos stellte dann aber doch eher einen Kindle für Medien, statt eines iPad-Konkurrenten vor. Trotzdem: anders als Samsung beispielsweise, hat Amazon verstanden, das es um die Inhalte geht und zufällig auch die passenden Inhalte parat. Aus der Amazon-Cloud wird das Gerät stetig mit Büchern, Musik und Videos versorgt. Content is king, yet again. Das macht ihn nicht zu einem iPad-Konkurrenten, aber hebt ihn von der Androidmasse ab, für einen erfolgreichen Start sollte das reichen, vor allem bei dem Kundenstamm, über den Amazon verfügt und dem Preis (ab 199$).

Ob das alles auch für Deutschland zutrifft? Zur Zeit kann man gerade den ganz kleinen Kindle ohne Tastatur für 99 Euronen vorbestellen, VÖ: 12. Oktober. Über den Kindle Fire oder die Kindle Touch schweigt sich die Amanzon.de-Seite jedoch aus. Wer weiss, ob es wieder zwei Jahre dauert, bis man außerhalb der USA das Produkt voll nutzen kann. Gibt es tatsächlich keine internationale Strategie, dürfte das am Ende sicherlich als Fehler herausstellen, das iPad jedenfalls kann man in 64 Ländern kaufen.

Ob es wirklich solange dauern soll, bis wir hier Amazon Silk, den Browser des Kindle Fire testen können? Soweit ich das sehen kann, ein cloudgestützter Webkit-Browser. Das Video macht mir ehrlich gesagt ein wenig Kopfschmerzen:

Das Prinzip ist natürlich genauso einfach wie logisch, nur wer schon einmal Erfahrungen mit der Sorglosigkeit vulgo Dreistheit gemacht hat, mit der bspw. Mobilprovider den Content von Internetseiten für die mobile Auslieferung anpassen, bekommt eine Idee davon, was es heisst, zunächst durch die Amazon-Cloud zu müssen, eh‘ das HTML beim Browser ankommt. Kennt man ja auch ähnlich vom mobilen Opera. Man muss sich allerdings die Frage stellen, wozu das gut sein soll: es gibt keinen Fire 3G, sondern nur eine WLAN-Version, eine derartige Optimierung wäre also verzichtbar. Das für den Fire praktisch alles zunächst durch Amazons Server geleitet wird, lässt die Diskussion um Facebooks Timeline wie ein Kindergartengespräch erscheinen, denn Amazon liest alles, absolut alles mit, was am Silk ankommt oder abgeht. Gatekeeper galore.

Tabletmarkt: Vielversprechen(d)

In vielen Diskussionen die ich in letzter Zeit zum Thema Tablets führen musste, lief immer alles auf den Vergleich iPad bzw. iPad2 versus Motorola Xoom hinaus. Das Android 3 (Honeycomb) Tablet aus dem Hause Motorola ist der große Hoffnungsträger derjenigen, die sich ein Tablet mit USB-Anschluss und Flash-Unterstützung wünschen.

Ars Technicas Review des Xoom fiel nun jedoch eher vernichtend aus. Während die Möglichkeiten und die neue Oberfläche durchaus positiv auffielen, kommt Tester Ryan Paul in seiner Zusammenfassung jeodch zu einer vernichtenden Kritik, die ich hier im Auszug zitieren möchte:

The [Motorola Xoom] has an extraordinary set of features, but the best are simply not available at launch. While I was testing the device and studying the documentation, I was confronted repeatedly with disclaimers which explained that various features will arrive later in updates. There are so many of these disclaimers that it soon became absurd. The device, in its current state, is like a parade of promising placeholders.

The Xoom’s assortment of absent features will likely all be available this Summer, but the launch configuration feels like a beta release. Consumers who buy it today will have to send it back in for a week at some point before they can get the complete product. I think bringing it to market in this condition was a pretty dubious move.

As a reviewer, I’m finding it particularly hard to evaluate the Xoom. When I test beta hardware or software, I tend to give the manufacturer or developer the benefit of the doubt and focus on the product’s potential. I’m tempted to approach the Xoom from that perspective, but I just can’t rationalize that kind of leniency for a product that has been officially released and is selling for $800.

Und so weiter. Dem Xoom fehlen zum Start nicht nur das versprochenen Adobe Flash, sondern es wird beispielsweise auch mit einem funktionslosen Kartenslot ausgeliefert.

Natürlich werden die vorher hochgelobten Features nachgeliefert und wenn man das Gerät ab April auch in Deutschland bekommen kann, sind vielleicht auch schon ein paar weitere Features umgesetzt, vielleicht. Das Motorola Xoom ist natürlich kein WeTab. Trotzdem empfinde ich die Taktik, pre launch die tollsten Sachen zu versprechen und sie dann post launch umzusetzen mehr als fragwürdig. Das hinterlässt einen schlechten Geschmack im Mundraum, vor allem wenn man daran denkt, wie man sich in Diskussionen immer wieder mit diesen Features auseinandersetzen muss. Ein trauriges Bild für die Android-Gemeinde.

