Nochmal Buzz

Wir haben ja jüngst hier schon diskutiert wie (schlecht?) Google Buzz eingeführt wurde. Und es hat in den letzten Tagen viel Kritik an Google gehagelt, eine gute (englischsprachige) Zusammenfassung der Probleme hat Suw Charman-Anderson geliefert. Und Google hat wohl auch schon ein wenig reagiert. Trotzdem muss ich eins feststellen: trotz aller Kritik, ich nutze Buzz schon vollümfänglich. Und hey, ich bin kein Google Fanboy.

Trotzdem, Google hat mich dort angetroffen, wo ich eh‘ schon war. Ich schrob ja schon, dass der Google Reader ein regelrechte[s] Ökosystem mit Freunden und Kollegen für mich darstellt, in dem gegenseitig Leseempfehlungen hin- und hergetauscht werden. Die absolut logische Fortführung dieses Konzepts ist Google Buzz. Mehr Müll in der Inbox, mehr Ablenkung von der Arbeit, mehr Vermischung von social activities mit privaten Dingen – stimmt ja alles. Aber mal im Ernst: ich krieg trotz aller Filter noch soviel nutzloses Zeug in meine Mailbox, da bin ich doch schon lange der deutsche Meister im Contentfiltern, da lach‘ ich doch über etwas mehr Buzz (und das ist keine Aufforderung mir fleissig mehr unaufgeforderte Angebote für Websitekooperationen zu schicken, danke). Und ich habe bei Twitter gelernt, dass man zwar 1000 Leuten followen, aber nicht folgen kann. Und bei meinem kurzem Experiment mit Foursquare habe ich gelernt, Freundschaftsanfragen abzulehnen.

Ich komme mal zum Punkt: natürlich darf es bei einer solchen App keine Privacy-Probleme geben, die müssen beseitigt werden. Aber: das Heulen und Zähneklappern, das man nun allenthalben zu lesen bekommt, ist auch nichts anderes als die verschreckte Ablehnnung gegen das Internet, wie sie einige Holzjournalisten vertreten. Keine Panik Leute: es gibt einen Schalter »turn off buzz«. 😉

Google Buzz

httpvh://www.youtube.com/watch?v=yi50KlsCBio

Wenn Google eine neue Software ankündigt, dann geraten wir ja immer alle ein wenig aus dem Häuschen. So auch wieder bei Google Buzz. Doch diesmal ist irgendetwas anders.

Blicken wir zurück auf den Hype um Google Wave letztes Jahr. Mit einem großen Event stellte Google die neue Software vor und wie schon bei Gmail, gab es nur eine Betaphase mit Einladungen (ist man darüber eigentlich inzwischen hinaus?). Die Einladungen wurden bei Ebay gehandelt, der Hype war fantastisch. Nur das Produkt floppt irgendwie. Google Wave brauch vielleicht noch ein wenig, bis es sich durchsetzt. Wenn überhaupt.

Die Möglichkeit eines Flops wollte man diesmal offenbar 100%ig ausschliessen. Google Buzz erreicht auf den Schlag 150 Mio. User direkt, ohne Einladung, ohne Installation, dort, wo sie sich eh‘ dauernd herumtreiben: in ihrer Gmail-Inbox. Das ist gelinde gesagt ein virtuelles »auf den Tisch hauen« aus Richtung Mountain View. Mit großem Poltern und lautem Türeintreten macht sich also Google nun auf, die Socialmediamicroblogginglifestreamingszene aufzurollen.

Das dürfte an den Fundamenten von Twitter genauso rütteln, wie bei Foursqare oder Gowalla (im Video sind ja praktisch schon lokale Checkins zu sehen), Friendfeed wurde ja eh‘ schon von Facebook gekillt. Da wird sich dann bald zeigen, ob deren uniqenes ausreicht, um sich gegen derartig plötzlich auftretenden Mainstream zu verteidigen.

Den Datenkrakengedanken mal aussen vor gelassen, gibt es außerdem milde gesagt auch einige Kritik an Buzz. Ohne es gesehen zu haben, bin ich mir schon jetzt nicht sicher, ob ich Messages von Freunden und automatischen Freunden zwischen meinem eh‘ schon unübersichtlichem Wust aus Emails finden möchte. Dave Winer kritisiert dazu noch das API, hat aber auch schon den Aus-Knopf für Buzz gefunden.