The state of CSS

Da ist ein Eisbär im Raum?

Im Moment gibt es wieder viel zu lernen, in Sachen CSS. Da sind zunächst die vielen neuen Dinge, die CSS3 bringt. Durch die derzeit rasante Browserentwicklung, Polyfills oder einfache Fallbacklösungen kann man vieles davon schon heute oder wenigstens morgen gebrauchen. Dazu kommen die Learnings aus einigen Jahren intensiven Einsatzes von CSS, seit der internationalen Ächtung des Tabellenlayout ist viel passiert.

Seit CSS dem style-Attribut entwachsen ist, unterlag es lange Zeit einer eher langsamen Entwicklung. Gehemmt durch den Internet Explorer hat es ewig gedauert, bis sich CSS 2(.1) überhaupt durchgesetzt hat. Man hat lange Zeit eher mit den gegebenen Umständen hantiert, anstatt CSS weiter zu entwickeln. Die floats lösten die Tabellen ab, die CSS Hacks beherrschten die Szene lange, machten zweigleisige Entwicklung für potente und für beschränkte Browser möglich. Das Set an Techniken hat sich aber in der Menge kaum verändert, vielmehr lernten wir immer besser damit umzugehen. Dabei sind aber auch viele Standardlösungen entstanden, die heute einer genaueren Prüfung unterzogen werden müssen.

Our best practices are killing us!

Nicole Sullivan (die, nicht die) tritt derzeit mit einem Vortrag unter diesem Titel auf, den ich sehr beeindruckend finde, weil er so sehr das trifft, was ich derzeit selbst in der Praxis feststelle. Viele der best practices, die in den letzten Jahren ersonnen, gepaukt und umgesetzt wurden, klingen gut, haben sich aber in den Jahren ihres Einsatzes vielleicht gar nicht bewährt. Andere wurden von der Entwicklung überholt, wurden zur Angewohnheit. Um mal ein klassisches Beispiel aus einem anderen Bereich zu bringen: wenn Sie <script>-Blöcke in einem HTML-Document nutzen, umgeben sie den Code dann auch noch mit HTML-Kommentarzeichen? Eine Technik, die heute lange nicht mehr nötig ist. Trotzdem sieht man sie immer wieder. So geht es auch mit vielen Angewohnheiten in CSS.

Nicole Sullivan nennt viele Beispiele. Unter anderem findet sie:

  • die Angabe von Schriftgrößen nicht in Pixel sei kontraproduktiv,

  • etwas mehr Klassizitis wäre gar nicht so schlecht, da so lange Selektorketten vermieden würden,

  • durch semantische Klassennamen würde der Codewiederholung der Weg bereitet,

  • der Mythos, kein zusätzliches Markup für das Layout einführen zu dürfen, sei mehr als schädlich, da durch Container Layoutprobleme auf festgelegte Bereiche beschränkt werden könnten.

In der Praxis nicht bewährt

Da geht es ihr genau wie mir. Wenn man betrachtet, wie wirklich große Website-Projekte entstehen, stellt man fest, dass durch die genannten best practices Nötiges nur von einer Ecke des Projekts in die andere verschoben wurde. So kann man wunderbares, absolut semantisch reines HTML schreiben, ohne jegliche Layout-Divs, so klein wie nur irgend möglich, ob die Seite dadurch wirklich schneller wird? Oder übersichtlicher? Nun, das HTML natürlich schon, aber wenn wir uns anschauen, wieviel sich gegenseitig überschreibendes CSS benötigt wird, merkt schnell, das man die Komplexität nur verlagert hat. Miss Sullivans Beispiel: bei Facebook hatte man vor einem umfassenden CSS-Relaunch 706 CSS Dateien, in denen 261 Mal die gleiche Farbe blau definiert war. Do not repeat yourself?

Und dabei geht’s nicht mal darum, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben: Komplexität im CSS schadet allen Beteiligten, denn sie drückt auf die Performance. Mein Beispiel ist die tägliche Praxis. Bei einem großen Projekt wurden nahezu nach Lehrbuch beim Schreiben von HTML-Code (und Javascript[1]) auf auf eine ganze Reihe best practices geachtet. Das hat zunächst mal dazu geführt, dass wir zwar schlankes HTML, aber ziemlich viel CSS (und Javascript) über die Leitungen schicken. Dabei ist die Menge an CSS und seine Komplexität eine direkte Folge der semantischen Strukturen im HTML. Aber wo im HTML bspw. nur wenige Klassen stehen, muss im CSS mit unendlich langen Selektorketten auf Elemente zugegriffen werden, was die Menge an CSS erhöht, die Geschwindigkeit des Renderings aber herabsetzt. Nach einigen Jahren ist diese Situation immer schlimmer geworden. Sie ist dabei kaum noch überschaubar, weil man praktisch nur noch mit dem Firebug entscheiden kann, welche CSS-Regel auf ein Element greift. Und die schiere Menge an Code macht es nicht besser. Abhilfe schafft da oft, einfach mal eine Klasse ins HTML zu schreiben, die direkt angesteuert wird. Und die darf dann vielleicht auch mal „blue“ heissen, naja, vielleicht besser „main-color“.