Richtig auf den Sack geht mir allerdings, dass der auf Google Chrome basierende Browser des Xooms, vor allem was die fortgeschrittenen HTML5- und CSS3-Features angeht not ready for prime-time, even for HTML4 ist. Da muss Google dringends Abhilfe schaffen, allein um den eigenen Versprechen in Sachen HTML5 nachzukommen. Ein Tablet mit einem abstürzenden und ruckelnden Browser ist, maßgebliche Verbreitung vorrausgesetzt, ein Problem für die Idee Webapps und das kann kaum im Sinne der Androidentwickler sein.

Fazit: Leute… wenn ihr jetzt ein Tablet kaufen wollt, kauft euch ein iPad2. Und wenn ihr ein Gerät mit Adobe Flash und USB-Anschluss etc. haben wollt, dann kauft euch ein Netbook.

Touchbedienung in der Webapp

Bildergalerie, iPad Version

Bildergalerie bei ZEIT ONLINE, Ansicht auf dem iPad

Die Touchbedienung ist einer der großen Unterschied zwischen Tablet- und Desktopcomputer. Dieses Bedienkonzept, wie es der Nutzer inzwischen auch schon aus den sog. nativen Apps gelernt hat, so sinnvoll wie möglich umzusetzen und zu nutzen, sollte auf jeden Fall Teilaufgabe einer HTML5-App sein. Leider stehen der App im Browser nicht alle Schnitsstellen und Fähigkeiten zur Verfügung, die bei der Programmierung einer nativen App genutzt werden können. Darauf kommt es aber allein auch nicht an, wie gesagt, es geht eben auch und vordringlich um das Bedienkonzepte.

Als alten Hut muss man zum Beispiel die Bedienung mit Knöpfen sehen, denn Buttons sind eben typischerweise Klickziele für den Mauszeiger und weniger für den Finger. Obwohl ein Button natürlich auch in der Touchbedienung funktionieren kann; dann muss er aber groß und gut zu treffen sein, und auch noch erkennbar, wenn der Nutzer den Finger darauf legt. Trotzdem, ein Button zum Vor- und Zurückblättern in einer Bildergalerie, ist nicht wirklich tabletgemäß.

Um es kurz zu machen: in einer Bildergalerie wie dieser hier will der Nutzer sliden – mit dem Finger das Bild aus dem Viewport schieben – und nicht Knöpfe drücken. In der Tabletversion haben wir das im Ansatz umgesetzt. Nutzt man die Seite mit dem iPad, kann man mit dem Finger von einem Bild zum nächsten navigieren. Da ich danach gefragt wurde, will ich kurz erklären wie das funktioniert (und danach auch noch dazu kommen, was noch verbessert werden muss).

Zunächst mal haben wir das Konzept der meisten Bildergalerien auf ZEIT ONLINE übernommen. Die bestehen zum Ladenzeitpunkt nur aus ihrem ersten Bild, die restlichen Bilder werden nachgeladen und versteckt horizontal rechts vom ersten Bild aufgereiht. Klickt man einen der Buttons wird der Container mit den Bildern einfach immer um Bildbreiter nach links oder rechts bewegt.

Die Bedienung durch die Buttons haben wir nur durch die Touchbedienung erweitert. Vielleicht sei kurz erwähnt wie Javascript einen solchen Touchevent sieht: es gibt die vier Events touchstart, touchmove, touchend und touchcancel. Die ersten drei laufen immer nacheinander ab, wobei touchmove solange wiederholt wird, wie man mit dem Finger über die Touchoberfläche slidet. touchcancel tritt auf, wenn eine Touchaktion abgebrochen wird, bspw. wenn man mit dem Finger über den Bildschirm hinaus geht. Die Events haben als Eigenschaften (man kennt das von Mouseevents) u.a. die Bildschirmkoordinaten, wo sie ausgelöst wurden.

Damit lässt sich also leicht erkennen, ob zwischen touchstart und touchend eine Bewegung, also ein Swipe stattgefunden hat. Hier mein seht vereinfachtes, beispielhaftes jQuery-Plugin dazu (nur als Beispiel, nicht zur Implementation gedacht oder empfohlen):

[js]
$.fn.addSomeTouch = function (options) {
var xmoved = 0, xstart = 0;
return this.each( function() {
// touchstart event
$( "img", this ).bind( "touchstart", function () {
// jeder Finger ist ein Feld im Array
// hier: 1-Finger-Geste
if( event.touches.length == 1 ) {
// Startpunkt merken
xstart = event.touches[0].pageX;
}
});

// touchmove event
$( "img", this ).bind( "touchmove", function () {
// Bewegungsentfernung messen
xmoved = event.touches[0].pageX – xstart;
});

// touchend event
$( "img", this ).bind( "touchend", function () {
// Limit für Verzögerung
if( xmoved >= 50 ) {
alert( "I was touched and will move left." );
} else if( xmoved <= -50 ) {
alert( "I was touched and will move right." );
}
// Reset
xstart = 0;
xmoved = 0;
});

$( "img", this ).bind( "touchcancel" , function() {
// bei Abbruch zurücksetzen
xstart = 0;
xmoved = 0;
});

});
};
[/js]

Wie gesagt, das ist kein Code für den Produktionseinsatz.

Und was stimmt jetzt nicht? Nun, im Moment setze ich die Fingerbewgung nur als Schalterersatz ein. D.h., die Reaktion ist dieselbe, als würde man auf den Links- oder Rechtsknopf drücken, die ehrlicherweise ja auch noch da sind. Da bleibt ja noch Raum für die Weiterentwicklung, denn so richtig responsiv ist das ja noch nicht.

Und am Schluss noch ein schöner Link dazu: bei Touching and Gesturing on the iPhone, gibt’s viele Grundlagen nachzulesen und das meiste gilt auch für’s iPad.

iPad und Content

Ok, jetzt hatten wir alle das Wochenende Zeit, um das frisch gelieferte iPad zu testen. Und? Was sagt ihr?

Mich persönlich hat’s jetzt nicht gerade aus den Socken gehauen, das hat zwei Gründe. Erstens hatte ich schon ein paar Mal vorher Gelegenheiten, iPads auszuprobieren und mir ein Bild zu machen, vor allem von diversen Content-Delivery-Apps aus den USA – schließlich muss auch ich das gedruckte Wort retten. Zweitens gefällt mir das, was ich da sehe nicht so richtig.

Der Sieg des Weißraums? Spiegel-App.

Das iPad an sich ist ein super Spielzeug, macht wirklich Spaß damit zu surfen, oder an einer ausgiebigen Twittersession wie dem Eurovision Song Contest teilzunehmen. Es lassen sich prima Videos damit ansehen und Spiele aus meiner Kindheit (bspw. Pinball HD) spielen (immerhion bin ich schon 10385er der Weltrangliste). Wo aber nun ist der Rettungsanker für die Verlage weltweit versteckt? Obwohl man tatsächlich mit der Einschätzung richtig liegt, dass das iPad ein Gerät zum Konsum von Medien in bestimmten Nutungssituationen ist, wird es diesem Anspruch zur Zeit kaum gerecht.

Das wäre aber wohl auch im Print nicht ganz in Ordnung. Welt-HD-App. (Fehlen da Bilder?)

Zum einen mag das daran liegen, dass das iPad teilweise gar nicht die Fähigkeiten besitzt, eine ordentliche Lesemaschine abzugeben: seine Fähigkeiten in Sachen Typographie sind jedenfalls ausgesprochen eingeschränkt, zur Zeit. Und auch was die Verlage bisher liefern ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Dabei bilden die – zu Unrecht – über den grünen Klee gelobte Wired-App in den USA und in Deutschland die grafische Schlachtplatte Spiegel-App nur die Spitze des Eisberges. Und sind das noch alles Probleme, die nach einigen Updates mglw. verbessert sind, Content an sich nimmt auf dem iPad dank der Verheissung Jobs einen Richtungswechsel vor, der nichts Gutes bedeuten kann.

Haben wir uns nun zunächst einige Jahre damit beschäftigt, die Inhalte zu befreien, sie ins Netz zu entlassen und via APIs und Feeds möglichst breit zu verteilen, steht nun das Einsperren von Content im Vordergrund der Bemühungen. In den Apps wird bspw. beinahe durchgängig nicht verlinkt. Das iPad mag der feuchte Traum der Papierdesigner sein, in diesem Traum kommt Hypertext, Verlinkung, Vernetzung aber nicht vor. Und so sind 90% aller Content-Apps gestrickt. Dagegen wird uns die Interaktivität versprochen. Mal abgesehen davon, dass ich mich von diesem Werbetext in die Zeiten der interaktiven CD-ROMs zurückversetzt fühle; was es bisher an Interaktivität zu sehen gibt, sind Videoschnipsel, automatische Diashows und ein paar Powerpoint-Effekte. WTF?

Ich weiss nicht, ob sich das Steve Jobs so vorgestellt hat, ich jedenfalls nicht. Das muss ja nicht so bleiben, aber I Prefer Safari to Content Apps On The iPad. Zumal ich behaupten mag, noch keine iPad-Content-App gesehen zu haben, die ich in HTML5 und mobile Safari nicht mind. genauso gut/schlecht hinbekommen hätte. Da muss der Markt noch wachsen, wenn das unsere Rettung sein soll. Ich will jetzt mal gar nicht von Zugänglichkeit anfangen…