CSS Refactoring?

Will man sich aber, mindestens in Teilen nun aber von dieser Praxis abwenden, dann hat man jetzt den GAU, den man eigentlich vermeiden wollte: Änderungen an der Codebasis und am CSS. Zumindest kann man das Nutzen, um die IE6-Unterstützung endgültig zu droppen und so das ganze CSS etwas zu modernisieren. So stehen nun vieler Orten viele Änderungen in Sachen CSS an. Neues hinzufügen, alte Zöpfe abschneiden. Alte Projekte auf den aktuellen Stand heben.

[1] Noch ein Nebensatz zur Rolle von Javascript: dies wurde erstaunlicherweise viel zu oft genutzt, um die selbst gesetzten Grenzen bei HTML und CSS zu überwinden oder umgehen. Hüstel…

SELFHTML nun als Wiki

Gefühlte fünf (Internet-)Jahre zu spät wird das gute alte SELFHTML endlich auf ein Wiki umgestellt. Dieses ist nun unter http://wiki.selfhtml.org/ zu erreichen. Natürlich werden neue – und vor allem begeisterte – Autoren gesucht. Wie eine Umfrage unter meinen dreiundzwanzig regelmäßigen Mitleserinnen und Mitlesern ergeben hat, haben sie alle von SELFHTML mindestens schon einmal profitiert, deshalb sollten auch alle mal eben hier auf der Mitmachen-Seite vorbeischauen und dann einen Artikel abliefern. Es ist noch Platz im Bereich HTML5 und Javascript…

Line wrapping text in legend elements

Roger Johansson: In some cases you should Use the fieldset and legend elements to group HTML form controls. One problem that may lead to though is when the legend text is too long to fit the width of its containing fieldset element.

Rezepte gegen die DIVterie

Diphterie

Corynnbacterium Diphtheria (Foto: CDC).

Wir wissen ja schon lange, dass valides HTML noch kein gutes HTML ist. Kalter Kaffee. Sehen wir dabei einmal vom durchaus validem Tabellenlayout ab, sind die größten Feinde mangelnde semantische Auszeichnung und in deren Schlepptau immer wieder DIVterie, soll heissen: übermäßige Benutzung von DIV-Containern, wo andere Elemente angebrachter wären. Bekannte Nebenwirkung dieser Krankheit sind übrigens Klassizismus, IDologie und natürlich VerSPANnung.

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HTML5-Elemente im IE ohne Javascript

Bei Peter Kröner steht’s schon, aber ich trage das hier mal der Vollständigkeit halber mal nach: im WHATWG Blog gibt es eine Anleitung, wie man die neuen HTML5-Elemente für den IE stylen kann, wenn Javascript abgeschaltet ist. (Wie es mit JS hatten wir schon.)

Simon Pieters schlägt einen Dreischritt vor:

  1. Know what the DOM looks like and target other elements than the new elements for styling.
  2. Use the universal selector (*) to target the right element.
  3. Use noscript.

Dabei ist das Kernstück folgender CSS-Regeltrick: statt dieses schönen Konstruktes für Browser, die die Elemente stylen können…

article + header + h1 + p { font-weight:bold }

… schreibt man, speziell auf IE zugeschnitten…

body > * + * + h1 + p { font-weight:bold }

… ersetzt also die unbekannten Elemente durch den universellen Selektor. Naja…

Ggf. auftretende Nebenwirkungen lassen sich vermeiden, in dem man sowas in ein Stylesheet nur für IEs ohne Javascript packt (das ist allerdings lustig):

<head>
    <!--[if IE]>
        <noscript><link rel="stylesheet" href="ie-noscript.css"></noscript>
    <![endif]-->

Darauf muss man nun wieder erstmal kommen. Im ganzen ziemlich großer Aufwand noch, aber immerhin, eine Möglichkeit.

The above techniques might not be very scalable or might well impact maintanence, but the point of this article is to show that it is possible to use the new elements while still supporting IE with scripting disabled.

Jetzt schon HTML5 nutzen!

Die 3. Antwort auf die Frage, ob man HTML5 bereits jetzt produktiv einsetzen sollte. Jetzt mit Gewalt.

Mir reicht’s aber auch irgendwie: über drei Einträge hab ich nun Gründe gefunden, warum man HTML5 nicht einsetzen sollte – das wurmt mich ein wenig. Denn möglicherweise gibt es Gründe, warum man es einsetzen will. Zum Beispiel aus politische; oder, weil man vorrausschauend arbeiten will; oder es gibt doch Features, die man jetzt schon nutzen will.

Future

It’s our future?
Foto: Mike Licht @ flickr/CC Lizenz

Machen wir es also mal umgekehrt und sagen JA! zu HTML5, auch im produktiven Einsatz! Was geht dann?

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